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Prignitzer Badeanstalten : Kein Handyverbot in Freibädern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schwimmmeister: Spannerei in der Prignitz eher kein Thema. Anwalt Hans Thomas Kohlhage: Besitz von Fotos nicht strafbar

von
erstellt am 17.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Ein generelles Handyverbot gibt es in Prignitzer Freibadeanstalten nicht. Das hat eine Umfrage des „Prignitzers“ ergeben. Immer wieder wird vor und während der Badesaison diskutiert, ob Handys tabu sein sollten. Befürworter versprechen sich davon, dadurch zu verhindern, dass Spanner unerwünschte Fotos von knapp bekleideten Frauen oder Kindern im Badedress machen.

„Es gibt kein grundsätzliches Handyverbot bei uns“, sagt Schwimmmeisterin Manuela Rozycki vom Freibad in Karstädt. Ihre Kollegen und sie würden bei ihrer Arbeit am Beckenrand aber durchaus auch darauf achten, wer welche Aufnahmen macht. „Vor zwei, drei Jahren hatten wir mal einen Fall, wo jemand heimlich gefilmt hat. Die Person haben wir dann des Bades verwiesen.“ Ein grundsätzliches Handyverbot hält Manuela Rozycki für schwer umsetzbar, weil jeder Badegast kontrolliert und darauf hingewiesen werden müsste, sein Telefon nicht ins Freibad mitzunehmen.

Ähnlich sieht es auch Frank Möller, der für die Anlagen in Perleberg und Pritzwalk verantwortlich ist. „Wir achten auf das Verhalten der Leute, aber ein Verbot gibt es nicht. Ich halte dieses Thema auch für Hysterie.“ Schließlich würden eher in den anonymen Großstädten solche Fälle von Spannerei vorkommen. „Aber bei uns im ländlichen Gebiet und in den kleineren Orten kennt jeder jeden – auch im Freibad. Da gibt es diese Probleme nicht.“ Ein klarer Fall von Spannerei mit dem Smartphone sei bei ihm noch nicht vorgekommen. „Sollte das mal passieren, werden wir denjenigen natürlich anweisen zu gehen.“ Generell sind dem Personal bei all dem Gewusel und der modernen Technik bei der Kontrolle Grenzen gesetzt. „Es ist schwer zu prüfen, wer was aufnimmt oder fotografiert. Und den Moment, in dem eine relevante Aufnahme gemacht wird abzupassen, ist schwierig.“

Es sei ein schmaler Grat zwischen Großeltern, die ihre Enkel fotografieren und Fremden, die Kinder aufnehmen, sagt Christian Maasch als Geschäftsführer der Bäder GmbH, die den Friedensteich in Wittenberge gepachtet hat. „Wir hatten mal den Fall, dass uns Badegäste meldeten, es würden Kinder fotografiert. Es stellte sich heraus, dass es die Großeltern waren, die den Badetag einfach fürs Familienalbum festhalten wollten.“ Ein Handyverbot hält Maasch für kaum umsetzbar. „Man müsste am Eingang ein großes Schild anbringen, um die Leute zu informieren. Aber die Einhaltung zu kontrollieren, ist schwer.“ Dennoch seien die Badegäste für dieses Thema sensibilisiert. Das gilt auch im Falle von Veranstaltungen, egal ob am Friedensteich oder in der Prignitzer Badewelt, von denen das Personal Fotos macht. „Wir stellen zum Beispiel Fotos von Schwimmkursen in der Badewelt auf unsere Facebookseite. Da müssen wir vorher natürlich das Einverständnis der Eltern haben, dass wir ihre Kinder dort zeigen dürfen. Das will nicht jeder.“

Rechtsanwalt Hans Thomas Kohlhage aus Wittenberge weiß, dass Voyeurismus oder Spannen an sich eine rechtliche Grauzone darstellen. „Konkret wird es erst, wenn jemand ein Foto von Fremden macht und dieses dann veröffentlicht, zum Beispiel im Internet. Dann hat der Betroffene einen Unterlassungsanspruch und das Recht auf Herausgabe der Aufnahme.“ Über das Hausrecht habe jedes Freibad die Möglichkeit, ein Handyverbot auszusprechen. „Wenn ich das als Privatperson nicht gut finde, kann ich eben nicht ins Freibad gehen“, so Kohlhage. Für das Freibad in Putlitz war kein Verantwortlicher zu erreichen.

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