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Regelungen an prignitzer Schulen : Kein generelles Handyverbot

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Prignitzer Schulen gehen mit dem Thema unterschiedlich um / Ältere Schüler genießen mehr Freiheiten

von
erstellt am 11.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Fluch oder Segen? Die Meinungen über Handys an Schulen gehen weit auseinander und unsere gestrige Umfrage an Prignitzer Schulen anlässlich des Safer Internet Days zeigt, dass es teils sehr unterschiedliche Regelungen und Ansätze gibt.

Ein Jahr lang haben Schüler, Eltern und Lehrer am Gymnasium Wittenberge diskutiert, nach einem Konsens gesucht, sagt Schulleiter Andreas Giske. Die Nutzung im Unterricht generell zu verbieten, sei dabei am unstrittigsten gewesen: „Wir haben ausreichend Tablets und Notebooks an unserer Schule, die im Unterricht eingesetzt werden können“, so Giske.

Bei Prüfungen ist die Abgabe der Handys sowieso Vorschrift, dieses Verbot sei auf Klausuren ausgeweitet worden. In den Pausen gelten unterschiedliche Regeln. „Bis zur 9. Klasse dürfen die Handys bis zum Schulende nicht benutzt werden.“ Dadurch sollen auch illegale Fotos und deren Veröffentlichung im Netz verhindert werden. Nach dem Unterrichtsende sei die Kommunikation mit Eltern und Freunden wichtig, zum Beispiel wenn es um den Heimweg geht. „280 unserer 480 Schüler kommen nicht aus Wittenberge.“

Ab der 10. Klasse ist eine Nutzung in den Pausen erlaubt. Wer gegen die Regeln verstößt, muss sein Handy abgeben. Je nach Situation dürfen es der Schüler selbst oder aber seine Eltern im Sekretariat abholen. „Wir dürfen Handys nicht verdammen, müssen den Umgang mit ihnen schulen“, meint Andreas Giske.

Im Gymnasium Perleberg gab es ebenfalls einen langen Weg bis zu einer verbindlichen Regel, erklärt sein Kollege Veit Goralczyk-Pehl. „Gerade bei jüngeren Schülern haben wir beobachtet, dass sie in den Pausen häufig spielen, im Unterricht unkonzentriert sind“, sagt er. Ältere Schüler hingegen nutzen die Geräte sinnvoll, recherchieren nach unterrichtsrelevanten Themen. Dennoch habe er zunächst Handys generell verboten und damit eine erwünschte Reaktion erzielt: Schüler boten an, Alternativen zu suchen.

Das Ergebnis ähnelt dem Wittenberger. Bis Klasse 9 sind Handys bis 13 Uhr tabu. Ab Klasse 10 dürfen sie in den Pausen genutzt werden, im Unterricht nach Absprache mit den Lehrern. Bei Verstößen werden die Telefone eingezogen, müssen generell von Eltern abgeholt werden. „Wir streben einen gemeinsamen Erziehungsprozess an, der zu Einsichten führt“, sagt Goralczyk-Pehl. Die bisherigen Erfahrungen seien gut.

Klar ist die Regel am Gymnasium Pritzwalk: Im Gebäude verboten, auf dem Schulhof erlaubt. „Im Unterricht darf es nach Ansprache mit den Lehrern z. B. in Chemie bei Experimenten oder im Kunstunterricht für Fotos genutzt werden“, sagt Lutz Rath, stellvertretender Schulleiter.

Ein generelles Handy-Verbot gibt es an der Perleberger Friedrich-Gedike-Oberschule nicht. „Wir haben unsere Hausordnung gelockert, sie den Gegebenheiten angepasst. Das Handy ist nun mal ein wichtiges Kommunikationsmittel“, so Schulleiterin Gisela Hauck. Allerdings im Unterricht ist es auszuschalten. Wer sich nicht dran halte, der muss es vor dem Unterricht abgeben. Fruchtet das auch nicht, wird dem Schüler das Handy abgenommen. Der Fachlehrer entscheide, ob er es nach seinem Unterricht wieder bekommt oder erst am Ende des Schultages. In ganz extremen Fällen müssen die Eltern das Handy in der Schule abholen. Aber das sei die absolute Ausnahme. Vielmehr gehe es jetzt darum, wie kann man gezielt das Smartphone – zumeist haben nur Lehrer nicht die neuesten Handys – als modernes Kommunikationsmittel in den Unterricht einbauen. „Demnächst läuft dazu eine Fortbildung, an der ich selbst teilnehmen werde“, so die Schulleiterin. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Smartphone werde aber immer öfter auch Inhalt der Klassenlehrerstunden sein.

An der Oberschule Glöwen herrscht ein grundsätzliches Handyverbot während des gesamten Unterrichtstages. Auch in den großen Pausen. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, die Eltern unterstützen das“, sagt Schulleiter Jörn Atlas. Allerdings gebe es natürlich Ausnahmen, der modernen Technik könne man sich nicht verschließen. „Wenn es dem Unterrichtszweck dient, können Handys nach Erlaubnis der Lehrer benutzt werden“, so Atlas, der betont, dass an seiner Schule „gleiches Recht für alle“ herrsche. Die Hausordnung wurde dahingehend überarbeitet, dass auch die Lehrkräfte sich an das Handyverbot halten müssen, allerdings aufgrund notwendiger Erreichbarkeit nicht ganz so strikt.

Auch die Wittenberger Oberschule handhabt die Handynutzung streng: „Wenn unsere Schüler das Schulgelände betreten, sind die Mobiltelefone auszuschalten“, sagt Schulleiterin Sigrid Neutmann. Wer dagegen verstößt und dabei ertappt wird, muss sein Handy im Sekretariat abgeben und kann es am Ende des Unterrichtstages dort wieder abholen. Für die Online-Arbeit im Unterricht sei die Schule ausreichend mit PCs und Tablets ausgestattet, so Neutmann.

Handy aus, wenn der Unterricht beginnt, heißt es auch an der Oberschule „Freiherr von Rochow“ in Pritzwalk. Allerdings würden Smartphones dort, wo es sich anbiete, durchaus auch ins Unterrichtsprozedere eingebaut, berichtet Schulleiterin Gisa Michaelis. Das werde dann aber entsprechend vorher bekannt gegeben. Strenge bzw. umfassende Kontrollen des Handyverbots seien allerdings nicht wirklich durchführbar. „Wir setzen da auch sehr auf Vertrauen“, so Gisa Michaelis.

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