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Jürgen Schmidt zum 65. : Kein Gedanke an den Ruhestand

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wittenberges erster Stadtführer Jürgen Schmidt feierte gestern seinen 65. Geburtstag und hat den ganzen Kopf noch voller Pläne

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 05:00 Uhr

65 Jahre, aber kein Gedanke an den Ruhestand. Lachend sagt Jürgen Schmidt: „Der Wittenberger Nachtwächter geht doch nicht in Rente.“ Wahlweise hätte in dem Satz auch die Rede von Salomon Herz, Paul Lincke, dem Admiral Gijsels van Lier oder von dem Hofnarren der Plattenburg sein können. Jürgen Schmidt verkörpert als Stadtführer aus Wittenberge jede dieser Rollen mit Freude und sehr viel Charisma. „Ja, es macht mir unheimlich Spaß, in diese Rollen zu schlüpfen, sie mit Leben vor dem historischen Hintergrund ihrer Zeit zu füllen und damit Leute für die Stadt und die Prignitz zu begeistern“, bekennt Schmidt.

Er legt nicht unbedingt Wert darauf, aber der Vollständigkeit halber muss gesagt werden, dass er sich ausgebildeter Kultur- und Landschaftsführer nennen darf. Anfang der 2000er Jahre hat Schmidt diese Ausbildung – aufgelegt von der IHK Potsdam – absolviert. Damals war er aber bereits seit mehr als zehn Jahren als Stadt- und Prignitzführer unterwegs. „Er ist unser Ur-Stadtführer“, stellte dann auch Bürgermeister Oliver Hermann fest, als er gestern Schmidt zu dessen 65. Geburtstag gratulierte. Tourismus für Wittenberge und die Prignitz verbindet die beiden seit Jahren. Hermann erinnerte gestern an die Zeit, als er das Museum leitete und später an die als Werkleiter des Kultur- und Tourismusbetriebes. Heute ist das Stadtoberhaupt Vorsitzender des Tourismusverbandes der Prignitz.

Begonnen hat Schmidt seine zweite berufliche Karriere – von Hause aus ist er diplomierter Philosoph und Gesellschaftswissenschaftler – zufällig und zwar als Hofnarr auf der Plattenburg, wie er sagt. Dort war bei einer Tafelrunde der Narr ausgefallen, Schmidt sprang ein, überzeugte, eroberte so die Plattenburg. Das Mittelaltermetier sagt ihm zu, über die Jahre hat Schmidt sich eine Veranstaltungsagentur aufgebaut, arrangiert auch im Süden Deutschlands mittelalterliche Hochzeiten. Zurück zu Schmidt als Stadtführer: Er war der erste in Wittenberge. Aber der einzige ist er nicht mehr, denn mittlerweile gibt es ein Team von hervorragenden Damen und Herren, die sich im Kostüm der Gäste von hier oder von auswärts annehmen. Aber Jürgen Schmidt dürfte der frechste von allen sein. Das sagt er zumindest von sich selbst. „Die Sprache ist mein Handwerkszeug. Ich bin schlagfertig. Und ja, ich fahre den Leuten, wenn es meine Rolle verlangt, auch mal über den Mund“, bekennt Schmidt schmunzelnd. Er sieht sich weniger als Erklärer von Architektur und Geschichtszahlen. „Ich erzähle vielmehr die Geschichten dahinter.“ An zahlreichen Führungen, die heute in Wittenberge angeboten werden, habe er konzeptionell mitgearbeitet, sagt Schmidt. Und der Bürgermeister hakt ein. Vieles, was für uns schon selbstverständlich sei, beispielsweise Führungen grundsätzlich im Kostüm, seien es anderswo längst nicht.

Übrigens kann Schmidt auch Festumzüge mit vielen Teilnehmern organisieren. Bewiesen hat er das in Osterburg zum Sachsen-Anhalt-Tag ebenso wie in Schwerin. Die Frau, die ihm den Rücken freihält, ist Lebenspartnerin Resi Kämling.

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