Polizei ohne Ermessensspielraum : Kein Erbarmen bei Wildfischerei

Wer angeln möchte, muss sich strikt an das Gesetz halten.
Wer angeln möchte, muss sich strikt an das Gesetz halten.

Elbe-Angler ohne Ortskenntnis sollten stets die Gewässerkarte studieren

svz.de von
17. September 2015, 08:00 Uhr





Eigentlich ist das große Schild in der Elbe bei Wittenberge am Stromkilometer 458 nicht zu übersehen. Es markiert das Ende des vom Landesanglerverband gepachteten Stromabschnittes. Doch wer erst ein Stück weiter stromabwärts und damit außer Sichtweite an den Fluss kommt und beim Angeln kontrolliert wird, der kann eine böse Überraschung erleben.

So erging es kürzlich einem Besucher aus Bayern, der an der Elbe bei Müggendorf von der Wasserschutzpolizei überprüft wurde und trotz gültigem Angelscheins des Kreisanglerverbandes Perleberg (KAV) und fehlenden Fangs eine Strafanzeige wegen Wildfischerei kassierte. Denn diesen Elbbereich haben Berufsfischer gepachtet.

Um einer solchen Anzeige vorzubeugen rät der Kreisanglerverband gerade Neulingen, Touristen und anderen Ortsunkundigen, beim Erwerb eines Angelscheines stets Einblick in die Gewässerkarte zu nehmen. Über diese verfügen alle entsprechenden Anbieter. So lassen sich anzeigenbewehrte Fehler und Irrtümer vermeiden.

Die Anbieter seien entsprechend geschult worden, versichert der stellvertretende Vorstand Dieter Rosenthal. Insgesamt seien die Fälle von Wildfischerei im Bereich des KAV Perleberg überschaubar. Möglicherweise würden schärfere Kontrollen dieses Bild aber verändern.
Wenn der Verdacht einer Straftat bestehe, zu der auch Wildfischerei gehöre, müsse die Polizei eine Strafanzeige aufnehmen. Dabei gebe es keinen Ermessensspielraum, erläutert Toralf Reinhardt, Leiter der Pressestelle der Polizeidirektion Nord. Die rechtliche Bewertung sei dann Sache der Staatsanwaltschaft, die laut Gesetz über entsprechende Spielräume verfüge. Ein Schwerpunkt seien Delikte des Bereichs Wildfischerei in der Region mit einer Fallzahl im niedrigen zweistelligen Bereich pro Jahr aber nicht.

Die Erfahrung, dass Ortsunkenntnis, unvollständige Beratung und fehlende Gewässerkarte nicht vor einer Anzeige der Wasserschutzpolizei schützen, machte im August jener Besucher aus Bayern. Die Aussage, er könne mit dem erworbenen Angelschein überall an der Elbe seinem Hobby nachgehen, erwies sich bei der Kontrolle nahe Müggendorf als falsch. Denn wie gesagt, dieser Bereich gehört den Berufsfischern. Mit Gewässerkarte wäre es nicht zu dem Irrtum gekommen. So blieben dem Betroffenen laut Leserbrief ein leerer Fischeimer, rechtlicher Ärger und bittere Erinnerungen an das Anglerparadies Prignitz.  

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