Pfarrerin geht in den Ruhestand : Kein abrupter Abschied

Marie-Luise Klehmet hatte bei ihrer Verabschiedung viele Hände zu schütteln.
Marie-Luise Klehmet hatte bei ihrer Verabschiedung viele Hände zu schütteln.

„Ich habe gern als Pfarrerin gearbeitet“: Marie-Luise Klehmet geht nach 36 Jahren Kirchendienst in den Ruhestand

von
20. März 2014, 12:00 Uhr

Trotz zusätzlicher Bestuhlung reichten am Sonntag die Plätze in der Garliner Kirche nicht, so dass einige der mehr als 180 Besucher mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten. Das taten sie gern, um der offiziellen Verabschiedung ihrer Pastorin Marie-Luise Klehmet aus dem aktiven Kirchendienst beizuwohnen.

Am 6. Mai ist es 36 Jahre her, dass sie und ihr Mann nach dem Theologiestudium an der Uni Greifswald mit zwei Töchtern (zwei und vier Jahre alt) in die Prignitz nach Groß Warnow kamen. „Wir wurden damals sehr gut aufgenommen“, erinnert sich die gebürtige Perlebergerin, die in der Altmark aufwuchs. Zu Anfang in einem halben Pfarrsprengel (Seetz/Sargleben) tätig, kamen für sie 1983 Garlin und 1992 der Sprengel Boberow dazu. Aus der 2003 für Blüthen/Strehlen kurzzeitig geplanten Vertretung wurden zehn Jahre.

Ja, sie habe gern als Pfarrerin gearbeitet, blickt Marie-Luise Klehmet im Gespräch mit dem „Prignitzer“ zurück. „Wichtig war mir, Land und Leute kennen zu lernen, mit den Menschen in ihren verschiedenen Lebenssituationen in Kontakt zu kommen und ihnen mit dem Glauben an Gott Trost, Kraft und Hoffnung zu geben”, betont die Pfarrerin i. R. Ebenso sei sie immer bemüht gewesen, Theologie und Predigt nicht losgelöst von der Zeit und ihren Themen zu sehen.

„Sie hat gelebt, was sie gepredigt hat. Sie war immer sie selbst und damit glaubhaft”, unterstrich Oliver Günther, neuer Superintendent des kürzlich geschaffenen evangelischen Kirchenkreises Prignitz, bei der Verabschiedung von Marie-Luise Klehmet. Er verdeutlichte zugleich den Anspruch, dem sich Pfarrer täglich stellen müssen: „Durch uns hören die Menschen das Wort Gottes, davon können wir uns nicht abkoppeln.”

Die Herzlichkeit und Offenheit, mit der die Groß Warnowerin auf die Menschen zuging, aber auch die Ideenvielfalt in ihrer Arbeit brachten ihr schnell Anerkennung und Sympathie von Christen und Nicht-Christen ein. So gestaltete die Pfarrerin neben Krippenspielen zu Weihnachten auch Literatur- und Schulgottesdienste. Ebenso ist es der Literaturliebhaberin zu verdanken, das Seetzer Dorftheater wieder belebt und zu neuer Qualität geführt zu haben. Erinnert sei nur an die Inszenierungen von „Der zerbrochenen Krug“, „Der eingebildete Kranke“, „Der Geizige“, „Der Revisor“, „Arzt wider Willen“.

Pfarrer sein, heiße heute zugleich, Management zu betreiben, meint die 65-Jährige und verweist auf die Sanierung der Kirchen in Garlin, Sargleben, Boberow, Seetz, Mankmuß oder Mellen in ihrer Amtszeit. Garlin sei ein besonders aufwändiges Vorhaben gewesen.

Die dortige Kirche wurde 1972 wegen Baufälligkeit geschlossen und konnte 1995 schließlich nach umfangreicher Instandsetzung wieder eingeweiht werden. „Das Pfarrhaus Blüthen wäre ohne die Unterstützung von Pfarrerin Klehmet heute nicht auf dem erfolgreichen Weg zu einem evangelischen Landpfarrhaus-Museum“, ergänzt Kirchenältester Ulrich Wolf.

Was Gemeindeglieder und Theaterspieler bei aller Traurigkeit freut: Es gibt keinen abrupten Abschied. Die Pfarrerin i. R. wird bis zum Frühjahr 2015, wenn Rudolf Klehmet in den Ruhestand geht und das Ehepaar zu den Kindern nach Berlin zieht, ihren Mann in seiner Arbeit unterstützen. Denn Rudolf Klehmet ist seit 1. Februar nicht nur für seine, sondern auch für die bisherigen Pfarrsprengel seiner Frau zuständig – eine Region, die von Deibow, Mellen, Boberow, Garlin, Groß Warnow bis Kribbe reicht. Zugleich freut sich Marie-Luise Klehmet, etwas mehr Zeit zu haben für ihr großes Hobby, die Literatur. „Ich befasse mich gerade verstärkt mit dem Leben Leo Tolstois, lese ,Eine Ehe in Briefen’. Auch will ich meine Sprachkenntnisse in Englisch und Russisch auffrischen”, meint sie mit Blick auf den Wunsch, mehr zu reisen. Und da sind noch vier Enkelkinder, zu denen sich bald ein fünftes Enkelkind gesellen wird, die ihre Oma fordern.

Weiter geht auch die Theaterarbeit, zumindest bis Ende nächsten Jahres. So wird das 2013 einstudierte Stück „Jedermann“ nach dem Bestseller von Hugo Hofmannsthal am 29. Mai zur 775-Jahrfeier in Dallmin sowie am 21. Juni in Groß Gottschow und vielleicht bei weiteren Aufführungen zu erleben sein.

In ihrer Abschlusspredigt stellte Marie-Luise Klehmet angesichts immer größer werdender Pfarrsprengel die Frage „Was wird aus unseren Kirchengemeinden?“, ohne eine Antwort darauf geben zu können. Nicht aufgeben wolle sie die Hoffnung auf eine Rückbewegung aufs Land. Als kirchliche Begegnungsstätte und damit Anlaufpunkt für viele Menschen soll künftig das einstige Pfarrhaus in Boberow ausgebaut werden. Die Arbeiten dafür sind angelaufen.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen