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Arbeitsmarkt : Kaum Dynamik auf dem Arbeitsmarkt

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Agentur-Bereichsleiter Ronald Vieweg spricht über Jobs, Lehrstellen und Probleme in der Prignitz

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Für den Prignitzer Arbeitsmarkt prognostiziert Ronald Vieweg 2014 eine stabile Entwicklung. „Ich erwarte wenig Dynamik und eine in etwa gleichbleibende Beschäftigungsquote“, sagt der seit dem 1. Januar zuständige Bereichsleiter für Prignitz und Ostprignitz-Ruppin gegenüber unserer Zeitung. Sollte die Prognose von zwei Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland eintreten, werde das auch in der Prignitz zu spüren sein, aber nur leicht.

Die Situation im Landkreis bleibe schwierig. „Entgegen dem Bundes- und Landestrend sinkt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“, sagt Vieweg. Grund sei der leichte, aber konstante Rückgang der Bevölkerung. Gesunken sei auch die Zahl der Erwerbspersonen. Dass es in 2013 keine spürbare Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt gab, belegt auch die Arbeitslosenquote. Sie lag im Dezember bei 12,4 und im Dezember 2012 bei 12,2 Prozent.

Branchen wie der Handel schwächeln und werden künftig weiter Stellen abbauen, sagt der Bereichsleiter. Das sei ebenfalls eine klare Folge des Bevölkerungrückgangs. Positiv habe sich das produzierende Gewerbe entwickelt, vor allem im Bereich Nahrungsmittelwesen. Potenzial habe aus Viewegs Sicht das Transportwesen. Hier erwartet er weitere Stellenzuwächse. Jobmotor sind und bleiben die Gesundheits- und Pflegeberufe. „Wir erwarten Steigerungen, aber nicht im zweistelligen Bereich.“

Eine auf dem Arbeitsmarkt durchschlagende Entwicklung sei nicht zu erkennen. „Dafür haben wir keine Impulse aus der Wirtschaft“, so Ronald Vieweg, der die Region als bisheriger stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters kennt. Die dafür notwendigen Neuansiedlungen oder Erweiterungen seien bisher nicht absehbar. Mittelfristig hält er ein Sinken der Arbeitslosenquote in der Prignitz auf zehn Prozent oder gar darunter für nicht wahrscheinlich. Landesweit liegt die Quote seit geraumer Zeit im einstelligen Bereich. „Je weiter weg von Berlin, desto höher ist die Arbeitslosigkeit“, nennt er eine Faustregel. Egal in welche Richtung man von Berlin aus schaut, dieser Trend falle stets auf.

Positiv hingegen sei die stark gesunkene Jugendarbeitslosigkeit. Bei den 15- bis 25-Jährigen lag sie im Vorjahr bei 8,9 Prozent, im Jahr zuvor noch bei 9,7 Prozent. Die Jugend profitiere vom demografischen Wandel. In diesem Jahr erwartet Vieweg erneut mehr Lehrstellen als Bewerber. Ganz anders sieht es bei den älteren Arbeitnehmern aus: 56 Prozent der Arbeitslosen sind älter als 50 Jahre. Hier sieht Ronald Vieweg ein noch zu wenig genutztes Potenzial. Er plädiert dafür, älteren Arbeitnehmern eine Chance zu geben. „Qualifikation hört nicht mit 50 Jahren auf. Es gibt keine Anzeichen, dass diese Arbeitnehmer weniger gut geeignet sind“, sagt er.

Ganz im Gegenteil. Speziell für sie angebotene und mit Unternehmen koordinierte Qualifikationen seien im vergangenen Jahr erfolgreich verlaufen und sollen fortgesetzt werden. Zugleich ermuntert Vieweg die Arbeitgeber, 25- bis 35-Jährige in Ausbildung zu übernehmen. Auch Einsteiger ohne abgeschlossene Berufsausbildung sollten häufiger als bisher eine Chance erhalten. Wenn Betriebe sich mehr zu solchen Schritten entscheiden würden, könnte das spürbare Effekte auf dem Arbeitsmarkt zur Folge haben.

Die seit Januar uneingeschränkt geltenden Arbeitsmöglichkeiten für Bulgaren und Rumänen hätten keine Auswirkungen im gesamten Neuruppiner Agenturbereich, zu dem die Prignitz gehört. „Wir sind definitiv kein Zuzugsgebiet für diese Länder“, sagt Ronald Vieweg.


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