Kassette gestohlen, 50 Mark Belohnung ausgesetzt

Brigitte und Ulrich Zander stießen beim Stöbern auf eine Ausgabe des Prignitzer mit der Familienerinnerungen verbunden sind.
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Brigitte und Ulrich Zander stießen beim Stöbern auf eine Ausgabe des Prignitzer mit der Familienerinnerungen verbunden sind.

Mit Ulrich und Brigitte Zander im Prignitzer vom 24. September 1919 geblättert

svz.de von
07. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Dass er noch eine Ausgabe der Pignitzer Nachrichten habe, daran konnte sich Ulrich Zander noch recht gut erinnern. Jetzt fiel ihm jene vom 24. September 1919 wieder in die Hände. „Mein Vater hatte sie damals aufgehoben, weil da eine Annonce vom Großvater drin stand. Dem war eine eiserne Geldkassette aus der Wohnung gestohlen worden. 50 Mark Belohnung hatte er ausgesetzt.“ „Wer irgend etwas Verdächtiges gesehen, bitte um Mitteilung. Zander Wittenbergerstr. 9“, ist zu lesen. Ob sein Großvater die Kassette allerdings jemals wieder bekam, das weiß Ulrich Zander nicht.

Mit dem Prignitzer verbinde die Familie aber noch mehr, verrät Brigitte Zander. Und ihr Mann berichtet, dass der Bruder seines Vaters, der, wie der Großvater Hermann Zander hieß, Schriftsetzer beim „Prignitzer“ lernte und zeitlebens auch als solcher bei dieser Zeitung arbeitete – „erst in Perleberg, dann in Wittenberge und bis zur Rente schließlich in Schwerin. Ich kann mich noch erinnern, wenn wir ihm was Neues aus Perleberg berichten wollten, dann kam immer: ,das weiß ich, ich arbeite doch bei der Zeitung’.“

Die Zanders sind alteingesessene Perleberger. 1902 eröffnete der Großvater von Ulrich Zander sein Friseurgeschäft in der Wittenberger Straße. Dessen Sohn führte dieses weiter. 1970 trat schließlich Ulrich Zander in die Fußstapfen des Vaters. Bis 2008 hieß es in der Wittenberger Straße: Bitte waschen, schneiden, legen.

Übrigens, die Zanders fanden beim Stöbern auch noch eine „Unterhaltungs-Beilage für den ,Prignitzer‘ vom 15. Oktober 1924 sowie eine Ausgabe der „Prignitzer Nachrichten“ vom 6. Juni 1924. Pfingsten fiel offensichtlich auf diesen Termin, denn da ist die Rede von deutschen Pfingstbräuchen. „Der Pfingst- oder Maienbaum wird im Wald gefällt, heimlich, oft sehr heimlich, zum Schaden des Waldes und zum Verdruß seines Hüters. Man schmückt ihn da mit bunten Bändern und Blüten, auch mit materiellen Gaben, wie Tüchern, Würsten, Kuchen und Speck. Zu heiteren Weisen wird ein fröhlicher Reigen um das Sinnbild des sieghaften Lenzes aufgeführt.“

Nicht minder interessant die Anzeigen: „Das Fischen und Angeln in der Stepenitz innerhalb der Feldmark Lübzow ist nur nach Ausstellung einer Angelkarte erlaubt. Wer ohne Angelkarte betroffen wird, kommt fortan unnachsichtlich zur Anzeige. Wir warnen gleichzeitig Unberechtigte vor dem Betreten der Stepenitzwiesen wegen der mit dem Kugelschuß bei Jagdausübung verbundenen Lebensgefahr. Schulz, Gemeindevorsteher.

Oder: „Extra billiges Angebot! 1a Kernseife, 200 Gramm schwer, Riegel nur 20 Pfg., 5 Riegel nur 95 Pfg.

Haushaltsseife, 200 Gramm schwer, Riegel nur 14 Pfg., bei 10 Riegeln nur 13 Pfg.

Toilettenseife, 100 Gramm schwer nur 35 Pfg.

Malzkaffee in Paketen, Pfund nur 30 Pfg., Zucker, Pfund 40 Pfg. Wilhelm Schanlin, Reetz, Filiale Baek.“

Zum Abschluss noch dieser Pfingstwunsch: „Die Bekanntschaft einer jungen hübschen Dame im Alter von 20 - 24 Jahren aus nationaler Familie mit guter Herzensbildung ersehnt Polizeiwachtmeister, 24 Jahre alt, große stattliche Erscheinung, zwecks späterer Heirat

Diskretion Ehrensache. Nur ernstgemeinte Zuschriften, möglichst mit Bild, welches sofort zurückgesandt wird, unter Nr. 5067 an die Geschäftsst. erbeten.“

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