zur Navigation springen
Der Prignitzer

24. Oktober 2017 | 04:35 Uhr

Kartoffelmarkt - Lust und Frust

vom

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2012 | 07:09 Uhr

Perleberg | Es war der 17. Kartoffelmarkt, zu dem die Rolandstadt am Samstag einlud. Neugier und Erwartung bei den einen, "es wird schon, war doch immer gut", sagten die anderen und sahen es eher gelassen, dass dieser Sondermarkt einen neuen Betreiber hat, die Stadt jetzt auf Wunsch und Beschluss der Stadtverordneten ganz außen vor ist.

Seit dem 1. Juli hat Bernd Gellesch Wochen- und Sondermärkte in Perleberg in Regie. Er ist kein Greenhorn, betreibt mittlerweile 13 Märkte dieser Art, "eher noch ein Stück größer", wie er sagt, in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Doch die Perleberger seien schon was Besonderes, "man hat es hier nicht so leicht". Es sei die Resonanz, von der er sich einfach mehr versprochen habe, "ein Wir-Gefühl", das er hier vermisse. An die 180 Firmen, Personen habe er angeschrieben, um etwas Unterstützung hinsichtlich Spenden für Kinder gebeten. "Eine einzige Antwort habe ich bekommen."

Die Erwartungen der Leute hier seien sehr hoch, doch mit Standgebühren von sieben bis acht Euro pro laufendem Meter könne man keine Bäume ausreißen. "Aufbau, Beschilderung, Deko, Bühne und Programm - das alles kostet viel Geld. Und das muss reinkommen. Ein Bühnenprogramm für 1200 Euro, wie es sich die Stadt nach ihrer Aussage habe kosten lassen, das ist nicht machbar. Jedenfalls keins mit Niveau und Anspruch. Die Künstler heute hier habe ich faktisch zum Freundschaftspreis ordern können, weil man sich kennt, sie öfters bei mir engagiert sind. Im Grunde genommen frisst der Kartoffelmarkt schon alles an Plus auf, was die Wochenmärkte eingebracht haben."

Unverständlich ist für den neuen Betreiber auch, dass man einen Termin in den Ferien auswählt. "Die Antwort der Schulen, die ich angesprochen habe war, tut uns leid, es sind Ferien." Gelinde gesagt als äußerst ungünstig empfand es Bernd Gellesch zudem, dass wenige Kilometer weiter, sprich in Weisen, ebenfalls ein Kartoffelmarkt stattfand. "Da muss man sich doch im eigenen Interesse abstimmen."

Schweißperlen treibt es derweil einigen Besuchern und Händler auf die Stirn. Der Grund: keine Toiletten. Die gastfreundlichen stillen Örtchen im nahen Umkreis, die die Stadt vertraglich gebunden hat, sind alle samt verschlossen. Auch für das im Rathaus findet sich erst um 11.45 Uhr der erlösende Schlüssel. "Eine Sache, die die Stadt unbedingt besser in den Griff bekommen muss. Ich habe mich darauf verlassen. Wie sieht es auch aus, wenn ich auf den Markt noch Dixi-Klos aufstelle", so der Betreiber.

Bei allem Frust, auch lobende Worte. "Tolle Unterstützung gab es von der Gärtnerei der Lebenshilfe, der PVU und auch Wanda Hoppe von der Kultur der Stadt half, wo sie konnte." Komplimente auch von Besuchern. "Unser Chor von der Caritas, die Ohrwürmer, stehen gerade auf der Bühne. Ich finde den Markt einfach super. Es gibt Leckeres zu essen und auf der Bühne ein schönes Programm", so Brigitte Blumenthal. Auch Edeltraut Wolf ist begeistert. "Die Bühne ist ein ganzes Stück kleiner und passt so viel besser ins Bild. Mir gefällt der Markt mit seinem Angebot und Programm. Und fürs Wetter kann niemand." Maria Franke schwärmt vor allem von den Kartoffelpuffer. Wen wundert’s, sind ja auch hausgemacht. Denn ihr Vater hat den Prignitzer Kartoffelhandel. Da man im vergangenen Jahr hier für Kartoffelpuffer Schlange stehen musste, hat er dieses Mal zwei Stände aufgemacht. Eine der Buden vom Stadtbetriebshof dafür zu bekommen, kostete allerdings Kraft und Nerven, gesteht seine Frau.

An der Gulaschkanone des City-Grills aus Wittstock haben Doris Nemitz und ihre Kollegin rund 100 Portionen Erbsen- und Kartoffelsuppe sowie 30 bis 40 Portionen Kürbissuppe zubereitet. "Alles frisch gekocht heute in der Frühe", betont die nette Köchin.

14.30 Uhr klart es auf, schlägt das Stimmungsbarometer komplett um: "Da brannte die Luft." Der schwerste Kürbis und dergleichen wird prämiert und alle 25 Fundfahr räder finden reißend Absatz, selbst jenes mit nur einem Rad. Am Ende muss Bernd Gellesch sagen: Es ist Schluss! Und da war es schon 18.30 Uhr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen