Wittenberge : Kantor verabschiedet sich

Zusammen mit seinen Freunden und musikalischen Weggefährten Tilmann Kuhn (Gesang), Kai Nerger (Querflöte) und Helmut Hauskeller (Panflöte) gab Kantor Johannes Wauer sein Abschlusskonzert in Wittenberge.
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Zusammen mit seinen Freunden und musikalischen Weggefährten Tilmann Kuhn (Gesang), Kai Nerger (Querflöte) und Helmut Hauskeller (Panflöte) gab Kantor Johannes Wauer sein Abschlusskonzert in Wittenberge.

Johannes Wauer geht in den Ruhestand und wird Ostersonntag letztmalig den Gottesdienst musikalisch begleiten

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09. März 2018, 12:00 Uhr

Seit bald 30 Jahren ist Johannes Wauer das Gesicht der Wittenberger Kirchenmusik. Doch nicht nur in der Stadt hat der Kantor seine Spuren hinterlassen. In der ganzen Prignitz wird sein musikalisches Talent geschätzt, hat er Kirchenchöre geleitet und dirigiert, manche noch heute. Ganz will er sich nicht verabschieden, aber wenn in Kürze sein Ruhestand beginnt, treten andere Ziele in den Vordergrund, verrät er am Rande seines offiziellen Abschiedskonzerts im Gemeindehaus Wittenberge.

Aufgewachsen in einem kirchlich geprägten Haus sollte Johannes Wauer Pfarrer werden. Er begann ein Theologiestudium, aber in die Bücher schaute er zu selten, Arbeiten gab er nicht rechtzeitig ab, gesteht er. „Stattdessen spielte ich ganz viel Klavier.“ Damit war es nur konsequent, das Studium aufzugeben. „Stattdessen studierte ich Kirchenmusik, war mit 27 Jahren der älteste Student.“

Seine ersten beruflichen Stationen waren Delitzsch bei Leipzig und Mittenwalde. 1988 kam Wauer nach Wittenberge, fand hier endgültig seine berufliche und private Heimat. Die klassisch geprägte Kirchenmusik liegt ihm. Schon als Kind habe er lieber Klassik statt moderner Musik geliebt. Er könne selbst nicht genau sagen, warum er Klassik so liebe. „Sie entspannt mich einfach, ich kann die Musik genießen“, meint er. Als Kind habe er mit acht Jahren begonnen, Klavier zu spielen. Sein Lehrer war Dozent an der Musikhochschule in Weimar. Auch das habe ihn geprägt, sagt Wauer.

Der Beruf des Kantors sei vielfältig: Orgelspiel, Chorarbeit, intensiver Kontakt zu den Menschen in der Gemeinde. Bis zu vier Chöre hat er gleichzeitig geleitet, war neben Wittenberge in Groß Warnow, Groß Breese und Cumlosen aktiv. Die zwei letztgenannten leitet er weiterhin. Waren Kantorenstellen unbesetzt, übernahm Johannes Wauer die Vertretung und da er zugleich als Kreiskantor wirkte, kannte er sich in den meisten Kirchengemeinden gut aus.

Die Anfänge in Wittenberge waren holprig. „Wir hatten gar kein funktionierendes Instrument, die Orgel im Gemeindesaal spielte nicht“, sagt er. Erst als 1992 eine Orgel aus Pasewalk kommend eingebaut wurde, konnte er die Gottesdienste mit seinem Spiel begleiten. Es war die Zeit, in der Wauer begann, erste Konzerte zu organisieren. „In den all den Jahren habe ich bestimmt mit bis zu 20 Solisten gespielt.“

Einige von ihnen hatte er zu seinem offiziellen Abschlusskonzert nach Wittenberge eingeladen. Dazu zählen Kai Nerger an der Querflöte und der Panflötenspieler Helmut Hauskeller. Mit diesem verbindet ihn eine jahrelange Freundschaft. Den Gesangspart übernahm Tilmann Kuhn. Der langjährige Pfarrer aus Perleberg arbeitet inzwischen in Straußberg.

Auf seinen Reisen lauscht Johannes Wauer gerne dem Orgelspiel seiner Kollegen, manchmal möchte er auch deren Instrument selbst spielen. „Nicht jeder Organist gestattet dies“, sagt Wauer. Er selbst sei da großzügig, schlage einen solchen Wunsch eigentlich niemals aus. Schon gar nicht, wenn ihn Schulkinder äußern. Sie seien sehr interessiert an der Funktionsweise der Orgel.

Seinen Ruhestand hat Johannes Wauer um zwei Monate verschoben. Er wolle einen nahtlosen Übergang für seine Nachfolgerin Susanne Krau gewähren. Der 1. April werde sein letzter Arbeitstag sein. Wie nicht anders zu erwarten, wird er sich an der Orgel verabschieden und den Gottesdienst am Ostersonntag begleiten.

Sorge vor Langeweile habe er nicht. Musik werde ihn weiter begleiten, Haus und Grundstück erfordern eine ordnende Hand. Vier Enkelkinder freuen sich auf ihren Opa und Johannes Wauer will sich der Ahnenforschung widmen.

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