Kampf gegen Raupenplage: Havelland macht es vor

Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen auf einem Baumstamm. Foto: dpa
Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen auf einem Baumstamm. Foto: dpa

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25. Juni 2012, 07:15 Uhr

Prignitz | Nicht überall im Land schauen sich Behörden und Verwaltungsmitarbeiter ratlos in die Augen, wenn es um die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners geht. Der Landkreis Havelland hat gezeigt, dass es auch anders geht. Um das Biozid Dipel ES aus der Luft auch in bewohnten Gebieten einzusetzen, argumentierte der Kreis nicht aus pflanzenschutzrechtlicher Sicht, sondern stellte die Gesundheit der Menschen in den Mittelpunkt. Die Ordnungsbehörde erteilte eine Allgemeinverfügung und schritt zur Tat. Das Ergebnis: 80 Prozent der Raupenpopulation ist vernichtet.

Der Reihe nach: Entscheidungsträger im Land und im Kreis Prignitz führen diverse Argumente an, die gegen eine Bekämpfung sprechen: Der Einsatz von Dipel ES mittels Hubschrauber ist nicht für bewohnte Gegenden zugelassen, lautet eine Erklärung. Aus pflanzenschutzrechtlicher Sicht ist Dipel ES ebenfalls bedenklich, eine andere. Die Kostenteilung für den Lufteinsatz seien zu teuer, heißt eine weitere.

"Der Einsatz von Dipel ES in bewohnten Gebieten aus der Luft ist nicht zulässig, aber auch nicht verboten", sagt Erik Nagel, Sprecher des Landkreises Havelland. "Wir haben uns die Statistiken angeschaut, wie viele Menschen sich wegen der allergischen Ausschläge haben behandeln lassen, welche gesundheitlichen Schäden vorlagen und so weiter." Er spricht von einem signifikanten Anstieg an Beeinträchtigungen für den Menschen.

Das genügte als Grundlage, um zum 30. März 2012 eine Allgemeinverfügung zu erlassen, die zu diesem Tag im Amtsblatt öffentlich gemacht wurde. "Wir haben im Sinne der Gefahrenabwehr für den Menschen argumentiert. Dann liegt die Zuständigkeit bei der Ordnungsbehörde des Kreises", erklärt Erik Nagel.

Darin heißt es zur Begründung, dass die stark gestiegene Population der Raupe "mittlerweile ein ernst zunehmendes Problem für die Bevölkerung des Landkreises Havelland" darstellt. Da aus dem Ministerium niemand gegen den Verwaltungsakt Widerspruch einlegte, erlangte er geltendes Recht. Die Verantwortlichen begannen mit der Koordinierung des Hubschraubereinsatzes. Die Kosten teilten sich Ämter, Gemeinden und Städte im Havelland gleichermaßen. 516 Hektar überflog der Hubschrauber vom 2. bis zum 4. Mai. Hinzu kamen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen.

Für den Zeitraum des Einsatzes erteilten die Ordnungsämter Auflagen. So seien öffentliche Plätze und Straßen kurzzeitig gesperrt worden, Schulhöfe und Spielplätze blieben leer.

In der Verwaltung spricht man von einer gelungenen Aktion. "Wir gehen vorsichtig davon aus, dass die Population des Spinners um bis zu 80 Prozent reduziert werden konnte", so Nagel. Dennoch will der Kreis die Allgemeinverfügung auch im kommenden Jahr durchsetzen.

In wenigen Wochen wird sich der Spinner verpuppen und als Nachtfalter schlüpfen. Dann legt er seine Eier erneut, der Kreislauf beginnt von vorne.

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