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Landwirte in der Prignitz : Kahlfröste ohne Schnee sehr kritisch

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Kreisbauernverbandsvorsitzender Lothar Pawlowski: Winterkulturen stehen nach den milden Temperaturen der vergangenen Wochen voll im Saft. Bei zweistelligen Minusgraden droht das Auswintern.

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 08:00 Uhr

„Wir blicken mit Sorge in die Zukunft, es ist noch nichts in trockenen Tüchern, wir haben den Winter noch vor uns“, sagt Lothar Pawlowski, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Karstädt und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz. Bislang verschonte der Winter die Landwirte. Aufgrund der milden Temperaturen in den vergangenen Wochen stehen die Kulturen des Wintergetreides (Weizen, Roggen, Gerste, Triticale) und Winterraps „schon voll im Saft. Die Vegetation fängt bei neun Grad Celsius an. Der Wachstumsvorlauf ist aber nicht so zu erkennen“, sagt Lothar Pawlowski, der täglich die Tages- und Nachttemperaturen verfolgt. So hat er Heiligabend oder am 1. Weihnachtstag eine Durchschnittstemperatur von 10,2 bzw. 11,1 Grad Celsius gemessen. Vom 7. bis 9. Januar lag sie bei 11,7 Grad.

Doch seit Anfang der Woche kehrt auch in der Prignitz der Winter ein. „Die Abkühlung hat sich ja schon seit Sonntag angekündigt. Wir sehen einen allmählichen Temperaturabfall positiver als einen krassen Abfall in den Dauerfrostbereich“, so der Kreisbauernverbandsvorsitzende, der berichtet, dass Raps, Weizen oder Gerste frostempfindlicher sind als Roggen oder Triticale. Allerdings gibt es dabei immer sortenbedingte Unterschiede. Auch ein üppiger Bestand der Kulturen sei frostgefährdeter. Das Wintergetreide hat im Herbst ein Aussaatfenster von vier bis sechs Wochen, der Raps von rund drei Wochen. Je nach zeitlicher Bestellungsphase ergibt sich zum Winter hin der Bestand. Doch die Landwirte versuchen sich dahingehend zu schützen, indem sie an ihre Züchter die Anforderung stellen, dass die Pflanzenzüchtung auf Winterhärte geprüft ist.

„Wir Landwirte bangen darum, dass unsere Winterkulturen wie wir sagen nicht auswintern, also absterben“, so Pawlowski. Und da weiß niemand, was auf die Prignitzer Landwirte noch zukommt. „So lange sich die Minusgrade im einstelligen Bereich bewegen, ist alles im grünen Bereich. Sehr kritisch sind Kahlfröste mit zweistelligen Minusgraden ohne Schnee. Im vergangenen Jahr hatten wir zwar einen langen Winter, aber mit einer schützenden Schneedecke“, weiß der Karstädter Agrargenossenschafts-Chef. „Wir hätten lieber eine Schneedecke. Im Moment ist es noch keineswegs kritisch. Aber wenn die Temperaturen an die Minus 20 Grad gehen, dann haut es uns richtig weg“, meint der Geschäftsführer des Bauernbundes Reiner Jung aus Lennewitz, den wir am Handy zusammen mit Landwirt Reiner Guhl aus Düpow erwischten. „Der Raps hat sich bis jetzt super entwickelt“, so Guhl, der die momentane Wetterlage mit den Wechselfrösten im einstelligen Bereich noch als normal bezeichnet. Nur langanhaltende Kahlfröste wären jetzt äußerst schwierig. „Aber wir Bauern haben keine Angst, wir wissen ja nicht, was das Wetter uns in der nächsten Zeit bringt. Es ist alles eine Einstellungssache: Wir leben in der Natur von der Natur“, so Guhl, der genauso wie seine Landwirtschaftskollegen allerdings scharfen Ostwind überhaupt nicht mag, da er immer mit Minusgraden verbunden ist. Und die könnten ganz schnell in einen kritischen Bereich rauschen.

Wesentlich entspannter sieht es Pawlowski bei den Winterzwischenfrüchten wie Erbsen, Ölrettich, Sonnenblumen oder Wicken. Der Anbau dient zur Minimierung von Erosionsschäden und fördert die Bodenfruchtbarkeit. Beispiel: Die Wintergerste wird im Juli abgeerntet, im Frühjahr darauf werden dort dann entweder Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben angebaut, dazwischen eben Erbsen, Sonnenblumen etc. „Wenn die Zwischenfrüchte absterben, ist das nicht so schlimm, sie haben dann ihren Zweck erfüllt“, weiß Pawlowski, der mit seinen insgesamt 47 Mitarbeitern und drei Auszubildenden rund 3500 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet und in der Tierproduktion rund 1300 Milchkühe, 380 Mutterkühe plus der entsprechenden Nachzucht zu versorgen hat. Das Abkalben findet bei diesen Temperaturen noch draußen auf Strohlagern statt. Da erzählt Pawlowski lachend: „Bei trockenem, kalten Wetter springen die Kälber lebensfroh herum. Feuchtes, windiges Wetter mit leichten Plusgraden mögen sie weniger.“

Insgesamt trifft die Agrargenossenschaft selbstverständlich Vorkehrungen für den Winter. Türen, Tore, Fenster sichern, Leitungen frostsicher machen oder Luftabzugsschächte abdecken. „Auf den Feldern dagegen kann man nichts machen, da kann man eben nur hoffen, dass die Kulturen nicht auswintern.“


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