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Meister Adebar ins Nest geschaut : Jungstörche beringt und adoptiert

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor dem Flug nach Süden gibt es einen Reif um das Vogelbein. Drei Adebarkinder haben neue Eltern gefunden

svz.de von
erstellt am 22.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Die drei jüngsten Bewohner auf dem Hof von Jürgen Theek in Lütjenheide bei Wittenberge stellen sich tot. Reglos liegen sie auf dem Nest, hoffen wahrscheinlich, dass die Gefahr einfach vorüber geht. Der „Feind“, den die drei Storchenküken ausgemacht haben, schwebt langsam mit einer Hebebühne auf ihr Nest zu – es ist Heinz Götzmann.

Der Mann ist Beringungshelfer. Vorsichtig greift er nach einem der drei Vögel, seine Hand sucht und findet ein unter den Körper gezogenes Bein. Vorsichtig befestigt er daran einen Ring. Der Vogel lässt, wie seine beiden Geschwister, die Prozedur fast regungslos über sich ergehen. „Das ist das typische Verhalten. Sobald die Gefahr vorüber ist, werden die Tiere aber wieder munter“, sagt Götzmann. Er, Thomas Könning als zweiter Beringungshelfer sowie der Prignitzer Weißstorchbetreuer und Beringer Falk Schulz, bildeten am Wochenende eine Mannschaft – die Beringungshelfern Jörg Dumme und Hans-Werner Ullrich ein weiteres Team.

„Es ist Zeit, den Jungstörchen ihre Ringe anzulegen“, sagt Falk Schulz. Jeder Reif trägt eine Zahlenkombination, anhand derer die Fachleute noch nach Jahrzehnten feststellen können, wo und wann der gefiederte Ringträger geboren wurde. „Für unseren Bereich hat die Vogelwarte Hiddensee 200 Reife zur Verfügung gestellt. Wir entscheiden dann, wo wir welche Tiere beringen“, erklärt Schulz.

Dass Rühstädt der Schwerpunkt ist, stehe außer Frage. 38 Paare ziehen dort in diesem Jahr Nachwuchs auf, sagt Schulz. Erfreulich sind auch die Bruterfolge in Mödlich. Elf Adebarpaare kümmern sich hier um ihren Nachwuchs. In Cumlosen wachsen auf sechs Horsten Jungvögel heran, in Bentwisch, Müggendorf, Kitz und Wootz auf je vier. „Es sieht alles gut aus“, sagt Schulz. Die jährliche Beringungsaktion bietet auch immer eine gute Gelegenheit, in die Nester zu schauen.

Einen weniger guten Start ins Storchenleben erwischten in diesem Jahr drei Jungvögel in Tangendorf, Wootz sowie in einem kleinen Ort bei Wittstock. Die Jungen aus Tangendorf und Wootz waren aus dem Nest gedrängt worden, überlebten den Absturz. Der Wittstocker Jungvogel verlor einen Elternvogel. Das Alttier war beim Auffliegen nach der Futtersuche mit einem Auto kollidiert.

Alle Drei fanden, so erzählt der Weißstorchbetreuer, Aufnahme in der Wildtierauffangstation von Uwe und Angie Löblich bei Gerdshagen. „Es war von Anfang an als vorübergehende Lösung gedacht“, sagt Falk Schulz. Damit die Tiere so naturnah wie möglich aufgezogen werden, haben die Menschen nach störchischen Adoptiveltern gesucht und diese in Rühstädt gefunden.

Beim Beringen kommen die Menschen den Wildtieren so nah wie sonst kaum. Diese Gelegenheit haben sie genutzt und die Waisenjungen anderen Eltern-Paaren quasi untergeschoben; mit Erfolg, aber nicht ohne Schwierigkeiten. Thomas Könning, seit 21 Jahren Beringungshelfer, hat beobachtet, wie einer der Jungstörche es seinen neuen Eltern recht schwer machte, mit dem Futter ins Nest zu kommen. Fast eine Stunde lang musste der Altvogel immer wieder anfliegen, bis der Neue im Horst nicht mehr nach ihm hackte.


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