Verbal Angegriffen : Junge Teilnehmerin der Akademie angepöbelt

Stadt informiert Polizei /Kein strafrechtlicher Tatbestand, aber Polizei behält Problematik im Auge

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11. August 2015, 22:00 Uhr

Nennen wir sie Agneta, denn ihren Namen möchte sie nicht sagen. Zu tief sitze noch der Schock, wie Georg Martin, Dozent der Lotte Lehmann Akademie, berichtet. Was ist passiert? Montagmittag, Agneta – sie nimmt am Kurs der Sommerakademie teil – ist im Discounter in der Ritterstraße einkaufen. Ihr Telefon klingelt und sie unterhält sich auf Englisch mit dem Anrufer. Eine ältere Frau zwischen 50 und 60 Jahren, berichtet die junge Sängerin anschließend, tritt ihr daraufhin mit aggressiven Äußerungen entgegen. Erschrocken über ein derartiges Auftreten, bricht die junge Sängerin in Tränen aus. „Und niemand nimmt Notiz davon, schreitet ein, hilft ihr“, wie der Dozent berichtet. „Sie hatte Angst, fühlte sich allein gelassen.“

Ein Einzelfall? Leider nicht. Bereits in der Woche zuvor sei eine Teilnehmerin der Akademie an gleicher Stelle verbal angegriffen worden. Dennoch, so Georg Martin, sei die Situation für Perleberg nicht typisch, nicht zu verallgemeinern. „Wir fühlen uns in der Stadt durchaus willkommen.“ Und er ist sich sicher, dass es im Zentrum und schon gar nicht während der Konzerte zu dererlei Vorfällen käme. „In jedem Land gibt es Menschen wie diese Frau, ohne Unrechtsbewusstsein. Wichtig ist aber, dass man dagegen etwas tut.“

Perleberg tut etwas. Ute Brüggemann, stellvertretende Bürgermeisterin, betont, dass man so einen Vorfall nicht einfach hinnehme, sondern alles dafür tun werde, dass sich die Teilnehmer des Sommerkurses hier wohl und vor allem sicher fühlen. „Sie kommen aus aller Welt zu uns, arbeiten hart an sich, um für ihren späteren beruflichen Einstieg gerüstet zu sein und bezahlen noch dazu viel Geld dafür.“ Insofern sei es um so unverständlicher, dass sie hier so angegriffen und eingeschüchtert werden. Wer sich von der englischen Sprache, die eine Umgangs-, eine Weltsprache ist, provoziert fühle, der könne heutzutage weder Bus noch Bahn fahren.

„Ich bin betroffen. Seit 18 Jahren ist die Lotte-Lehmann-Woche hier, seit sieben Jahren die Akademie. Dass man Menschen so einschüchtert, das kennen unsere Gäste aus ihren Ländern nicht. Wir sind nicht nur eine kleine Stadt, wir sind Kreisstadt und offen für alle Kulturen“, betont die stellvertretende Bürgermeisterin. Die jungen Menschen, die hierher kommen, um zu lernen, seien auch ein Wirtschaftsfaktor. Als Beispiel führt Ute Brüggemann an, dass derzeit alle Betten in den Hotels ausgebucht seien. Doch wer wolle nach Perleberg kommen, in eine Stadt, wo Menschen aus anderen Ländern angepöbelt werden. Auch das dürfe man nicht außer Acht lassen.

Die Stadt hat derweil die Polizei informiert, wie die Polizeiinspektion bestätigt. Auch der Staatsschutz habe sich eingeschaltet. „Ermittlungen ergaben, dass es sich um eine reine Meinungsäußerung ohne strafrechtliche Relevanz und ohne politisch motivierten Hintergrund handelte“, so die Polizei. Dennoch werde man die Problematik im Auge behalten.  

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