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Der Prignitzer

16. Dezember 2017 | 12:12 Uhr

Jubiläum für den Wunderknaben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kehrberger Historienspektakel wird seit zehn Jahren erfolgreich vom Förderverein der Kirche auf die Bühne gebracht

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2017 | 09:01 Uhr

Bereits zum zehnten Mal wird am 3. September im Groß Pankower Ortsteil Kehrberg ein besonderes Stück Heimatgeschichte auf die Bühne gebracht: Die Geschichte des „Wunderknaben von Kehrberg“.

Der Puppenspieler und Heimatforscher Hans Serner aus Lindenberg hat sich jahrelang intensiv mit der Geschichte des Jungen Johann Ludwig Hohenstein beschäftigt: Der Knabe, 7. Sohn des Dorfschmiedes von Kehrberg, soll 1734, im Alter von drei Jahren, durch das Handauflegen und Streicheln Krankheiten jeder Art heilen können. 30 000 Menschen pilgern innerhalb von drei Monaten in das Prignitz-Dorf, um sich von dem Kind berühren zu lassen. Der Wittstocker Stadtphysicus Adamus Spies sieht darin Scharlatanerie und will dem Ganzen ein Ende setzen. Er schreibt an seine Vorgesetzten und der Schmied Hohenstein, seine Frau und der kleine Ludwig werden von Soldaten verhaftet und nach Berlin gebracht. König Friedrich Wilhelm I. verfügt persönlich, dass der Knabe ins Waisenhaus gebracht wird und „braf gepeischet werden soll, damit es die bißherige Einbildung verliehre“. Diese Weisung gleicht einem Todesurteil. Mit fünf Jahren stirbt Ludwig 1736.

Da Hans Serner auch Puppenspieler ist, kam eines Tages von Irina-Lucia Wilhelm vom Förderverein der Kirche Kehrberg die Frage, ob es nicht möglich sei, aus der Geschichte des Wunderknaben ein Puppenspiel zu machen. Doch der Aufwand wäre zu groß gewesen. Aber Serner hat eine andere Idee: Wie wäre es mit einer Lesung. Puppenspielerkollege Peter Waschinsky, als Nachtwächter verkleidet, brachte 2007 die Wunderknabengeschichte dem Publikum näher. „Der Anfang war gemacht“, berichtet Irina-Lucia Wilhelm. „Doch die Idee einer Theateraufführung ließ mich nicht los, gab es doch zu DEFA-Zeiten sogar die Idee, diese Geschichte zu verfilmen.“ In ihren Unterlagen befindet sich das Drehbuch dazu. Also schrieb Hans Serner ein Theaterstück, das am 23. August 2008 beim Sommerfest der Kirche Kehrberg seine Uraufführung erlebte. In der damaligen Ankündigung stand: „14.15 Uhr – Das Historien-Spektakel vom Kehrberger Wunderknaben.“

Seit nunmehr zehn Jahren bringt der Kirchenförderverein das Stück alljährlich zur Aufführung. Damit ist die Tradition inzwischen doppelt so alt, wie Johann Ludwig Hohenstein je wurde. „Seit Mai laufen 14-tägig die Proben“, so Irina-Lucia Wilhelm, die hinter den Kulissen die Fäden zieht und auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet. 30 Akteure stehen bei der Aufführung auf der Bühne. Der neunjährige Max Hallwaß spielt in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal die Titelrolle. Regie führt erstmals Sven Hampel, der auch als König auf der Bühne steht.

Dank der Förderung durch den Prignitzsommer, der Unterstützung von Sponsoren sowie durch Eigenmittel ist auch die zehnte Aufführung möglich.

Trotz des großen Erfolges blickt Irina-Lucia Wilhelm etwas skeptisch in die Zukunft dieses erfolgreichen Projektes. Auf der Homepage des Fördervereins schreibt sie dazu: „Wie wird es weitergehen, welche Möglichkeiten hält „der Knabe“ noch für uns bereit? Ideen gibt es viele, aber können wir sie auch umsetzen? Ein Anfang ist gemacht, nur der Wille alleine reicht nicht aus. Soll man sich wirklich diese Chance entgehen lassen? Wir sind bereit mitzugestalten, aber ohne Hilfe von offizieller Seite werden wir scheitern. Unser Dorf kann sich glücklich schätzen so eine Geschichte sein Eigen nennen zu dürfen. Wir müssen nur den Mut haben und gewillt sein, vorhandene Möglichkeiten zu nutzen.“

Doch jetzt fiebern erst einmal alle der Jubiläumspremiere entgegen, die am Sonntag um 14 Uhr auf der Naturbühne an der Kehrberger Kirche stattfindet. Der Eintritt kostet drei Euro, für Kinder 1,50 Euro.

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