Prignitzer Pflegedienst erhält Bundes-Gründerpreis : „Johanna“: Individuell und tierisch

Jana Michaelis  (l.) mit einer Bewohnerin der Pflege-WG, der an  Mutipler Sklerose erkrankten Monika Paech.  Fotos: Birgit Hamann
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Jana Michaelis (l.) mit einer Bewohnerin der Pflege-WG, der an Mutipler Sklerose erkrankten Monika Paech. Fotos: Birgit Hamann

Große Ehre für kleines Unternehmen: Pflegedienst aus Vettin wurde mit Gründerpreis ausgezeichnet / Inhaberin Jana Michaelis will weiter investieren

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06. Februar 2014, 22:00 Uhr

Dass ein ländlicher Altenpflegedienst bei der Vergabe eines bundesweiten Gründerpreises hoch gehandelte Konkurrenz aus Vorzeige-Branchen aussticht, das hätte Ende vergangenen Jahres kaum jemand vermutet. Am wenigsten die Geehrte selbst: Jana Michaelis aus Vettin (Gemeinde Groß Pankow). Und doch erhielt sie den KfW-Award „GründerChampions“. Damit wird je ein junges Unternehmen aus jedem Bundesland alljährlich im Rahmen der Deutschen Gründer- und Unternehmertage in Berlin (deGUT) ausgezeichnet. Die Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) hatte die Gründerin motiviert, sich zu bewerben. Im vergangenen Jahr sagte sie sich: „Ich probier’s mal.“

„Johanna“ nennt Jana Michaelis ihr Unternehmen – nach dem Vornamen ihrer Großmutter. Gemeinsam mit einem Team von neun Mitarbeitern kümmert sie sich um derzeit rund 30 pflegebedürftige Menschen im Alter von 60 bis 95 Jahren, die auf rund 20 Wohnorte verteilt sind. Ein kleiner „Zoo“ gehört auch noch zum Pflegedienst: zwei Esel, sechs Ziegen, fünf Laufenten, drei Heidschnucken, drei Katzen und zwei Hunde der Rasse Weimaraner, zählt Jana Michaelis auf. Das mache viel Arbeit, „man tankt aber auch unendlich Kraft“, sagt die ausgebildete Krankenschwester aus Wandlitz, die 20 Jahre lang die Rettungsstelle des Herzzentrums Bernau leitete – ein Leben auf der Überholspur, wie sie erzählt. Ein Leben, das mit einem Burnout seinen Tribut forderte.

Jana Michaelis überwand die Krise, startete neu. Sowas, wie ein Bauernhof, das sei schon von Kind an eigentlich ihr Traum gewesen. Danach suchte sie gezielt, wurde 2009 in Vettin fündig, wo sie zunächst ein Grundstück mietete, ihre Tiere einquartierte, sich mit ganz kleinen Schritten in Richtung Altenpflege bewegte. Die Menschen vor Ort fassten Vertrauen. Sich mit einem Pflegedienst in der Region zu etablieren, gestaltete sich jedoch schwierig. Zwei Jahre habe das bestimmt gedauert, gezielte Werbung und Flyer hätten so gut wie gar nichts gebracht, erinnert sie sich. Anknüpfungspunkte für Kooperationen: Fehlanzeige. Tiefen und Höhen wechselten sich in der Gründungsphase ab. Letztendlich half nur die Mundpropaganda.

Heute blickt Jana Michaelis nicht ohne Stolz auf ihren gut laufenden Betrieb – „der allerdings ohne die Tiere nicht funktionieren würde“, wie sie betont. Der Pflege-WG, die sich auf ihrem Hof befindet, kommt die tiergestützte Therapie, die sie zusätzlich anbietet, zugute. Demnächst auch dem Projekt, das Jana Michaelis in unmittelbarer Nachbarschaft anpeilt: In die verlassene Dorfgaststätte zieht eine Begegnungsstätte mit Mittagstisch ein, überdies eine Senioren-WG. Die Bauarbeiten sollen im März beginnen, das Vorhaben wird mit Mitteln aus dem europäischen ILE-/Leader-Fonds bezuschusst. Für Jana Michaelis ist es ein weiterer Mosaikstein in dem Bild, das sie von Altenpflege auf dem Lande hat. „Ich möchte nicht, dass die alten Menschen aus den Dörfern wegziehen“, formuliert sie ein Ziel, das ihr besonders am Herzen liegt. Der Vereinsamung will sie entgegenwirken, Angebote machen und – wenn der Pflegefall eintreten sollte – die Frauen und Männer individuell betreuen. „Ich möchte noch jeden Menschen, der von uns umsorgt wird, mit Namen kennen.“ Die Wahl-Prignitzerin weiß, dass ihre Ansprüche vor dem Hintergrund der Pflegelandschaft, wie sie aktuell aussieht, ambitioniert sind. Den Ausbau ihres Pflegedienstes will sie am Bedarf ausrichten, nicht zu groß werden. Denn, wohl fühlen sollen sich nicht nur ihre Schützlinge und Mitarbeiter, sondern das möchte sie auch selbst. „Ich fühle mich inzwischen angekommen, hier ist es jeden Tag wie im Urlaub für mich“, skizziert sie den Ist-Zustand.

Wofür sie die Dotierung des Gründerpreises verwendet, wollte der „Prignitzer“ noch von Jana Michaelis wissen. Die Antwort überrascht nicht: „Für zwei Alpakas. Das ist schon länger geplant. Aber die Anschaffungskosten konnten wir bislang nicht dafür erwirtschaften.“


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