Go! : Jobgarantie mit Abstecher nach China

Kein Durchblick: Fiby Alisch erlebt simuliert den Grauen Star.
Kein Durchblick: Fiby Alisch erlebt simuliert den Grauen Star.

Aussteller werben auf der Go! mit teils ausgefallenen und attraktiven Angeboten um den beruflichen Nachwuchs

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13. November 2017, 03:50 Uhr

Wer mal in China oder den USA arbeiten möchte, wer sagen möchte, er sei für Porsche und Rolls-Royce tätig und oben drauf eine Jobgarantie anstrebt, sollte sich mit der Alutrim Europe GmbH in Kyritz beschäftigen. Das seien überzeugende Argumente, meint Melanie Brandenburg. Ganz bewusst stellt sie diese Aspekte an den Anfang des Gesprächs, denn die eigentliche Tätigkeit klingt zunächst „wenig sexy“, räumt sie ein.

Alutrim bildet Werkzeug-, Verfahrens- und Zerspanungsmechaniker aus. Es geht um Aluminium- und Kunststoffteile, um eine edle Innenausstattung großer Automarken. „Wir verbinden Aluminium und Kunststoff miteinander. Das Verfahren beherrschen weltweit nur drei Unternehmensgruppen“, sagt Melanie Brandenburg. Die Auftragslage sei enorm gut. „Wir gehen durch die Decke, suchen dringend Mitarbeiter und Azubis.“ Deshalb sei sie auf der Go!.

Ob klassische Ausbildung, duales Studium oder zunächst einfach nur ein Praktikum, gerne in den Ferien – alles sei möglich. Auch Frauen sollten sich bei Interesse bewerben: „Wir machen keine körperlich schwere Arbeit, wir machen es schön“, sagt Melanie Brandenburg und zeigt Teile der Innenverkleidung eines Porsche.

Begehrt: Schule für Gesundheitsberufe

Gleich nebenan wirbt Max Jannasch um eine Schülerin. Er ist Lehrer an der Schule für Gesundheitsberufe in Perleberg. Schnellkurs in Anatomie, eine Brille die den Grauen Star simuliert, eine Einladung zum Praktikum. Zum Abschied gibt’s eine ganze Palette an Werbegeschenken. Dabei müsste die Schule gar nicht so intensiv um Nachwuchs buhlen. „Für unsere 25 Stellen hatten wir in diesem Jahr 90 Bewerbungen“, sagt Schulleiterin Ireen Müller-Tilgner.

Das sei das Ergebnis der regelmäßigen Teilnahmen auf der Go!, am Karrieretag und anderen Veranstaltungen. Außerdem würden sich Lehrer und Schüler auf Augenhöhe begegnen. „Erst gestern waren wir gemeinsam bowlen und anschließend in der Bar“, verrät Müller-Tilgner. So ein gutes Klima spreche sich herum und natürlich seien die Jobaussichten in der Branche gut.

Das sind sie derzeit nahezu überall, wie die Gesprächspartner auf der Messe bestätigen. „Wir brauchen Nachwuchs“, so Steuerberater Bernd Malkus. Er zählt wie die Mehrheit der Aussteller zu den Stammgästen der jährlichen Ausbildungsmesse. Der Beruf des Steuerberaters gewinne an Bedeutung, dank der komplizierten Gesetzgebung und immer neuer Vorschriften. Zahlenverständnis gehöre dazu, ein Mathegenie müsse man aber nicht sein. „Die Bewerber müssen das Steuerrecht verstehen, darauf kommt es an“, erklärt Malkus.

Ob kalte oder heiße Jahreszeit – ein Gerüstbauer muss mit jeder Witterung klar kommen. Andreas Schlape machen Wind und Wetter nichts aus. Er lernt bei Gerüstbau Ritter im dritten Jahr und hat zur Messe Maximilian Knies mitgebracht. Der hat erst vor wenigen Wochen seine Ausbildung begonnen, aber schon jetzt ein ehrgeiziges Ziel vor Augen: „Ich will Meister werden.“

Der Weg dorthin ist lang. Über Gerüstbauer, Kolonnenführer, Ausbilder und Meisterschule muss man sich qualifizieren. „Das zeigt aber auch, in unserem Gewerk gibt es Aufstiegschancen“, sagt Andreas Schlape. Der Beruf des Gerüstbauers sei ein angesehenes Handwerk und Gerüst sei nicht gleich Gerüst.

„Wir müssen Ankerregeln und Bautechniken an unterschiedlichen Fassaden beherrschen, Windverhältnisse berücksichtigen und wenn es über 30 Meter hinaus geht, kommen statische Berechnungen dazu“, zählt er auf. In den Wintermonaten sei Zeit, den Lkw-Führerschein zu machen, eine Förderung über das Arbeitsamt oder den Ausbildungsbetrieb sei meistens möglich.

Mit einer rauen Witterung müssen auch die Dachdecker umgehen. Das zeigt sich selbst am Sonnabend, denn sie präsentieren sich auf dem Außengelände vor der Halle. Richtig zufrieden ist Marcel Lublow nicht. „Im Vergleich zum letzten Jahr schauen weniger Schüler vorbei und die wenigen, die kommen, zeigen nur oberflächliches Interesse“, sagt der junge Geschäftsführer des Pritzwalker Betriebes.

Dabei zeigen er und seine Kollegen die Bandbreite des Berufs. Dazu gehört die Dachklempnerei. Teile werden mit EDV-Unterstützung zugeschnitten. Wer mag, kann zum Hammer greifen und einen Schieferziegel bearbeiten. „Da merkt man schnell, das handwerkliches Geschick notwendig ist“, sagt Lublow, der seinen Betrieb mit elf Angestellten seit neun Jahren führt.


Kein Interesse an wertvollen Tipps

Zurück in der Halle lohnt ein Abstecher zur IHK. Hier gibt es nicht nur kostenlos Popcorn und Bewerbungsfotos, sondern auch eine digitale Übersicht zu Ausbildungsberufen und freien Stellen. Die Wirtschaftsjunioren bieten passend dazu einen prüfenden Blick in die Bewerbungsmappe an, aber Daniela Siodla ist enttäuscht: „Von den vier angemeldeten Schülern ist niemand gekommen und bis 12 Uhr waren nur drei Jugendliche bei mir.“ Das sei schade und eine ungenutzte Chance. Manchmal seien es nur Kleinigkeiten, die zum Erfolg einer Bewerbung fehlen. Genau solche Hinweise und Tricks hätten wir den Schülern gerne gegeben“, sagt Daniela Siodla.
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