Jetzt schwebt er wieder in der Kirche

<strong>Schmückt wieder die Berger Kirche:</strong> Der restaurierte Taufengel. <foto>Petra Ferch</foto>
Schmückt wieder die Berger Kirche: Der restaurierte Taufengel. Petra Ferch

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06. Januar 2013, 07:13 Uhr

Berge | Zum Weihnachtsfest präsentierte er sich zum ersten Mal wieder in seiner vollen Schönheit, der Taufengel in der Berger Kirche. Dabei stammt die Barockfigur, die ein unbekannter Künstler in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Lindenholz schnitzte, ursprünglich aus der Kirche von Hülsebeck. Als man diese 1968 abriss, wurde der Taufengel auf dem Boden des Berger Pfarrhauses eingelagert. Dort, in einer hinteren Ecke, entdeckten ihn Angelika und Klaus-Dieter Hanack, als sie 1989 kurz vor der Wende das Haus bezogen.

Doch der Engel war in einem traurigen Zustand. Die Zeiten, als man ihn bei der Taufe eines Kindes von der Kirchendecke herabließ, denn in seinen Händen trug er jene Schale mit dem Wasser, das der Pfarrer für die Zeremonie nutzte, waren offensichtlich lange vorbei. Und das nicht nur, weil die Schale gar nicht mehr vorhanden war. Dem Taufengel aus Berge fehlten mittlerweile auch Flügel, Füße und Finger. Die ursprüngliche Farbgebung war nur noch sehr schwer nachzuweisen. Zudem war die rund 1,50 Meter lange Figur äußerst wurmstichig. "Wir haben den Engel vor Jahren schon einmal behandeln lassen, konnten ihn aber nie in der Kirche befestigen", erinnert sich Pfarrer Hanack.

Dass der Taufengel jetzt wieder in der Berge Kirche hängt, ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass er zu jenen im Land Brandenburg gehört, die gerettet werden sollen. Bereits 2009 hatten die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO), das Landesdenkmalamt und der Förderkreis Alte Kirchen um Spenden für die Restaurierung einiger besonders bedrohter Taufengel geworben. Insgesamt 25 000 Euro waren dabei zusammen gekommen, freute sich der Geschäftsführer des Förderkreises, Bernd Janowski. Insgesamt sechs Himmelsboten wurden mit dem Geld gerettet bzw. befanden sich noch in den Händen von Restauratoren.

"Auch wir hatten schon 2009 begonnen, Spenden zu sammeln für die Restaurierung des Taufengels", berichtet Klaus-Dieter Hanack. Rund 1 000 Euro konnte die Kirchengemeinde am Ende zusammen tragen. Und der Berger Himmelsbote wurde 2010 in die landesweite Spendenaktion aufgenommen. 3 000 Euro flossen daraus in seine Restaurierung. 5 500 Euro gab die Stiftung der Sparkasse Prignitz zur Förderung von Jugend- und Kulturprojekten dazu.

Es dauerte dann allerdings zwei Jahre, bis die Arbeiten abgeschlossen werden konnten. So holte sich der Restaurator beispielsweise Anregungen im Perleberger Museum, als es um die Gestaltung der Flügel ging, denn die Denkmalpfleger vermuten, dass der Engel im Museum vom gleichen Schnitzer stammt wie der Berger Taufengel, erzählt Hanack. Neue Farbe hat der Himmelsbote nicht erhalten - ebenfalls auf Anregung der Denkmalpfleger, fügt der Pfarrer hinzu. Das Landesamt für Denkmalpflege habe angeordnet, dass die alte Farbe gesichert und nur ganz dezent ausgebessert werde. Dafür ist der Taufengel jetzt vor Holzwürmern geschützt, hat wieder Füße und Hände.

Eine Taufschale jedoch nicht, aber zum Taufen soll er ohnehin nicht mehr genutzt werden, sondern er dient als Ausstellungsstück in der Kirche und damit auch als Zeugnis für Tradition und Kunsthandwerk.

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