zur Navigation springen
Der Prignitzer

22. November 2017 | 10:34 Uhr

Jenseits des Schubladendenkens

vom

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2013 | 09:00 Uhr

Dr. Jürgen Hagen, Kulturwissenschaftler, Dramaturg und Musiker, hat zum siebten Mal das Programm für die Elblandfestspiele ausgearbeitet. Neben Interpreten der klassischen Disziplinen überrascht in diesem Jahr der Auftritt von Stefanie Hertel nicht wenige Fans von Operette und Filmmusik. Hertel, von Kindesbeinen an auf Bühnen der volkstümlichen Musik zu Hause, freut sich auf eine neue Erfahrung mit großem Orchester und wird nicht nur stimmlich, sondern auch tänzerisch zu erleben sein. Im Gespräch mit Lars Reinhold sind sich beide einig, dass der Kulturschock eigentlich gar kein richtiger ist.

Herr Dr. Hagen, Solisten, Ballett, Orchester, bis zu 100 Leute auf der Bühne. Wo fängt man bei einer solchen Mammutaufgabe mit der Planung an?

Dr. Jürgen Hagen: Wir haben einen Vorlauf von etwas mehr als einem Jahr. Ich schlage dem Präsidium der Elblandfestspiele meist drei mögliche Themen vor, über die dann abgestimmt wird. Steht das Thema fest, beginnt für mich die Recherche, welche Titel dazu passen könnten. Früher war das aufwändige Bibliotheksarbeit, heute ist es dank meiner großen Musiksammlung und der Onlineplattform iTunes deutlich einfacher. Sobald ich etwa 80 Titel zusammen habe, geht diese Liste wieder zum Präsidium in die Diskussion, das war dieses Mal im Oktober.

Wann fragen Sie die Künstler für die Festspiele an? Größen wie Anna Maria Kaufmann haben ja sicher einen engen Terminplan...

Dr. Jürgen Hagen: Das läuft von Anfang an parallel mit. Sobald ich mir über die Titel im Klaren bin, überlege ich, welche Künstler dazu passen könnten. Und die frage ich dann natürlich auch gleich an, denn es bringt ja nichts, wenn ich dem Präsidium Künstler vorschlage, die in der Zeit gar nicht können.

Wie geht es dann weiter?

Dr. Jürgen Hagen: Wenn das grobe Konzept steht, spreche ich das mit Festspielpräsident Michael Hansen, Regisseur Peter Fabers und Heinz-Walter Florin, Dirigent des Filmorchesters Babelsberg, genau durch, und wir einigen uns auf die endgültige Titelauswahl. Dann geht es in die Arrangements, denn nicht wenige Stücke müssen für das Orchester oder die Solisten angepasst werden. Dabei machen Michael Hansen und Heinz-Walter Florin sehr viel selbst, wir arbeiten aber auch mit freien Arrangeuren zusammen. Sind die Noten fertig, gehen sie an die Solisten, und die heiße Probenphase beginnt dann in der Woche vor den Festspielen, erst in Babelsberg und schließlich hier vor Ort.

Gibt es ein Patentrezept für eine erfolgreiche Dramaturgie?

Dr. Jürgen Hagen: Nein. Man benötigt einfach ein Gespür, welche Musik beim jeweiligen Publikum ankommt. Schubladendenken ist dabei nicht meins, ich bin offen für Neues. So bin ich in diesem Jahr auf Stefanie Hertel gekommen. Ich kenne sie als Sängerin von klein auf, und ihre Auftritte bei Lets ’Dance haben mich wirklich beeindruckt. Sie kann aber auch stimmlich neben den Großen bestehen, sonst hätte ich sie nicht engagiert.

Stefanie, Sie stehen 2013 das 30. Jahr auf der Bühne. Sind die Elblandfestspiele eine neue Herausforderung?

Stefanie Hertel: Absolut, das ist was wirklich Besonderes und es ist für mich ein große Ehre, dass Jürgen Hagen mich eingeladen hat, daran mitzuwirken.

Wie unterscheiden sich die Festspiele von Ihren üblichen Auftritten?

Stefanie Hertel: Das ist eine ganz andere Atmosphäre. Es ist schön, mit so vielen Künstlern der verschiedensten Stile zusammenzuarbeiten. Ganz besonders freue ich mich auf die Auftritte mit dem Orchester, denn solche Gelegenheiten bieten sich eher selten.

In der Volksmusik geht es häufig um Liebe und Gefühle. Prädestiniert Sie diese Berufserfahrung für das diesjährige Motto "Liebe, Love, L ’Amour"?

Stefanie Hertel: Das Thema ist doch überall die Nummer eins, im Rock, im Pop, im Musical. Das ist wieder so ein übliches Klischee zur Volksmusik. Mir geht es darum, hier auf der Bühne zu überzeugen und das Publikum zu unterhalten.

Welche Chance bieten die Festspiele, sich hier einem neuen Publikum vorzustellen?

Stefanie Hertel: Natürlich sehe ich diese Chance. Aber ich bin überhaupt offen für Neues und halte wie Jürgen Hagen ebenfalls nichts von Schubladendenken. Es ist natürlich toll, hier meine Vielseitigkeit unter Beweis stellen zu können, zumal ich ja singe und tanze. Und ich bin mir sicher, dass viele Besucher überrascht sein werden, wie gut die Hertel hierher passt.

Danke für das Gespräch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen