Nach Brandstiftung in Grube : „Jemand wollte uns umbringen“

Völlig zerstört: Das Haus von Familie Uttke in Grube ist nach dem Brand nicht mehr bewohnbar.
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Völlig zerstört: Das Haus von Familie Uttke in Grube ist nach dem Brand nicht mehr bewohnbar.

Familie Uttke entkam vor zwei Wochen nur knapp der Flammenhölle, als ihr Haus in Grube brannte. Nun danken sie ihren Helfern

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03. August 2016, 21:00 Uhr

Brigitte Uttke hat Tränen in den Augen wenn sie vom Abend des 24. Juli erzählt. An dem Sonntag brach ihr Leben und das ihres Mannes Frank von einer Minute auf die andere zusammen. Ihr Haus in Grube, in dem sie seit 1986 zur Miete wohnten, brannte vor ihren Augen aus (wir berichteten).

„Es war gegen 19.30 Uhr, ich wollte gerade duschen gehen und habe mich gewundert, was vor der Tür so knallt“, erzählt die 62-Jährige. Als sie die Haustür öffnete, schlugen ihr die Flammen, der Qualm und die Balken des Vorbaus schon entgegen. Ihr Mann Frank saß in einem anderen Zimmer und schaute Fernsehen, hatte dabei Kopfhörer auf wegen seiner Schwerhörigkeit. „Ich habe ihn gleich geholt. Dann kamen auch schon die Nachbarn“, erinnert sich Brigitte Uttke. Durch das Schlafzimmerfenster wurde das Ehepaar von den Nachbarn gerettet. „Ohne sie wären wir wohl nicht mehr“, meint der 63-jährige Frank Uttke. Dass die Lebensretter zu Hause waren, war purer Zufall. „Eigentlich wollten sie einen Tag zuvor in den Urlaub fahren und haben sich umentschieden“, sagt Frank Uttke. Nachdem sie in Sicherheit waren, konnten die Eheleute nur noch zusehen, wie ihr Haus brannte. „Man denkt: ,Das ist der Untergang’. Man fühlt sich ohnmächtig“, schildert der gebürtige Erzgebirgler.

Sein Enkelsohn Benjamin, der selbst Mitglied bei den Blauröcken in Grube ist und über den Pieper alarmiert wurde, lobt die Rettungskräfte. „Die Feuerwehr war schnell da. Das hat super funktioniert.“ Das Zimmer unter dem Dach, das er nutzte, wenn er seine Großeltern besuchte, ist Geschichte. Denn der Dachstuhl des Hauses brannte ab, das Erdgeschoss ist wegen des Löschwassers und des Qualms nicht mehr bewohnbar. Brigitte Uttke erlitt einen Schock und musste ins Krankenhaus. Als Uttkes einige Tage später erfuhren, dass ein Brandstifter ihr Leben zerstörte, machte sich Fassungslosigkeit breit. „Jemand wollte uns umbringen. Wer macht so etwas?“, fragt Brigitte Uttke. Seit 2004 kommt es immer wieder zu Bränden in Grube. Ein Verantwortlicher wurde bisher nicht gefasst. „Irgendwann stirbt jemand“, ist Brigitte Uttke überzeugt. Bereits ab 1997 trieb ein Feuerteufel sein Unwesen. „Für die Fälle wurde jemand verurteilt. Aber 2004 ging es weiter“, erklärt Benjamin Uttke. Auch sein Wohnwagen wurde ein Opfer der Flammen – im Jahr 2014 (wir berichteten). „Man fühlt sich in Grube nicht mehr sicher“, urteilt Frank Uttke.

Sofort nach dem jüngsten Brand sprang die Hilfsmaschinerie an. Das machte den Schicksalsschlag für die Familie erträglicher. Die Agrargenossenschaft Viesecke, der das Haus in Grube gehört, stellte dem Paar ein Haus in Sigrön zur Verfügung, wo es auch wohnen bleiben kann. Die KMG Elbtalklinik in Bad Wilsnack half mit einem Bett aus. „Unsere Nachbarn haben uns noch am selben Abend Kleidung gegeben. Die Familie hat uns unterstützt, mit neuem Geschirr, Besteck oder auch Handtüchern. Wir konnten vorübergehend bei unserer Tochter schlafen“, zählt Brigitte Uttke auf. Sie wolle sich auch bei Enkel Benjamin bedanken, der sich sehr kümmere, in jeder freien Minute seinen Großeltern unter die Arme greife. „Meine Freundin und deren Familie haben auch geholfen“, schiebt der Gelobte nach. Es sind so viele Helfer, dass hier nicht alle aufgezählt werden können. Dennoch solle sich keiner vergessen fühlen, meinen die Eheleute. „Ohne diesen Beistand von so vielen hätten wir es wohl nicht geschafft“, meint Frank Uttke. Die Zuversicht wollen sich Brigitte und Frank Uttke nicht nehmen lassen. „Jeden Morgen sage ich am Frühstückstisch, dass wir froh sein können, uns noch zu haben. Das ist das Wichtigste“, sagt Brigitte Uttke – wieder hat sie Tränen in den Augen. 

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