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Streit um Nahverkehr : Jedes Dorf braucht seinen Bus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bürgermeister stellen weitere Forderungen an Landkreis und an Firma Prignitz-Bus. Taxi für abgeschnittene Dörfer sei keine Alternative

von
erstellt am 11.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Die bisherigen Kompromisse zum Busverkehr in der Prignitz lassen die Kritik am neuen Fahrplan nicht verstummen. Selbst die Ankündigung des Betreibers Prignitz-Bus, Fahrplanänderungen seien vorerst ausgeschlossen, wollen Bürgermeister der Prignitzer Kommunen so nicht hinnehmen. „Wir fordern weitere Veränderungen“, sagt Gumtows Bürgermeister Stefan Freimark.

Zusammen mit seinen Kollegen diskutierte er das Thema in der kommunalen Arbeitsgemeinschaft Prignitz. Sowohl Freimark als auch Wittenberges Stadtoberhaupt Dr. Oliver Hermann erkennen an, dass mehrere Kritikpunkte, insbesondere, was die Schulfahrten betrifft, gehört und der Plan dahingehend überarbeitet wurde. Aber das reiche noch nicht aus.

Als nicht akzeptabel bezeichnen sie die Anbindung von Ortschaften mit weniger als 150 Einwohnern. Zwar werden sie im Rahmen des Schulbusverkehrs angefahren, aber halt nicht in den Ferien. Bedeutet also, dass ab dem 1. August während der Sommerferien in diesen Ortschaften kein regulärer Bus fahren wird.

„Während der Schulzeit fahren die Busse morgens zwischen 6 und 7 Uhr, aber dann sind weder Behörden noch Einkaufszentren geöffnet“, sagt Freimark. Deshalb müssten diese Orte an das Rufbussystem angeschlossen werden, so dass zwischen 9 und 17 Uhr zumindest eine weitere Verbindung möglich wird.

Vier Dörfer in den Bereichen Meyenburg und Gumtow sind selbst vom Rufbus ausgeschlossen: Simonshof, Spiegelhagen, Jakobsdorf und Felsenhagen. Auch für diese fordern die Bürgermeister eine Anbindung über den Rufbus. Nicht stündlich, aber morgens, mittags und abends.

Das Argument der Kreisverwaltung, dass es nicht Aufgabe des ÖPNV sei, jeden Wunsch zu erfüllen und jeden Ort zu erreichen, lässt Freimark nicht gelten: „Ihre Anbindung ist Aufgabe der Daseinsvorsorge. Sonst befürchten wir eine Schwächung des ländlichen Raumes.“ Ein Taxi sei keine Alternative und den Einwohnern nicht zu vermitteln: „Im Nachbardorf hält der Bus, aber sie sollen ein Taxi nehmen“, sagt Freimark. Sofern überhaupt ein Taxi dorthin fahren würde.

Ein weitere Forderung betrifft die Schulfahrten. Fahrwege und Wartezeiten an der Schule bis zum Unterrichtsbeginn würden sich teils erheblich verlängern. „Das war bisher nicht der Fall, also muss es doch anders machbar sein“, meint Stefan Freimark. Auf Nachfrage räumt er zwar ein, dass alle durch die Schülerbeförderungssatzung vorgegebenen Fristen eingehalten werden, aber dennoch fordert er Nachbesserungen. Die Bürgermeister sehen Kompromissmöglichkeiten, spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember.

Prignitzbus-Geschäftsführer Uwe Rößler hatte auf dem jüngsten Kreistag den Fahrplan als attraktiv bezeichnet. Gleiches sagt die Kreisverwaltung als zuständige Behörde über den ÖPNV. Finanziell reize der Fahrplan den Kostenrahmen aus. Sechs Millionen Euro gibt der Kreis pro Jahr dazu. In diesem Jahr sind es sogar 6,3 Millionen. Das ist eine deutliche Steigerung. Im vergangenen Jahr waren es 5,4 und davor fünf Millionen Euro.

 

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