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Unbeliebtes Friseurhandwerk : Jeder zweite Azubi gibt auf

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

50,8 Prozent der Lehrlinge beenden vorzeitig Vertrag / Franziska Reckmann hat Prüfung bestanden

Kaum noch jemand möchte Friseur werden und von den wenigen, die sich für diese Ausbildung entscheiden, bricht jeder Zweite sie vorfristig ab. Franziska Reckmann hat sich anders entschieden. Am Montag legte die junge Wittenbergerin ihre Gesellenprüfung ab und hat am gleichen Tag einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Nicht in der Ferne, sondern in ihrer Heimatstadt im Salon von Dana Zemelka.

Es war ihr Traumberuf, aber zunächst hörte sie auf ihre Mutter: „Mach das bloß nicht, damit verdienst du kein Geld.“ Sie orientierte sich um, begann eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. „Aber die schaffte ich nicht“, gesteht Franziska Reckmann. Ihre Schwiegermutti ermutigte sie, bei Dana Zemelka vorbei zu schauen. Der Zeitpunkt war günstig, zwei Kollegen befanden sich im Babyurlaub. „Kopfmassage, Haare waschen, den Kunden einen Kaffee bringen, ich hatte gut zu tun und es machte mir Spaß.“ Schon nach wenigen Tagen bot ihr Dana Zemelka einen Ausbildungsvertrag an. Sie zögerte nicht.

Mit einem halben Jahr Verspätung kam sie in die Ausbildungsklasse. „Da hatten von den einst 17 Azubis bereits vier aufgegeben“, erinnert sich Franziska Reckmann. Bis zum Ausbildungsende legten drei weitere Lehrlinge Schere und Kamm aus der Hand.

Selbst Franziska Reckmann kam trotz aller Euphorie ins Überlegen. „Schneiden sieht einfacher aus, als es in Wirklichkeit ist.“ Acht Stunden am Tag zu stehen sei ebenfalls anstrengend. „Aber ich wollte diesen Beruf, also machte ich weiter.“

Nun möchte sie sich ihren eigenen Kundenstamm aufbauen, im Team von Dana Zemelka bleiben. Gewiss sei der Verdienst in der Branche nicht üppig, so Reckmann. Aber zusammen mit dem Trinkgeld sei sie zufrieden.

Ihre Chefin kennt die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Gelernt hat Dana Zemelka in Hamburg, hat dort ihren Meister gemacht. Sie arbeitete als Selbstständige und unterrichtete an der Lehrlingsakademie. Doch dann zog es sie zurück in die Heimat. Vor zehn Jahren eröffnete sie ihren Salon in der Müllerstraße. Früher gab es dort die Feinbäckerei/Konditorei Zemelka.

Schon im Jahr darauf bildete sie ihren ersten Lehrling aus. „Die Kollegin arbeitet bis heute bei mir, wird mich auch vertreten, wenn ich in Kürze eine Babypause mache.“ Anfangs habe sie pro Jahr etwa 50 Bewerbungen bekommen. „Mit Glück sind es jetzt noch vier oder fünf.“ Einige der Lehrlinge hätten aufgegeben, in einem Fall habe sie sich getrennt.

„Der Verdienst und die Arbeitszeiten sind wenig attraktiv“, sagt Dana Zemelka. Das sei selbst in den Großstädten nicht anders. Sie sieht auch die Ausbilder in der Pflicht. „Wir müssen den Azubis die Chance geben, den Beruf wirklich zu erlernen.“ Manche Kollegen würden Azubis voll mit einsetzen, andere ließen sie gar nicht an Kunden heran, so Zemelka. Franziska Reckmann nickt zustimmend. In ihrer Klasse habe sie häufiger von solchen Fällen gehört. Das nehme den Lehrlingen die Lust. Dabei sei der Beruf kreativ, die Trends ändern sich häufig, auch wenn sie in Wittenberge meist erst mit einem Jahr Verspätung ankommen. „Aber es gibt durchaus Kunden, die mal etwas ganz Neues probieren wollen“, meint Franziska Reckmann. Ein Grund mehr, warum ihr der Beruf Spaß macht.  

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erstellt am 22.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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