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Der Prignitzer

21. Oktober 2017 | 01:37 Uhr

Einsatzübung : Jeder Handgriff soll sitzen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kameraden aus Weisen und Breese trainieren das Öffnen von Türen und den Innenangriff. Abrissblock steht ihnen zur Verfügung

von
erstellt am 28.Aug.2017 | 04:55 Uhr

Michael Lütgarth setzt den Halligan-Tool an der Wohnungstür an. Der Dorn des Brechwerkzeugs bohrt sich in den Türrahmen. Ein kurzer Ruck, Holz splittert, die verschlossene Tür springt auf. Auf der Innenseite hängt der halbe Rahmen lose in der Öffnung. Im Ernstfall könnten die Kameraden jetzt den Brand bekämpfen, nach verletzten oder hilflosen Personen suchen.

Heute ist es nur eine Übung. Rund 20 Kameraden der Feuerwehren Weisen und Breese verzichten an diesem Sonnabendvormittag auf ihre Familien. Sie trainieren in einem Abrissblock der Wohnungsgenossenschaft Elbstrom in der Kyritzer Straße in Wittenberge. Türöffnung, der Umgang mit Leitern, Suchtechnik, Innenangriff in einer verqualmten Wohnung stehen auf dem Programm.

„In unseren Dörfern haben wir solche Gebäude nicht, aber genau diese Übungen helfen uns im Ernstfall“, sagt Friedrich Ziegler von der Weisener Wehrführung. Sie hatten einen Tipp bekommen und gleich bei der Wohnungsgenossenschaft angefragt. „Das war gar kein Problem. Wir dürfen nur Haustüren und Fenster nicht zerstören, andere Einschränkungen gibt es nicht“, sagt Ziegler und dankt der Elbstrom.

Im Nachbaraufgang könnte man Handwerker vermuten. Ein ganzer Werkzeugkoffer liegt ausgebreitet auf den Treppenstufen: Hammer, Schlüssel, Bohrer, Spachtel ... „Im Normalfall wollen wir Haustüren öffnen, ohne sie zu zerstören“, erklärt Jörg Michalski. Einfach formuliert: Das Schloss wird aufgebohrt, der Zylinder herausgezogen. Wer das mehrmals geübt hat, kann die Türen binnen weniger Minuten öffnen. „Genau darum geht es. Üben und nochmals üben“, sagt Michalski. Man vergisst zwar nicht die einzelnen Handgriffe, aber überlegt doch und das kostet Zeit – Zeit die über ein Menschenleben entscheiden kann. Nach dem Einsatz muss die Tür in der Regel wieder verschlossen werden. Weder Polizei noch eine andere Behörde bleiben vor Ort. „Deshalb haben wir immer Türzylinder dabei, die wir einsetzen“, sagt Michalski.

Marcel Hellwig nimmt seine Atemmaske ab. Er schwitzt. „Das war sehr lehrreich“, meint der Weisener nach dem Innenangriff. „Die Grundprinzipien kennen wir, aber alles einmal ohne Druck zu üben, etwas Neues auszutesten und sich mit anderen Kameraden auszutauschen, ist wichtig und kann für den nächsten Einsatz hilfreich sein“, sagt er. Stationsleiter Holger Luft nickt. „Das beginnt schon mit dem Verlegen des Wasserschlauchs im Treppenaufgang.“ Er darf den Rückweg der Kameraden nicht behindern, vor allem dann, wenn sie Verletzte bergen. Sich ohne Sicht durch den Qualm in einer Wohnung zu orientieren, nach Personen zu suchen, sich zu merken, in welchen Räumen man bereits war und all das dem Einsatzleiter mitzuteilen, sei komplex. „Umso wichtiger ist es, dass wir das hier üben können und auch Wasser einsetzen dürfen“, fasst Holger Luft zusammen.

Die Übung gemeinsam mit den Breesern zu absolvieren, sei der Praxis geschuldet. „Oft rücken wir gemeinsam aus und wenn es Schwierigkeiten in der Einsatzbereitschaft gibt, helfen wir uns gegenseitig“, erklärt Friedrich Ziegler. Jede Wehr hat teilweise unterschiedliche Technik. Zum Beispiel Steck- oder Schiebeleitern. Durch das gemeinsame Üben, kennen die Kameraden alle Systeme. Das vereinfacht die Zusammenarbeit im Einsatz. Im kommenden Jahr sollen weitere Wohnblöcke abgerissen werden. „Diese Chance wollen wir wieder für eine Übung nutzen“, kündigt Ziegler an.

 

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