Jeder 10. im Kreis ist Genossenschaftler

Christina Stettin, Geschäftsführerin Kreisbauernverband: „Es gibt rund 50 Genossenschaften im Landkreis Prignitz und wir wissen teilweise sehr wenig voneinander. Das muss sich ändern.“
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Christina Stettin, Geschäftsführerin Kreisbauernverband: „Es gibt rund 50 Genossenschaften im Landkreis Prignitz und wir wissen teilweise sehr wenig voneinander. Das muss sich ändern.“

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11. Juli 2012, 06:14 Uhr

Prignitz | 8000 Prignitzer sind Mitglied unterschiedlichster Genossenschaften, deutschlandweit sind es 20 Millionen, weltweit 800 Millionen, "also wesentlich mehr, als es Aktionäre gibt", betont Martin Brödder, Vorstandsvorsitzender der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz. Die Genossenschaftsbank hat sich mit der Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom" (WGE) aus Wittenberge, den landwirtschaftlichen Genossenschaften sowie weiteren genossenschaftlichen Unternehmen zusammengetan, um den genossenschaftlichen Gedanken öffentlicher zu machen. Anlass dafür ist das Internationale Jahr der Genossenschaften 2012.

"Seit weit über 150 Jahren gibt es Genossenschaften, wird der Gedanke, dass Anteilseigener gleichzeitig Nutzer sind, denen es nicht um den schnellen, kurzen Erfolg, sondern um Nachhaltigkeit geht, gelebt", betont Karsten Korup, WGE-Vorstandsvorsitzender. Gerade die aktuelle Finanzkrise mache deutlich, wie wichtig dieser Gedanke sei. Brödder bringt es auf die Formel: Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung. Und das politisch unabhängig. "Wir sind ausschließlich den Mitgliedern gegenüber verpflichtet." Dieses Anliegen greife auch auf neue Entwicklungen des Energiesektors über. In den letzten fünf Jahren hätten sich deutschlandweit rund 400 Energie-Genossenschaften gegründet, "nehmen ihre Mitglieder die Energiewende selbst in die Hand. Wir hoffen, Ende 2013 die ersten regionalen Energie-Genossenschaften zu haben", sagt Brödder.

Gerade um dieses regionale Bewusstsein von der eigenen Produktpalette bis hin zur genossenschaftlichen Finanzwirtschaft geht es den Prignitzer Akteuren, die sich zu einer Plattform zusammen geschlossen haben. Denn immerhin gebe es rund 50 Genossenschaften im Landkreis. Den Rinderschlachtbetrieb in der Perleberger Ackerstraße gebe es beispielsweise, weil seinerzeit Agrargenossenschaften und die VR-Bank Prignitz das Vorhaben gemeinsam gestemmt hätten. Einer breiteren Öffentlichkeit, vor allem der Jugend deutlich zu machen, welche Macht dahinter stecke, wieviele Arbeitsplätze damit verbunden seien, ist auch Anliegen des Projektes, für das Heike Zellmer, die Regionalmanagerin für die Leaderregion Storchenland Prignitz, spätestens in der kommenden Woche mit der Fördermittelzusage rechnet. Dabei gehe es nicht allein um einen Internetauftritt, sondern vielmehr um einen Schulservice. Das heißt, es sollen entsprechende Unterrichtsmaterialien sowohl für Lehrer als auch Schüler entwickelt werden.

Ebenso gehe es aber auch um ein besseres Kennenlernen untereinander, eine bessere Vernetzung. "Wir hatten im Rahmen des Internationalen Jahres zu einem großen genossenschaftlichen Fest auf die Plattenburg eingeladen - übrigens als einziger Landkreis in Brandenburg. Rund 1300 Mitglieder und Freunde kamen. Bei dem Quiz, das wir dabei veranstalteten, stellte sich sehr schnell heraus, wie wenig wir teilweise selbst voneinander wissen", macht Christina Stettin, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Prignitz, deutlich. Das soll sich ändern, das Internationale Jahr der Genossenschaften sei der beste Anlass dafür.

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