„Pro musica“ in perleberg : Jauchzet, frohlocket in St. Jacobi

Das Berliner Orchester Camerata Instrumentale und der Chor „Wilsnack Cantabile“ verzauberten  das Publikum. Fotos: Doris Ritzka
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Das Berliner Orchester Camerata Instrumentale und der Chor „Wilsnack Cantabile“ verzauberten das Publikum. Fotos: Doris Ritzka

Mit Bachs Weihnachtsoratorium klangvollen Schlussakkord gesetzt / Programm von „Pro Musica“ für 2014 steht, strukturelle Veränderungen in Sicht

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10. Dezember 2013, 07:30 Uhr

„Jauchzet, frohlocket“ – stimmgewaltig erfüllt Chorgesang am Sonntagabend die fast bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche von St. Jacobi. Seit dem Sommer probte der Chor „Wilsnack Cantabile“. Für die Sänger ist es nicht die erste Aufführung und doch eine besondere. „Erstmalig werden wir auch die Kantate VI zu Gehör bringen. Für den Chor ist das ein Novum“, erläutert Christian Reishaus, der an diesem Abend die Leitung hat und auf dem Dirigentenpult steht.


Tolle Solo-Stimmen, ein klangvoller Chor


Der Abend wird ein musikalischer Hochgenuss, Bachs Weihnachtsoratorium öffnet sprichwörtlich Herzen. Vergessen die fünf Stunden überaus anstrengender Arbeit zuvor. Denn seit 13 Uhr wurde geprobt. „Die Finger sind kalt, langsam braucht man eine Pause“, gesteht Petra Prieß. Sie spielt Geige im Berliner Orchester Camerata Instrumentale. An diesem frühen Nachmittag treffen Instrumentalisten, Chor und Solo-Stimmen das erste und einzige Mal vor dem Konzert aufeinander. „Seinen Part kennt und beherrscht jeder. Jetzt geht es um die Abstimmung“, so die junge Geigerin, die sich begeistert von den tollen Solo-Stimmen und dem Chorgesang zeigt. „So ein Stück ist für einen Kirchenchor stimmlich eine echte Herausforderung.“

„Ja, es geht vor allem um Tempo, Dynamik, Akustik – all das muss abgestimmt, muss eingerichtet werden“, ergänzt Christian Reishaus. 66 Sänger, 20 Instrumentalisten im Orchester und die vier Solisten – Peter Ewald, Tenor und Evangelist, Kerstin Domrös, Alt, Birgit Bockler, Sopran, und Michael Hoffmann, Bass – fügt er als Dirigent zu einem kraftvollen musikalischen Ganzen. Geplant war auch, die Sänger der Gymnasiumschöre, die unter Leitung von Angelo Raciti am Winterworkshop der Akademie teilnahmen, zu integrieren. „Wir wollen einfach, dass wir unsere eigenen Potenziale auch nutzen“, betont Reishaus. Von der Idee waren Raciti und Reishaus gleichermaßen angetan, letztlich scheiterte das Vorhaben dieses Mal noch an terminlichen Problemen. „Das heißt aber nicht, dass das Projekt, etwas gemeinsam zu inszenieren, gestorben ist“, sagt der Kirchenmusiker.

Mit dem Weihnachtsoratorium von Bach setzte der Förderverein „Pro Musica“ zweifelsohne einen klangvollen Schlussakkord. Das Jahr 2013 ist damit Geschichte, „eine recht erfolgreiche“, fügt Vorsitzender Peter Heß an. Denn wieder habe der Verein mit einer Vielzahl kirchenmusikalischer Highlights das kulturelle Gesicht der Rolandstadt bereichert. Heß verweist auf die gute Qualität vor allem auch von bis dato in der Region unbekannten Musiker und Ensembles, wie „La Vigna“. „Ich bin mir sicher, tritt diese kleine konzertante Gruppe hier ein weiteres Mal auf, dann werden weitaus mehr Besucher in der Kirche sein.“ Faktisch Selbstläufer seien hingegen bekannte Künstler, wie Peter Orloff und die Schwarzmeerkosaken oder Angelika Milster. „Orloff kennen viele noch als Schlagersänger, Angelika Milster von vielen Auftritten im Fernsehen. Jetzt kamen sie nach Perleberg, da wollte man dabei sein“, so Heß.

Aber nicht nur die national und international bekannten Künstler erwiesen sich als Magneten. „Auch unsere Sänger und Instrumentalisten füllen die Kirche. Ich denke da nur an den Rabbachschen Singekreis, die eigenen Chöre oder unsere Bläser. Sie haben ihr Publikum, ihre Fan-Gemeinde, die weiß, dass wir qualitativ Gutes hier selbst auch zu bieten haben.“

Auch 2014 wird das Gotteshaus von St. Jacobi wieder erklingen. Und los geht es am 1. März mit einem musikalischen Feuerwerk, dem abschließenden Konzert des Gospelworkshops. Der April hält gleich drei Highlights parat: die Passionsmusik am 13. April, am 25. April Musikschulen öffnen Kirchen und am 27. April wird das Trio Zeitsprung in St. Jacobi zu Gast sein. Das Ensemble „Acervus Wimarensis“ (Singstimme, Violine, Harfe und Orgel) widmet sich zwei Werken von Franz Liszt. Für den 14. September hat „Pro Musica“ den Tenor Björn Casapietra unter Vertrag. Und auch der Rabbachsche Singekreis, Chöre und die Bläser werden im Advent wieder im Konzert zu erleben sein.

Das künstlerische Programm für 2014 des Fördervereins „Pro Musica“ steht bereits. Doch im Verein selbst steht eine Neuerung ins Haus. Voraussichtlich im Frühjahr werde sich das juristische Konstrukt verändern. Aus dem Förderverein wird ein Förderkreis, der stärker als bisher an die Kirchgemeinde angebunden sein werde. „Unsere Aufgaben werden wir weiter erfüllen, mehr aber Zuarbeit leisten“, versucht Peter Heß die neuen Strukturen kurz zu skizzieren.


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