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Der Prignitzer

23. November 2017 | 19:49 Uhr

Janenz: "Ich fahre zu Störtebeker"

vom

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erstellt am 13.Mär.2012 | 09:15 Uhr

Wittenberge | Für dieses Jahr hat Bernd-Ulrich Janenz es sich ganz fest vorgenommen: Im Sommer fährt er an die Ostsee, wird in Ralswiek am Strand und auf dem Wasser das dramatische Leben, Kämpfen und Sterben des Seeräubers Klaus Störtebeker erleben. "Ich freue mich sehr darauf", sagt der Wittenberger, obwohl er heute schon weiß, dass der Sommer 2012 nicht die Erlebnisse vor 51 Jahren toppen kann.

Im Sommer 1961 erlebte der damals 18-Jährige die Rügenfestspiele in Ralswiek schon einmal. Aber aus einer ganz anderen Perspektive. Der Wittenberger stand auf der Bühne, spielte mit: Ein Erlebnis, das ihn bis heute bewegt. "Auch wenn ich einen so genannten anständigen Beruf erlernte, obwohl mir Schauspieler damals durchaus sehr ernst rieten, es doch in ihrem Fach zu probieren." Bernd-Ulrich Janenz setzte seine Lehre im Raw fort, wurde Elektromonteur, schloss nach der Armeezeit ein Studium an, hat Jahrzehnte junge Leute als Berufsschullehrer unterrichtet.

Über all die Jahre hat der heutige Pensionär die Erinnerungen an seine Auftritte für Klaus Störtebeker aufgehoben. Es ist ein auf seinen Namen ausgestellter Ausweis für Mitwirkende. Daran befestigt hat Janenz eine kleine Anstecknadel, einen umgestürzten Becher, daher soll sich der Name Störtebeker ableiten, weiß Janenz. Und er holt eine weitere kostbare Erinnerung hervor: Ein Dokument, das den Wittenberger als Mitglied des Rügenfestspielensembles Klaus Störtebeker ausweist, das Träger des Preises für künstlerisches Volksschaffen I. Klasse war.

Nun muss Janenz aber endlich die Frage beantworten, wieso er denn überhaupt mitspielen durfte. Er erzählt: "Wir waren damals im GST-Lager an der Ostsee in Juliusruh. An einem der letzten Tage kam per Lautsprecher eine Durchsage. Für die Störtebeker-Festspiele wurden noch Soldaten gesucht. Wer Lust hatte, konnte sich melden." Ulrich Janenz hatte Lust, die Geschichte von Störtebeker und den Vitalienbrüdern war ihm geläufig. "Und tatsächlich haben sie mich genommen. Ich war begeistert." Auch heute schwingt von dieser Begeisterung noch etwas mit, wenn Janenz von seinen Auftritten als Soldat je nach Rolle für die Dänen oder für Stralsund kämpfte. "Wir hatten sogar einen Fechtmeister. Er hat uns zehn Angriffs- und zehn Verteidigungsschläge mit dem Schwert beigebracht." Geprobt wurde am späten Nachmittag. "Vormittags haben wir im Fischereikombinat Sassnitz Heringsfässer gerollt und nachmittags Grünanlagen gepflegt. Damit konnten wir uns noch Geld dazu verdienen", erzählt der Wittenberger. Und er ist dankbar dafür, dass er in Ralswiek Menschen wie den Autor der Störtebeker-Ballade Kurt Bartel, besser bekannt als KuBa, und mit Hanns Anselm Perten einem der bedeutendsten Regisseure und Theaterintendanten der DDR begegnet ist. "Ich erinnere mich noch wie heute daran, was Perten immer zu uns gesagt hat: "Jugendfreunde seid doch lieb und nett zu einander, übt Selbstdisziplin."

Noch heute ist Bernd-Ulrich Janenz seinem damaligen Lehrausbilder im Raw dankbar, "dass er mich für die sechs Wochen in Ralswiek freigestellt hat". Und er ist gespannt, wie es heutigentags in Ralswiek bei den Festspielen zu geht.

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