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Der Prignitzer

21. November 2017 | 18:52 Uhr

Jahrzehnte die Stoppuhr in der Hand

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2013 | 06:37 Uhr

Wittenberge | Wenn die Wittenberger Sternfahrer morgen früh in die Pedalen treten und sich auf den Weg nach Groß Woltersdorf machen, wird ein Mann die Gruppe anführen, der bereits seit Jahrzehnten mit dem Radsport eng verbunden ist und 1986 als einer der ersten DDR-Bürger zum nationalen Kommissär des internationalen Radsportverbandes qualifiziert wurde. Gemeint ist Bernd Gerhardt.

Angefangen hat alles bereits im Jahr 1956, als er dem örtlichen Radsportverein beitrat, dem er bis heute als Mitglied die Treue hält. Und schon zu seiner Zeit als aktiver Rennfahrer begann seine ehrenamtliche Tätigkeit. Später übernahm er organisatorische Pflichten, wurde Übungsleiter und qualifizierte sich erst zum Kampfrichter und später zum DDR-Schiedsrichter.

Im November 1986 folgte dann der erste Lehrgang auf dem Gebiet der DDR zum nationalen Kommissär der UCI. (Union Cycliste Internationale, franz. für Internationaler Radsport-Verband - d. Red.) "Das war das Höchste, was zu diesem Zeitpunkt möglich war", erzählt Bernd Gerhardt rückblickend. So führten ihn seine Kontrolltätigkeiten im Laufe der Jahre in die damalige Volksrepublik Polen, aber auch zu Meisterschaften, Spartakiaden und Rundfahrten im gesamten Landesgebiet der DDR.

Vor allem die Juniorenweltmeisterschaft 1981 in Leipzig ist ihm dabei in Erinnerung geblieben, bei der zahlreiche nationale und internationale Schiedsrichter zusammenarbeiteten. Aber auch die Wittenberger Etappen der DDR-Rundfahrt 1965, 1967 und 1973 sowie die zweite Internationale Brandenburg rundfahrt, die 2002 mit der Etappe "Rund um Wittenberge" startete, bilden heimatliche Besonderheiten seiner Laufbahn. Höhepunkt war wohl aber die zweimalige Teilnahme an der Friedensfahrt in den 1980er Jahren, bei der Gerhardt als Radkommissär auf dem Motorrad im Einsatz war und dieses selbst durch das Teilnehmerfeld steuerte.

Dabei ist die Arbeit als Kommissär auch sonst alles andere als eintönig. "Egal ob Bahn- oder Straßenrennen, man benötigt immer viele Mitarbeiter", verdeutlicht Gerhardt. Zeitnehmer, Zielrichter und bei Straßenrennen die Juryfahrzeuge sind dabei nur einige der Posten. "In der Regel kamen wir mit fünf Leuten aus, bei internationalen Rennen waren es jedoch mindestens zehn bis zwölf Personen", so der Wittenberger.

Nach der politischen Wende gelang dann der Übergang zum Bund Deutscher Radfahrer (BDR) recht schnell. "Es war direkt eine hervorragende und kollegiale Zusammenarbeit", beschreibt Gerhardt die Umstände des Übergangs. Was dann die vergangenen 20 Jahre folgte, waren Deutsche Meisterschaften und zahlreiche nord- und ostdeutsche Radrennen, wie die Thüringen-Rundfahrt oder die Sachsentour. "In der Regel meist mindestens fünf Einsätze im Jahr", führt Gerhardt an.

Doch für große Namen im Radsportzirkus hatte der Wittenberger meist kein Auge, auch wenn er Größen wie Robert Bartko oder Frank Schleck betreute. Denn "als Kampfrichter hat man nur die Startnummer im Kopf und ist sonst vollkommen neutral", so Gerhardt. In den vergangenen fünf Jahren war er dann verstärkt als Anti dopinginspektor für die Auswahl, Benachrichtigung und gerechte Durchführung der Probe zuständig. Mittlerweile ist es, zumindest was offizielle Einsätze betrifft, etwas ruhig geworden.

"Ich habe 2011 die Altersgrenze von 70 überschritten und wurde bei der Bundeshauptversammlung des BDR in diesem Jahr verabschiedet", erzählt Gerhardt, der vor wenigen Tagen von Rudolf Scharping die Verdienstnadel angesteckt bekam. Aufgaben als Landesverbandskommissär könnte er zwar weiterhin wahrnehmen, aber auch das wird derzeit weniger. "Und das ist auch in Ordnung so. Junge Leute in die erste Reihe", findet er.

Doch langweilig wird es Bernd Gerhardt sicher auch in Zukunft nicht werden. Neben seiner Tätigkeit als Radrouteninspektor ist er immer wieder bei regionalen Radveranstaltungen wie der Sternfahrt im Einsatz. Und allen morgigen Teilnehmern gibt der Wittenberger gleich noch einen Tipp mit auf den Weg: "Es ist zwar eine Familienradwanderung und wir machen genügend Pausen, dennoch sind wir insgesamt über 80 Kilometer unterwegs, deshalb sollte sich jeder passende Kleidung und einen Imbiss mitbringen." Auf der Rücktour kann dann ab Groß Pankow auch mit dem Zug gereist werden. Jedoch führt Bernd Gerhardt auch alle nimmermüden Radfreunde nach Wittenberge zurück. Erfahrung hat er nach über 50 Jahren Radsport ja mehr als genug.

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