zur Navigation springen

Seltene Wiesenweihen verendet : Jähes Ende bei Kollision mit Flieger

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor einem Jahr durch Zufall in einem Grünroggenschlag bei Reckenzin entdeckte Wiesenweihe verendete jetzt auf dem Flughafen Hannover

„Es ist fast unglaublich, dass wir eine Rückmeldung bekommen haben. Nur die Umstände sind sehr bedauerlich. Aber die Reckenziner Wiesenweihe ist nicht umsonst gestorben“, sagt Dr. Jürgen Kaatz. Der Ornithologe in Dranse bei Wittstock beringt seit mehr als 36 Jahren Wildvögel in der Region. Mehr als 40 000 dürften wohl inzwischen von ihm einen Ring der Vogelwarte Hiddensee erhalten haben, um ihr Schicksal weiter wissenschaftlich verfolgen zu können. Vor einem Jahr beringte er drei junge Wiesenweihen, die durch Zufall auf einem Grünroggenschlag zwischen Reckenzin und Klein Warnow gefunden wurden. Damals war Maik Lewerenz mit dem Mähdrescher auf besagtem Feld unterwegs und reagierte geistesgegenwärtig, als das Weibchen aufflog. Er stoppte seine Maschine und entdeckte die in der Prignitz seltene Brut. Über den Leiter Pflanzenproduktion der Produktivagrargenossenschaft eG, Hans-Joachim Puls, kam die Nachricht des Brutfundes zum Landkreis und zur Vogelwarte Hiddensee. Dr. Jürgen Kaatz nahm sich der damals noch drei flugunfähigen Jungvögel an. In Zusammenarbeit mit Puls organisierte der Verein „Wildtierhilfe Prignitz e.V“ ein Schutz um das Nest. „Vielleicht erfahren wir ja mal etwas über den Lebensweg dieser Reckenziner Wiesenweihen. Denn sie haben weite Wege vor sich, ihre Überwinterungsgebiete liegen in Zentralafrika. Die Verluste auf diesem Weg sind sehr hoch“, sagte vor einem Jahr Dr. Jürgen Kaatz.

Und jetzt kam die Nachricht, dass „zumindest eine Reckenziner Wiesenweihe wieder zurück gekommen ist“. „Es ist der größte Jungvogel und eigentlich hat er seine Feuertaufe auf dem Zug in den Süden und zurück bestanden und dann das!“ Zurück in Deutschland kam am 28. Juni um 21.30 Uhr das jähe Ende des streng geschützten Greifvogels, der noch vor wenigen Jahren in der Prignitz als ausgestorben galt. Die Reckenziner Wiesenweihe kollidierte beim Landeanflug eines Flugzeugs einer englischen Fluggesellschaft auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen mit diesem. Vogelverluste kommen in der heute technisierten Welt vielerorts vor, sei es durch den Anprall an Glasfronten, die Kollision mit Windrädern, Schnellzügen oder Autos oder mit Vogelschlag bei Luftfahrzeugen. „Gleich am nächsten Morgen hatten wir die Nachricht“, berichtet Dr. Jürgen Kaatz.

Er sieht es mit einem lachenden und weinendem Auge. „Der Fundumstand ist bedauerlich, führt aber andererseits zu wichtigen neuen Erkenntnissen“, erläutert der Wissenschaftler und erklärt: „Da junge Wiesenweihen im Land Brandenburg nur sehr selten beringt werden und auch die Wiederfundrate mit nur 1,6 Prozent Fernfunden abseits des Beringungsortes, also über 100 Kilometer, sehr gering ist, war kaum damit zu rechnen, jemals wieder etwas von den drei jungen Reckenziner Wiesenweihen zu hören.“

Der Finder in Hannover entdeckte den Ring am Fuß des seltenen Greifvogels und meldeten den Fund an die Vogelwarte Hiddensee. Diese informierte Dr. Kaatz und die Finder über die Herkunft des Vogels. „Der Fund beweist zumindest, dass die junge noch nicht geschlechtsreife Reckenziner Wiesenweihe nach ihrer Überwinterung in Zentralafrika wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist und sich hier ansiedeln wollte. Geschlechtsreife entfalten sie ab ihrem zweiten Lebensjahr. Die Todesursache ist dabei wohl ein Novum im Datenfundus ostdeutscher Wiesenweihen“, sagt der Ornithologe, der mit einer Bitte an die Landwirte herantritt: „Aufmerksame Landwirte können eine Brut vor dem Totalverlust retten, wenn sie die gut versteckten Nester gerade noch rechtzeitig bemerken, ihr Erntefahrzeug zum Stehen bringen und die Fachleute umgehend informieren.“
 

zur Startseite

von
erstellt am 09.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen