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775 Jahrfeier in Düpow : Ist Düpow knapp 100 Jahre jünger?

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Dr. Hans Joachim Schmitt, Hobbyhistoriker und Romanist, recherchierte 1332 als Gründungsjahr des Dorfes / Düpow feiert dieses Wochenende Jubiläum

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erstellt am 20.Jun.2014 | 15:53 Uhr

Das kleine Dorf an der B 5 feiert an diesem Wochenende Geburtstag. Den 775. – davon jedenfalls ging man bis jetzt aus. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde im Vorfeld im Ortslexikon für Brandenburg (Teil 1: Prignitz, 1997) der Archivarin und Historikerin Lieselotte Enders nachgeschlagen. Und auch Einträge des 6. Bandes (Prignitz) des Brandenburgischen Namensbuches sprechen davon, dass Düpow 1239 erstmalig urkundlich erwähnt wurde. Beide Quellen berufen sich dabei auf eine im Stadtarchiv aufbewahrte und schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Brandenburgischen Urkundenbuch – dem Codex diplomaticus Brandenburgensis – abgedruckte Urkunde aus jenem Jahr, erläutert Dr. Hans Joachim Schmitt. Von Hause aus ist er studierter Romanist und zugleich geschichtlich überaus interessiert. Und er ist der Schwiegervater von Rainer Guhl, dem Ortsvorsteher von Düpow.

In besagter Urkunde verleiht der Stadtherr Johannes Gans zu Perleberg den Perleberger Schustern das Privileg, sich in einer Innung zu organisieren. Die Urkunde trägt die Unterschrift von zehn Perleberger Ratsherren, die faktisch als Zeugen fungierten. Darunter auch Wesselinus de Dupow, „was die gleichzeitige Ersterwähnung Düpows bedeuten würde“, fügt Dr. Schmitt an.

Allerdings ist dieser erste Blick trügerisch. Bei genauem Hinschauen stößt man auf zwei Datumsangaben auf einer Urkunde. „Und das ist meinem Schwiegersohn aufgefallen“, berichtet Dr. Schmitt. Denn die Urkunde von 1239 ist, wie wir heute sagen würden, eine beglaubigte Abschrift des Originals. Der obere Teil enthält das ältere Dokument, sprich jene Urkunde von 1239, die in ein neues übernommen wurde. Die Archivare nennen dies Transsumpt – übernehmen, so Dr. Schmitt. Und derartige Transsumpts treten gar nicht so selten auf, wie ihm Dr. Uwe Czubatynski, Vorsitzender des Vereins für Geschichte der Prignitz, bestätigte. Warum man ein solches allerdings in diesem Fall anfertigte – die Antwort muss auch Dr. Schmitt leider schuldig bleiben. „Da kann man nur spekulieren. Auf diese Weise wurde aber 1332 die ältere Urkunde und vor allem ihr rechtssetzender Inhalt von zehn Zeugen, alles Perleberger Ratsherren, bestätigt und erneuert.“

Einer von ihnen war jener Wesselinus de Dupow. Das „de“ stehe aller Wahrscheinlichkeit nicht für einen Adelstitel, sondern für die Ortsanbindung, sprich er kommt aus Düpow, ist sich Dr. Schmitt, der auch Mitglied des Prignitzer Geschichtsvereins, sicher. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass Düpow fast 100 Jahre jünger ist, als angenommen. Zumindest wenn man das Alter auf die Ersterwähnung bezieht, denn die war danach nicht 1239, sondern erst 1332.

Gleiches treffe auch auf Dallmin zu, das vor einigen Wochen ebenso sein 775. Jubiläum feierte und sich ebenso auf diese Urkunde als Datum der Ersterwähnung bezogen haben muss. „Es ist unwahrscheinlich, dass es zwei Urkunden für so einen kleinen Ort aus dieser Zeit gibt“, mutmaßt Dr. Schmitt. Wie Düpow erscheint auch Dallmin in der Bestätigung von 1332, wo ein Hinricus Dalemin als Perleberger Ratsherr und Zeuge genannt wird. Und Dr. Schmitt ist auf noch etwas gestoßen. „Anders als beim Wesselinus fungiert hier der Ortsname schon als Zuname.“ Um besser unterscheiden zu können, kamen im 14. Jahrhundert die Familiennamen auf.

Für den Geschichtler aus Bad Wilsnack, der schier durch Zufall auf den Irrtum stieß, war es selbst auch eine spannende Geschichte, die er nun wieder ins richtige zeitliche Fenster gerückt hat. Nichtsdestotrotz feiert Düpow heute und morgen seine Ersterwähnung – dann eben vor 682 Jahren. Was sind schon knapp 100 Jahre im Zeitraffer der Geschichte der Menschheit? Für die Geschichtsschreibung allerdings dürfte die Aufklärung dieses Irrtums durchaus von Gewicht sein.


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