Landesanglerverband Brandenburg : Ist der Karpfen einer von uns?

Der Karpfen ist bei vielen Anglern ein beliebter Fang.
Der Karpfen ist bei vielen Anglern ein beliebter Fang.

Naturschützer und Angler streiten, ob die Art als einheimisch betrachtet werden kann oder nicht

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11. April 2015, 09:00 Uhr

„Wir kennen das Problem mit dem Karpfenbesatz. Nicht nur in der Prignitz wollen Naturschützer den Karpfen aus Gewässern verbannen. In vielen anderen Gegenden des Landes werden gerade neue Konzepte entwickelt“, sagt Andreas Koppetzki, Geschäftsführer des Landesanglerverbandes Brandenburg. Den Karpfen als nicht heimische Fischart zu bezeichnen, hält er für „völligen Quatsch“ und gibt zu bedenken, dass nach diesen Maßstäben auch der Kormoran keine heimische Art sei, dieser aber sogar unter Schutz stehe.

Unter dem Titel „Angler bangen um Karpfen“ hatte der „Prignitzer“ Mitte März darüber berichtet, dass Naturschutzpläne vorsehen, den Besatz mit Karpfen künftig bei bestimmten Gewässern zu verbieten. Weiterhin beklagten die Angler, dass sie mit Einschränkungen bezüglich der Zugänglichkeit zu ihren Pachtgewässern rechnen.

„Wo wir es wissen, beteiligen wir uns an den Verfahren bei der Entwicklung neuer Konzepte und achten vor allem darauf, dass die Rechte unserer Mitglieder gewahrt bleiben“, sagt Koppetzki. „Was helfen uns gepachtete oder gekaufte Angelgewässer, die zukünftig einem totalen Betretungsverbot unterliegen? Wir werden auch weiterhin Gewässer mit Karpfen besetzen, denn die Fischart ist seit dem 16. Jahrhundert in Deutschland heimisch und irgendwann muss auch eine vor mehr als 400 Jahren nach Europa gebrachte Art als heimische anerkannt werden.“ Man werde natürlich keine Klarwasserseen mit Karpfen besetzen, sondern nur dort, wo es auch sinnvoll sei.

Die Perleberger Angler, so verspricht es der Landesverbandschef, werden mit diesem Problem nicht allein gelassen und bekommen Rückendeckung. Natürlich seien auch die Angler für Natur- und Umweltschutz. „Tausende unserer Mitglieder sind hier sehr aktiv. Die Biosphärenreservate und Umweltverbände haben den Naturschutz nicht für sich allein gepachtet.“ Die Angler wollen aber einen Naturschutz mit Augenmaß und mit dem Menschen, so Koppetzki.

Prof. Dr. Robert Arlinghaus befasst sich seit vielen Jahren am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und an der Berliner Humboldt-Universität mit Fischen und dem Angeln als sozialem Forschungsfeld. Auch hat er zahlreiche Untersuchungen zu den verschiedensten Fischarten, ihrem Vorkommen, Verhalten und ihrer Entwicklung durchgeführt. Zum Ansinnen, den Karpfenb esatz zu untersagen, sagt Arlinghaus: „Juristisch ist der Karpfen nach Bundesnaturschutz ohne Zweifel heimisch. Das ist zunächst das relevante, wenn es darum geht, ob der Karpfen rechtlich heimisch ist oder nicht. Er ist heimisch!“

Streiten ließe sich lediglich über den Begriff gebietsfremd. Hier gelte nach Bundesnaturschutzgesetz ein Zeitraum von 100 Jahren als maßgeblich. „Aber auch hier gilt, dass der Karpfen zwar nicht in jedem Gewässer und auch nicht in jedem Jahr natürlich aufkommt, es aber regelmäßig zum Laichen und auf geringem Niveau auch zur Änderung der Bestände kommt, und dass seit vielen hundert Jahren.“ Insofern gelte nach Arlinghaus’ Rechtsverständnis, dass der Karpfen nicht als gebietsfremde Art zu betrachten ist.

Der wahrscheinlich wichtigste Punkt, warum der Karpfen in den Focus der Naturschützer gerückt ist: Man vermutet negative Auswirkungen auf die Wasserqualität. „Es ist belegt, dass der Karpfen bei Beständen von unter 300 Kilogramm Fisch pro Hektar Wasserfläche keine nennenswerten Auswirkungen hat, bei unter 150 Kilogramm pro Hektar ist er völlig harmlos“, sagt der Professor. Kaum ein Gewässer werde diese Mengen beherbergen. „Also aus meiner Sicht vollkommene Entwarnung“.

Auch Dr. Andreas Müller-Belecke vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow kann dem Ansinnen, den Karpfenbesatz zu verbieten, nicht folgen. Der Karpfen sei eindeutig eine heimische Art, die ursprünglich die großen Flüsse bewohnte. Im 16. Jahrhundert domestiziert und in Teichwirtschaften gehalten, könne man den Karpfen heute durchaus als heimische Art bezeichnen. „Sicherlich hat der Karpfen in einigen Gewässern Schwierigkeiten, sich selbst zu reproduzieren, aber unter günstigen Bedingungen gelingt dies nicht nur in Teichwirtschaften, sondern auch in nicht intensiv bewirtschafteten Gewässern“, so Müller-Belecke.

„Es geht uns gar nicht darum, den Karpfen pauschal aus den Gewässern zu entfernen“, entgegnet Dr. Sven Rannow, Leiter des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Zunächst stünden nur Gewässer im Biosphärenreservat zur Diskussion. „Im Zug der Ausarbeitung von Richtlinien für die Natura-2000 Gebietsmanagementpläne sind mittels Elektrofischerei Bestandsaufnahmen aller Arten erfolgt, die jetzt ausgewertet werden. Je nach Ergebnis wird es daraufhin eine Empfehlung gegeben, in diesem oder jenem Gewässer keinen Karpfen mehr zu besetzen.“

Dabei hätten allerdings nicht die Naturschützer das letzte Wort, beruhigt Rannow. „Es ist und bleibt eine Empfehlung, die Entscheidung trifft stets der Eigentümer.“

 
 

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