Weisser Fleck im Netz : Internet im Schneckentempo

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Rohlsdorfer Familie kämpft um Anschluss an die Datenautobahn – momentan sehen die Chancen auf eine schnelle Lösung aber eher düster aus

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08. Januar 2016, 16:26 Uhr

Die schnelle neue Datenwelt gibt es jetzt auch im Perleberger Raum. Von fünf auf 50 Megabit die Sekunde soll die Internetgeschwindigkeit ansteigen, so versprechen es jedenfalls großflächige Werbetafeln in Magenta-Pink im Stadtgebiet.

Für die Rohlsdorfer Familie Ferch bleibt ein Anschluss an diese Datenautobahn dennoch in unerreichbarer Ferne, obwohl sie im Perleberger Vorwahlgebiet 03876 lebt. Das Dörfchen gehört kommunal zur Gemeinde Groß Pankow (Prignitz). Die hatte seinerzeit den Auftrag für den Anschluss zur Gemeinde gehörender Dörfer an das schnelle Internet ausgeschrieben, als diese Maßnahmen zu 90 Prozent gefördert wurden. Die Telekom hatte sich damals nicht beworben, dafür ein privater Richtfunkanbieter. Der ging bald in Insolvenz und auch der Nachfolger warf das Handtuch. In den betroffenen Dörfern herrschte vielfach wieder Internet-Notstand.

Die Gemeinde bemühte sich gemeinsam mit dem Breitbandverantwortlichen des Kreises und der Telekom um Lösungen. Die waren auch in Sicht, im November 2015 sollte ein Anschluss an das schnelle Internet erfolgen, erfuhr auch Familie Ferch in Rohlsdorf, woraufhin sie im Mai einen Vertrag sowohl über einen Internet- als auch Telefonanschluss abschloss.

Und die Telekom hielt auch Wort und vermeldete Anfang Dezember, dass 400 Haushalte in den Ortsteilen Baek, Dannhof, Hellburg, Hohenvier, Horst, Kreuzburg, Retzin, Seddin, Tacken, Tangendorf und Wolfshagen mit schnellem Internet versorgt seien. Rohlsdorf und Klein Linde waren aber nicht mit dabei.

„Ich bin fassungslos“, ärgert sich Alfred Ferch. „Dabei hatte man uns von Seiten der Telekom einen schnellen Anschluss zugesichert. Selbst der Telekom-Techniker, der unseren Anschluss eingerichtet hat, sprach davon, dass ab November bis zu 50 Megabit die Sekunde möglich wären.“

Doch der Telekommunikationsanbieter will von den Versprechen gegenüber den Ferchs nichts mehr wissen. „Wir haben schon mit mehreren Leuten bei der Telekom gesprochen. Eine offizielle Antwort, was bei uns nun wird, haben wir von keiner Seite bekommen“, erklärte Ferch. Allein die Telekom-Rechnungen über 16 Megabit flattern der Familie mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks in den Briefkasten. „Das tut richtig weh, weil wir derzeit noch nicht einmal die 16 Megabit bekommen. Real kommen bei uns 384 Kilobit die Sekunde an. Das ist nur ein Bruchteil und Lichtjahre von den 50 Megabit entfernt.“

Aktuell können die Ferchs entweder nur sehr langsam oder gar nicht surfen, sind Gegenstellen oder Server nicht erreichbar. Und das Telefonnetz fällt häufig gänzlich aus, wenn die Datenmenge zu gering ist. „Da reicht die Bandbreite nicht aus. Das liegt daran, dass der Telefonstandard bei uns auf Voice-over-IP – sprich Internettelefonie – umgestellt wurde“, erklärte Ferch. Er wäre schon froh, wenn er für den mit der Telekom vertraglich vereinbarten Magenta-S-Tarif wenigstens stabil zwei Megabit erhalten würde.

Auf schnelle Abhilfe können die Ferchs und weitere Familien aus Rohlsdorf und Klein Linde nicht hoffen. „Uns liegt kein Auftrag zum Bau einer Breitbandinfrastruktur für die genannten Ortsteile vor – weder von der Gemeinde noch vom Landkreis noch vom Bundesland“, erklärte Telekom-Sprecher Georg von Wagner gegenüber dem „Prignitzer“. Davon sei in der Kommunikation mit Groß Pankow auch nie die Rede gewesen. Die Telekom habe den Anschluss der 400 Haushalte im Raum Groß Pankow selbst finanziert und deshalb behalte sich die Telekom „auch das Recht vor, eigenverantwortlich zu bestimmen, wo wir ausbauen“, ergänzte von Wagner.

Im Groß Pankower Rathaus weiß man um das Problem. „Wir werden weiter gemeinsam mit dem Breitbandverantwortlichen des Landkreises nach Lösungen suchen“, verspricht Bürgermeister Thomas Brandt. Aber wann und wie die gefunden werden, ist offen.
 


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