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Beratungen in Lenzen : Interesse an Stasi-Akten ungetrübt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), Außenstelle Schwerin-Görslow, informierte im Lenzener Rathaus

Noch heute, mehr als 25 Jahre nach dem Ende der DDR, stellen sich Hunderttausende Bürger die Frage, ob sie vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und seinen „inoffiziellen Mitarbeitern“ (IM) ausspioniert wurden. Allein im vergangenen Jahr stellten Bürger bundesweit 62 544 Anträge auf persönliche Akteneinsicht bei der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU). Seit Bestehen der Behörde sind damit mehr als 3,1 Millionen Gesuche auf Akteneinsicht eingegangen (Stand: 6. Januar 2016).

Wie kann ich Einsicht in meine Stasi-Akte beantragen? Wie lange dauert es, bis ich die Unterlagen sehen kann? Erfahre ich die Klarnamen von inoffiziellen Mitarbeitern? Kann ich Einsicht in die Akten verstorbener Verwandter nehmen und lohnt es sich, später einen Wiederholungsantrag zu stellen? Diese und andere Fragen beantworteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BStU-Außenstelle Schwerin-Görslow am Dienstag bei einem gemeinsam mit dem Amt Lenzen-Elbtalaue veranstalteten Informationstag im Sitzungskeller des Lenzener Rathauses. Ein Großteil der Stasi-Unterlagen von Bürgern aus dem ehemaligen Bezirk Schwerin, zu dem einst auch Wittenberge, Perleberg, Pritzwalk oder Lenzen gehörten, werden von der BStU-Außenstelle seit Oktober 1990 in Schwerin-Görslow verwaltet.

In Lenzen war das Interesse der Leute, gemessen an Beratungen an Informationstagen andernorts, aber „eher gemäßigt“, wie Carolin Rieck, Mitarbeiterinnen der BStU-Außenstelle in Görslow, erzählt. Bis kurz vor Ende der Sprechzeit stellten 20 Interessenten Erst- oder Wiederholungsanträge auf persönliche Akteneinsicht oder wollten einfach nur dazu informiert werden.

„Die Leute kamen überwiegend aus dem Landkreis und der näheren Umgebung. Die meisten hatten zuvor schon einen Erstantrag gestellt“, berichtet Carolin Rieck, ohne aus Gründen des Datenschutzes weitere Informationen preiszugeben. Bei anderen Beratungsgesprächen hätten Betroffene ihr auch schon mal ihre Lebensgeschichte erzählt. Am Dienstag standen eher die Antragstellung und Beratung im Vordergrund

Einer, der nach Vorlage seines Personalausweises einen Wiederholungsantrag stellte, war Bernd Seidel. Der Eldenburger kam aus „reiner Neugierde“ zum Beratungstermin ins Rathaus. „Ich habe vor Jahren schon mal einen Erstantrag gestellt. Damals standen aber eher belanglose Informationen bis zum Jahr 1975 in den Akten“, erzählt der Mitarbeiter des DRK-Rettungsdienstes.

Vorzuwerfen hätte er sich eigentlich nichts. Doch es interessiere ihn schon, ob weitere Aufzeichnungen von seiner Zeit nach der Schule, während des Armeedienstes bis hin zur Wende aktenkundig sind. „Im Nachhinein hat man ja erfahren, dass man doch ausgehorcht wurde“, erzählt Bernd Seidel. Innerhalb weniger Monate soll er nun Auskunft erhalten, ob weitere Akten vorliegen. Bis zur Einsicht oder Übersendung kann es dann noch Jahre dauern.

Dass sich Bernd Seidels Stasi-Akte um weitere Details erweitert haben könnte, ist durchaus nicht auszuschließen. Noch immer werden in den Archiven des BStU Stasi-Unterlagen gesichtet. Allein im Archiv der Außenstelle Schwerin lagern 2 470 laufende Meter Akten und 787 000 Karteikarten.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 04:45 Uhr

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