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Flüchtlingskinder in der Prignitz : Integration in Schulen kommt voran

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schulamt: Für ausländische Kinder sind genug Plätze an Einrichtungen im Landkreis vorhanden

An den Schulen im Landkreis sind ausreichend Plätze für Flüchtlingskinder vorhanden. Zu dieser Einschätzung kommt Harald Schmidt, Schulrat im Staatlichen Schulamt Neuruppin. „Ein Handlungsbedarf seitens der Schulträger besteht nicht“, sagt Schmidt.

Die knapp 400 Flüchtlingskinder im Alter von sechs bis 16 Jahren werden nicht separat in Willkommensklassen unterrichtet. Stattdessen nehmen sie in bestimmten Fächern am normalen Unterricht teil. In speziellen Vorbereitungsgruppen lernen die Kinder parallel dazu innerhalb eines Jahres intensiv Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Beispielhaft haben wir uns das in der Scholl-Schule in Perleberg angeschaut, siehe Seite 8.

„Je nach erreichter Teilhabefähigkeit am Regelunterricht kann der Besuch der Vorbereitungsgruppe reduziert werden“, so Harald Schmidt. Gerade im Grundschulalter sei die Integration überwiegend erreicht. „Probleme gibt es, wenn die Kinder keine Alphabetisierung in der Muttersprache erfahren haben oder kaum eine Schule besucht wurde. So ergeben sich bei Aufnahme in die weiterführende Schule trotz erfolgter Rückstellung um ein Jahr fachliche Defizite, die auch mit Nachteilsausgleichen nicht kompensiert werden können.“

Für die Fördermaßnahmen sind in den vergangenen beiden Schuljahren 23 zusätzliche Lehrer an den öffentlich getragenen Schulen im Landkreis befristet bzw. unbefristet eingestellt worden. Sie haben eine Ausbildung bzw. Qualifikation in Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Zweitsprache.

Bevor ein Kind komplett am Regelunterricht teilnehmen kann, wird sein Sprachstand festgestellt. Dies erfolgt viertel- bzw. halbjährlich und orientiert sich an den Niveaustufen des Europäischen Referenzrahmens für Sprache. „Hierfür sind die Lehrkräfte, die in den Fördermaßnahmen eingesetzt werden, zuständig. Diese arbeiten eng mit den Klassenlehrern zusammen und erstellen einen individuellen Lernplan“, erläutert Schmidt. Am Gymnasium Pritzwalk könne überdies auch das Deutsche Sprachdiplom (DSD Stufe I) abgelegt werden.

Durch Fortbildungen werden Lehrer auf ihre neuen Schüler vorbereitet. Seit 2015 gibt es Qualifikationsreihen am Landesinstitut für Schule und Lehrerbildung. Neben der Fortbildung zur Einführung des neuen Rahmenlehrplans ist eine Teilnahme nicht immer möglich“, so Schmidt. Ein zusätzlicher Betreuer für die Anfangszeit in einer Regelklasse ist gesetzlich nicht vorgesehen. „Es besteht jedoch die Möglichkeit, Zweitlehrkräfte bzw. Angebote im Rahmen des Ganztages hierfür einzusetzen.“ Sofern es personell und zeitlich möglich ist.

Dass die Integration ausländischer Kinder funktioniert, bestätigt Claudia Riemann, Sprecherin des Kreisschulbeirats. „Die Kinder kommen gut miteinander aus. Am Anfang geht es noch mit Händen und Füßen, aber die Kinder mit Migrationshintergrund lernen sehr schnell Deutsch.“

Die beiden Söhne von Claudia Riemann besuchen die Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule in Pritzwalk und haben selbst neue Klassenkameraden bekommen. Grundsätzlich seien deren Eltern sehr aufgeschlossen. „Nur bei denjenigen aus dem russischen Sprachgebiet ist die Motivation, an schulischen Veranstaltungen teilzunehmen, leider nicht so groß“, weiß Claudia Riemann aus Erfahrung. Sie berichtet, dass viele Lehrer überlastet seien, denn die Neuankömmlinge brauchen mehr Aufmerksamkeit im täglichen Unterricht. 
 

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erstellt am 18.Jul.2017 | 05:00 Uhr

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