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Klein Leppin : Integration der Flüchtlinge von Deutschkurs bis Fußball

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Netzwerk für Flüchtlinge in Glöwen hofft auf Begegnungsstätte für Sprachförderung und mehr Bürgerkontakte

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Mahmoud Abdulhak hat Glück im Unglück gehabt. Der nach Deutschland geflüchtete Syrer hat eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst erhalten und unterstützt als gelernter Tischler den Verein Festland in Klein Leppin. Dieser ist in den vergangenen Monaten neben den kulturellen Projekten in die Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern vor allem in Glöwen hineingewachsen. Um den Verein herum entsteht ein Netzwerk ehrenamtlicher Helfer, das mit immer mehr Angeboten die rund 100 Syrer, Afghanen, Pakistani und Menschen aus anderen Ländern in Glöwen dabei unterstützt, sich besser in Deutschland zurechtzufinden.

Die jüngste Aktion ist ein morgendlicher 3000-Meter-Lauf. Ein begeisterter Jogger hatte angeboten, seinem sportlichen Hobby gemeinsam mit Flüchtlingen nachzugehen. Andere von ihnen üben täglich auf dem Glöwener Fußballplatz, davon zwei Mal pro Woche unter Anleitung eines Trainers. Auch erste Spiele sind in Sicht. An der Organisation beteiligt sich die Gruppe selbst.

Partnerschaftliche Arbeit, die Flüchtlingen in alle Vorbereitungen einbezieht und ihnen Verantwortung überträgt, nur so könne das Netzwerk sein Ziel erfüllen, sagte Festland-Vorsitzende Christina Tast.

Zwei Lehrerinnen erteilen ehrenamtlich mehrmals pro Woche Deutschunterricht. Bisher sind die meisten Teilnehmer Männer, für Frauen mit Kindern ist es durch begrenzte Betreuungsmöglichkeiten schwer, so oft wie angestrebt teilzunehmen. „Wir versuchen, Seniorinnen und andere Frauen zu finden, die während des Unterrichts die Kinder betreuen, um das zu ändern“, sagt Christina Tast.

Das Einleben in der Prignitz könnte auch ein Begegnungszentrum für Deutsche und Flüchtlinge erleichtern. Die Idee wurde bei der Vorstellung im Ausschuss für Ordnung und Soziales der Gemeindevertretung positiv aufgenommen. Da der Ausbau einer eigenen Einrichtung die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde übersteigt, wird über die Mitnutzung von Einrichtungen wie des Jugendclubs, des Awo-Treffs oder Räumen der Feuerwehr nachgedacht. Das Begegnungszentrum würde das Kennenlernen von Glöwener Bürgern und Flüchtlingen sowie die Anwendung der deutschen Sprache durch die Neuankömmlinge fördern, erläuterte Gemeindevertreterin Jana Schegel. Anlaufende Sprachpatenschaften hätten eine bessere Grundlage.

Weitergeführt wird das gemeinsame Kochen. Bei der ersten Auflage bereiteten Deutsche und Syrer Nationalgerichte zu. Weitere Aktionen werden mit Fareed Mahaini vorbereitet, der in seiner Heimat Koch war.

Ein wichtiges Thema der nächsten Monate wird laut Tast die Mobilität sein. So sollen Fahrräder für kurze Fahrten gesammelt, vielleicht auch ein Werkstattraum geschaffen werden. Zudem könnten Mitfahrgelegenheiten für die Flüchtlinge organisiert werden als Ergänzung für den ÖPNV.

In ersten Treffen mit weiteren Prignitzer Netzwerken wurden Ideen ausgetauscht. Dazu gehören Anregungen für den nächsten Integrationsschritt, die Suche nach Arbeit. Dabei wird wohl laut Tast viel von der Bereitschaft der Unternehmen abhängen, Praktika bereitzustellen.

Denn vielen Syrern geht es wie Mahmoud Abdulhak, Berufs- und Studienpapiere oder Schulzeugnisse konnten sie nicht mitnehmen. Und an eine Neuausstellung in ihren Heimatländern ist aktuell nicht zu denken.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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