Land reagiert auf Kritik : Insel statt Ampel und keine Umgehung

Einwohner protestieren gegen die geplante Wegnahme der Fußgängerampel an der B 189 in Groß Pankow.
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Einwohner protestieren gegen die geplante Wegnahme der Fußgängerampel an der B 189 in Groß Pankow.

Planungen für Ausbau der B 189 in Groß Pankow sind so weit gediehen, dass es 2015 losgehen könnte / Kritik an Verkehrsinsel und Linienführung

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04. Juli 2014, 08:00 Uhr

Nicht nur für die brandenburgische Straßenbauverwaltung, sondern auch für die Gemeinde Groß Pankow (Prignitz), ihre Einwohner und vor allem tausende Kraftfahrer hat der Ausbau der Ortsdurchfahrt Priorität. Auch wenn sich weder das Infrastrukturministerium noch der Landesbetrieb Straßenwesen auf einen Termin für den Baubeginn festlegen wollen, sei planerisch alles so vorbereitet, dass man 2015 starten könnte. Das bestätigte gestern auf „Prignitzer“-Nachfrage Frank Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen.

Das Vorhaben im Zuge der B 189 befinde sich derzeit im Planfeststellungsverfahren, die bodendenkmalpflegerische Untersuchung der Trasse sei abgeschlossen, so Ministeriumssprecher Lothar Wiegand. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge betragen die Kosten für das Vorhaben rund 4,4 Millionen Euro.

Der geplante Ausbau des Nadelöhrs in Groß Pankow hatte jüngst für Proteste der Einwohner gesorgt. Ihre Kritik richtet sich hauptsächlich gegen die Abschaffung der Fußgängerampel, die perspektivisch durch eine Mittelinsel ersetzt werden soll. Nicht sicher genug vor allem für Kinder und ältere Menschen, meinen sie. Als Argumentation reiche das allein aber nicht aus, so Frank Schmidt. Während der sechswöchigen Auslegungsfrist der Planungsunterlagen habe sich kein Bürger diesbezüglich eingebracht, niemand angemahnt, dass die Ampel unbedingt bleiben soll. „Die Unterlagen waren sogar online einsehbar“, so Schmidt. Der Planer steht auf dem Standpunkt, dass eine Ampel eine Sicherheit vortäusche, die nicht vorhanden sei. Eine Verkehrsinsel hingegen verringere bzw. unterbreche die zu überquerende Breite der Fahrbahn, reduziere außerdem die Geschwindigkeit des Verkehrs. Überzeugende Zahlen und Fakten pro Fußgängerampel auf den Tisch zu legen, sei trotzdem auch jetzt noch möglich. Die Begründungen müssten jedoch stichhaltig sein.

Mit den Protesten trat auch ein anderer Kritikpunkt zu Tage: Warum wird Groß Pankow nicht mit einer klassischen Umgehung, also komplett um den Ort herum – wie es ursprünglich einmal geplant war – ausgestattet? Die Begründung des Infrastrukturministeriums: „Mit dem Bau einer Ortsumfahrung könnte aufgrund der für Bundesstraßen eher geringen Verkehrsbelastung und der sehr kurzen Durchfahrt der B 189 kein Beitrag zur Verbesserung der Fahrzeiten bis zur Autobahn erreicht werden. Durch die deutlich größere Länge einer potenziellen Ortsumfahrung würden die erwarteten Zeiteinsparungen aufgezehrt. Zudem befinden sich die Aufenthaltsbereiche der Menschen jeweils von der Ortsdurchfahrt abgewandt, ein Neubau würde voraussichtlich bisher kaum belastete Erholungsbereiche neu beeinträchtigen. Für Groß Pankow wurde daher keine Ortsumgehung für den Bundesverkehrswegeplan 2015 beim Bund angemeldet.“

Um den Ausbau im Ort vorzunehmen, sind neben dem bestehenden Straßenkörper noch Flächenankäufe notwendig. „Diesen zusätzlichen Platz benötigen wir aber nicht für die Fahrbahnverbreiterung, sondern um hier einen vernünftigen Fuß- und Radweg zu errichten“, erläutert Frank Schmidt. Unterschwellig wurden im Rahmen der jüngsten Protestaktion Meinungen laut, Privatland nicht für den Zweck des Straßenbaus verkaufen zu wollen. Das könnte das Projekt in der Tat verzögern, letztendlich aber nicht aufhalten, so Lothar Wiegand. Hier überwiege das öffentliche Interesse und könne juristisch auch durchgesetzt werden. „In solchen Fällen versuchen wir aber stets eine gütliche Einigung zu finden.“


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