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Der Prignitzer

23. November 2017 | 23:25 Uhr

Innige Geschwisterliebe auf dem Horst

vom

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erstellt am 01.Jul.2013 | 12:14 Uhr

Groß Warnow | Geboren und beringt 2006 in Volzendorf, Landkreis Lüchow-Dannerberg, trafen sich Bruder und Schwester im vergangenen Jahr auf der Wiese von Familie Franzki in Groß Warnow wieder. Es war offensichtlich innige Geschwisterliebe auf den ersten Blick, denn gemeinsam bezog das Adebarpärchen in acht Metern Höhe den Horst, und alsbald stellte sich auch Nachwuchs ein. Zwei Jungstörche zogen die beiden groß. "Ein Novum", gesteht Falk Schulz. Er muss es ja wissen, ist er doch Weißstorchbetreuer des Nabu.

Zwar habe man 1981 in Niedersachsen schon einmal ein beringtes Geschwisterpärchen beobachtet, doch deren Versuch, für Nachwuchs zu sorgen, blieb erfolglos. Anders bei den Groß Warnower Störchen, deren Liebe augenscheinlich nicht nur einen Sommer lang hielt. "Am 10. April dieses Jahres bezog der erste Storch wieder die Sommerwohnung hoch über der Wiese und vier Tage später kam Nummer zwei", erzählt Viola Franzki. Von ihrem Haus aus habe sie einen erstklassigen Blick auf den Horst, der seit 1986 über ihrer Wiese thront. Ganz gespannt erwarteten sie und ihr Mann Jörg seit Jahr und Tag im Frühling die Weltenbummler. "Denn ohne Storch wird es kein richtiger Sommer", so die Groß Warnowerin. Wie sich zeigt, ist der Horst auf ihrer Wiese eine gefragte Adresse, "denn besetzt war er immer", berichtet Viola Franzki. In diesem Jahr hat abermals das Geschwisterpärchen hier Quartier genommen. Und wieder gab es Nachwuchs - HL 650, HL 651 und HL 652. Den Storchenpersonalausweis bekamen die drei Jungstörche am Samstag gratis und direkt in den Horst geliefert. Falk Schulz, unterstützt von Nabu-Mitstreitern, sorgt dieser Tage dafür, dass in der Prignitz mindestens 200 Störche einen Ring der Vogelschutzwarte Hiddensee erhalten. Und wenn es mehr Störche sind? "Der Rest muss dann barfuß übers Jahr sich durchschlagen", fügt er scherzhaft an.

Seit 1962 beringe man Störche, erhalte so Aufschluss über die Populationsstruktur, über bevorzugte Standorte und welche Störche die Prignitz zur Brut bevorzugen. Zwischen 160 bis 180 Störche liefern jährlich diese Infos, die sie im Ring an ihrem Bein tragen und die von Falk Schulz, seinen Leuten und vielen Helfern abgelesen und protokolliert werden. Übrigens, seit diesem Jahr können die Bewohner der Orte in denen Störche beringt wurden, eine Liste erhalten mit allen Informationen zu ihren Sommergästen in den Horsten - u. a. wo sie beringt wurden und wo es sie hin verschlagen hat.

In der Regel brüten Störche im Umkreis von 60 bis 80 Kilometern von ihrer einstigen Kinderstube, ist vom Weißstorchfachmann zu erfahren. Es gibt aber auch Auswanderer. So habe man schon Litauer, Belgier, Polen, Tschechen, Dänen, zwei Franzosen und zugezogene aus dem schwedischen Wiederansiedlungsprojekt in der Prignitz angetroffen. Und auch mit der Treue ist das so eine Sache bei den Adebars. Es gibt etliche Pärchen, die sich immer wieder finden, aber auch etliche Artgenossen, die die Abwechslung lieben.

Wer mit wem, wie ist der Verwandtschaftsgrad, sind sie Vollgeschwister oder haben sie jeweils einen anderen Vater, die Bestimmung des Geschlechts, was optisch nicht möglich ist - das sind einige Fragen, auf die Ute Eggers, Diplombiologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Potsdam, gemeinsam mit den Studenten Antworten suchen. Im Rahmen eines internationalen Projektes, an dem neben der Uni Potsdam die Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg, das Max-Planck-Institut für Ornithologie, die Universität Jerusalem, wo die Laboruntersuchungen durchgeführt werden, und die Biological Station Spanien teilnehmen, untersuchen sie das Zugverhalten des Weißstorches. Störche werden dazu mit einem solarbetriebenen GPS-Sender ausgerüstet. Über Feder- und Blutproben wird die DNA untersucht, um so Aufschluss über Geschlecht und Verwandtschaftsgrad der Störche zu erhalten. In diesen Tagen begleiten sie Falk Schulz und dessen Mitstreiter beim Beringen des Storchennachwuchses in der Prignitz.

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