Auen-Projekt bei Cumlosen : Initiative für Fisch-Kinderstube

Junge Rapfen, Plötzen, Alande oder auch Steinbeißer wurden bei der Probefischung am Kälberwerder erfasst.
Junge Rapfen, Plötzen, Alande oder auch Steinbeißer wurden bei der Probefischung am Kälberwerder erfasst.

Bei Cumlosen soll erstmals wieder eine Aue an den Hauptstrom angebunden werden

svz.de von
05. Oktober 2018, 20:00 Uhr

Welche Auswirkungen haben die Auenlandschaften der Elbe auf den Fluss? Die Deichrückverlegung am „Bösen Ort“ gilt als beispielhaft für den Hochwasserschutz.

Doch die Auen dienen nicht nur als Überschwemmungsgebiet, sondern sie sind „die Kinderstuben der Fische“, wie es Dieter Leupold, Diplombiologe und Leiter des Auenverbundprojektes, beschreibt. „Wir wollen die Auen wieder an den Hauptstrom anbinden. Damit helfen wir den Auwäldern, der Landschaft und natürlich den Fischen.“ An einem Auenverbund in Wanzer, der „Hohen Garbe“, gegenüber von Cumlosen, soll nun erstmals wieder eine Aue an den Hauptstrom angebunden werden. „Dazu haben wir verschiedene Untersuchungen gemacht, unterstützt vom Leibnitzinstitut für Gewässerökologie der Humboldt-Universität Berlin“, erklärt Leupold.

Nutznießer des Anschlusses der etwa 200 Hektar großen Fläche an den Hauptstrom wird der Auwald sein, Vögel ebenso wie Fische und damit auch Angler und Fischer, so Dieter Leupold. „Bei den Maßnahmen, die wir umsetzen wollen ist es wichtig, dass wir alle Interessen berücksichtigen. Die Wasserrinnen sind hier zum großen Teil noch vorhanden. Wir werden einige Verschüttungen in den Rinnen entfernen und dann dieses Auengebiet über zwei Rohre, die etwa drei Meter im Durchmesser haben werden, wieder an den Hauptstrom anbinden“, erklärt Leupold. Dabei werde ein Wasserbauwerk errichtet, das mit Landmaschinen überfahrbar sein wird, aber auch Hochwassern der Elbe standhalten soll. Denn auch nach der Maßnahme sollen die Elbevorländer durch Weidewirtschaft nutzbar bleiben. Um das Projekt umzusetzen, findet zur Zeit ein Bodenordnungsverfahren statt, bei dem die Landeigentümer Ausgleichsflächen zum Tausch angeboten bekommen.

Ziel sei es, dass bei normalem Wasserstand der Elbe das Auengebiet mehrmals pro Jahr durchströmt werde. Bereits im Frühjahr haben Steffen Bader und seine Kollegen vom Leibnitzinstitut 15 Gewässer, die keine ständige Anbindung an die Elbe haben, untersucht und mit Probefischungen den Bestand bestimmt und katalogisiert. Jetzt im Herbst werden diese Gewässer wieder beprobt und dabei die Fische entnommen, gezählt, vermessen und nach ihren Arten bestimmt. „Wir sind dabei in Brandenburg ebenso unterwegs wie in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen“, erklärt Bader. Etwa 27 Fischarten konnten in den Gewässern nachgewiesen werden. Eine Probefischung wurde unter anderem im „Kälberwerder“ vorgenommen – ein Ort, wo auch zur Zeit die Jungrinder auf den Weiden stehen. Bei der Probefischung fanden die Fischereibiologen um Steffen Bader die üblichen Verdächtigen: Junge Rapfen, Plötzen, Alande, Steinbeißer aber auch Quappen und zahlreiche Junghechte, die erst in diesem Jahr das Licht der Welt erblickten. Auch zahlreiche Jungbarsche konnten bei den Befischungen nachgewiesen werden. Bei ihren Untersuchungen haben die Fischereibiologen große Unterschiede zwischen Gewässern festgestellt, die ständig, häufig oder gar nicht an den Hauptstrom der Elbe angebunden sind. „Wir haben selten und meist nur im Frühjahr größere Fische in diesen Gewässern. Deshalb sind Frühjahrshochwasser für den Bestand der Fische in der Elbe sehr wichtig. Aber auch die steigenden Pegel im Herbst und Winter sind wichtig, damit die Jungfische die Kinderstube auch wieder verlassen können“, erklärt Steffen Bader. Der Fischereibiologe ist sich sicher, dass die Auenanbindung Auswirkungen auf den gesamten Flussabschnitt haben wird, denn den Fischen sei es egal, ob sie in Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder Niedersachsen schwimmen. Sie brauchen den Lebensraum Elbe und kennen keine Grenzen.

Auffällig bei den Befischungen am Kälberwerder war die hohe Zahl an Barschen und Junghechten. „Zander finden wir in diesen Bereich auch, aber eher selten. Die Zander halten sich eher im Hauptstrom und den Buhnen auf. Dort im Hauptstrom haben wir auch Zander gefunden, allerdings nur wenige Hechte. Sie scheinen sich eher in beruhigte Bereiche zurückzuziehen“, so Bader.

Gefördert wird das Vorhaben direkt durch das Bundesumweltministerium und nachgelagerte Institutionen. „Wir sind im Moment noch im Monitoring und im Bodenordnungsverfahren und hoffen, dass wir im kommenden Jahr mit dem Bau der Flutungsrohre beginnen können und zum Jahresende abgeschlossen haben werden“, sagt Dieter Leupold, der dem Trägerverbund Burg Lenzen angehört.

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