Naturschutz kontra Gewerbe : Industriegebiet kann nicht wachsen

Die bislang zur Erweiterung des Gewerbegebiets vorgesehen Fläche ist rot markiert, die Alternative Fläche gelb. Das weiß schraffierte Areal ist potenziell für weiteren Ausbau denkbar. Links im Bild ist die sanierte Deponie der Zellwolle zu sehen, im Norden die Bahnlinie nach Berlin.
Die bislang zur Erweiterung des Gewerbegebiets vorgesehen Fläche ist rot markiert, die Alternative Fläche gelb. Das weiß schraffierte Areal ist potenziell für weiteren Ausbau denkbar. Links im Bild ist die sanierte Deponie der Zellwolle zu sehen, im Norden die Bahnlinie nach Berlin.

Stadtbauamt sieht Erweiterung kritisch und prüft Alternativen

svz.de von
04. September 2015, 08:00 Uhr

Die geplante Erweiterung des Industriegebietes Süd stellt die Stadt Wittenberge vor große Herausforderungen. „Bei der Untersuchung der für die Erweiterung angedachten Flächen hat sich herausgestellt, dass dieses Areal Biotope mit großer Artenvielfalt und dementsprechend einem sehr hohen Erhaltungswert beinhaltet“, sagte Bauamtsleiter Martin Hahn auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Sollte hier dem gültigen Bebauungsplan entsprechend eine Fläche von rund fünf Hektar als Raum für Gewerbeansiedlung bereitgestellt werden, müsste die Stadt auf rund 16 Hektar gleichwertige Biotope als Ausgleichsmaßnahmen herrichten.

Für die Realisierung des Bebauungsplanes sieht Hahn zwei Probleme. „Zum einen haben Umweltschutzverbände bereits signalisiert, dass sie aufgrund des hohen Schutzstatus der existierenden Biotope sehr genau hinschauen werden, zum anderen hat die Stadt keine Möglichkeit, 16 Hektar Fläche für Ausgleichsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen.“ Überdies würde von den Fördermitteln, die zu Erschließung der neuen Gewerbeflächen eingeworben werden könnten, ein Großteil für Ausgleichsmaßnahmen aufgewendet werden müssen.

„Es stellt sich die Frage, ob wir mit dem Kopf durch die Wand den Plan durchdrücken wollen, auf die Gefahr hin, Schiffbruch zu erleiden, oder lieber eine Alternative suchen“, schloss Hahn.

Die Alternative könnte darin bestehen, die Erweiterungsflächen nach Osten zu verschieben, in die Gemarkung Breese hinein. Vorteil sei, dass diese Flächen bezüglich des Naturschutzes weniger sensibel seien und die Gemeinde Breese Interesse signalisiert habe. Allerdings müsste dafür ein neuer Bebauungsplan ausgearbeitet werden.

Auf die Frage von Abgeordneten hin, ob denn überhaupt weitere Gewerbeflächen benötigt würden, entgegnete Hahn, dass das Potenzial im aktuellen Gebiet Süd nahezu ausgeschöpft sei. Auch das Gewerbegebiet an der B 189 sei durch die Ansiedlung von Austrotherm und MV Pipe an seine Grenzen geraten. Letztlich entschieden sei noch nichts, die Verwaltung befinde sich im Abwägungsprozess, wie hier am besten zu verfahren sei.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen