Pritzwalk reinigt Grundwasser : In vier, fünf Jahren sind die Kohlenwasserstoffe beseitigt

Pritzwalks Bürgermeister Wolfgang Brockmann (l.) und Landrat Hans Lange nehmen die Grundwasserreinigungsanlage symbolisch in Betrieb.
Pritzwalks Bürgermeister Wolfgang Brockmann (l.) und Landrat Hans Lange nehmen die Grundwasserreinigungsanlage symbolisch in Betrieb.

An der Hainholzmühle in Pritzwalk wurde eine neue Grundwasser-Reinigungsanlage in Betrieb genommen. Die Kosten für das Projekt werden sich auf 600 000 bis zu einer Million Euro belaufen.

svz.de von
12. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Landrat Hans Lange und der Pritzwalker Bürgermeister Wolfgang Brockmann haben in Pritzwalk eine Grundwasserreinigungsanlage in Betrieb genommen. Sie steht an der Hainholzmühle und soll hier in den nächsten vier bis fünf Jahren das Grundwasser von Kohlenwasserstoffen reinigen. Der Grund für die Verunreinigung: Vor mehr als 50 Jahren wurde etwas oberhalb der heutigen Wohnblöcke eine Chemische Reinigung eröffnet. Diese verwendete Kohlenwasserstoffe, die auch in das Erdreich und so in das Grundwasser gelangten.

1991 wurde die chemische Reinigung geschlossen. Was blieb, war ein Wirrwarr und der unendliche Versuch der Behörden, jemanden für den Schaden, der hier entstanden ist, haftbar zu machen. „Wir haben alles mögliche versucht über Grundstückseigentümer jemanden habhaft zu werden. Wenn wir dann jemanden hatten, ist der wieder verstorben, das Erbe wurde ausgeschlagen und am Ende stand die Verwaltung wieder mit leeren Händen da. Das Problem ist uns lange bekannt und steht seit 1991 auch unter Beobachtung durch die Kreisverwaltung. Schlimm wurde es erst, als im Wohnblock Grundwasser im Keller stand und davon ein ganz übler Geruch ausging“, beschreibt Landrat Hans Lange die Geschichte.

Besagter Wohnblock wird von der Pritzwalker Wohnungsbaugesellschaft bewirtschaftet. „Wir können in der unteren Etage niemanden mehr wohnen lassen und wir können auch keine Kellerräume mehr zur Verfügung stellen. Deshalb haben wir den Mietern die Wohnungen im Erdgeschoss als Abstellräume zur Verfügung gestellt. Diese Situation bringt für uns etwa 20 000 Euro Mindereinnahmen pro Jahr“, sagt Ellen Prill, Geschäftsführerin der Pritzwalker Wohnungsbaugesellschaft. Viele Jahre, so Landrat Hans Lange, hatte man die krebserregenden Kohlenwasserstoffe im Boden und im Grundwasser im Blick, ohne jedoch wirklich etwas tun zu können. Zu teuer war eine Reinigung und ein Bodenaustausch mitten im Wohngebiet war auch keine Lösung.

Als dann 2008 das kontaminierte Grundwasser in den Kellern stand, kam wieder Bewegung in die Sache. „Wir verständigten uns mit dem damaligen Umweltminister Dietmar Woidke und es wurden uns dann doch Fördermöglichkeiten für eine Sanierung des Schadens eröffnet. Seit 2011 arbeiten wir daran“, so Hans Lange. Zuvor hatte der Schaden bereits beim Landkreis Kosten von etwa 120 000 Euro verursacht.

Die Lösung ist eine Grundwasserreinigungsanlage, die nun installiert und in Betrieb genommen wurde. Aus zwei Brunnen wird das belastete Grundwasser, etwa zwei Kubikmeter pro Stunde, abgepumpt. „Dann wird es mit Druckluft versetzt, weil die Kohlenwasserstoffe leicht flüchtig sind. Anschließend geht das Wasser durch zwei Aktivkohlefilter, um es dann gereinigt in die Regenentwässerung abzuleiten“, erklärt Ralf-Dieter Beck von der Firma IMA Umwelttechnik GmbH aus Kiel. Weil das Grundwasser aber immer weitere Schadstoffe aus dem Erdreich löst, dauert dieser Prozess vier bis fünf Jahre. Bei der Maßnahme gehe es zum einen um den Schutz des Trinkwassers, zum zweiten aber auch um die Umwelt, denn die Dömnitz sei nur wenige hundert Meter entfernt.

Die Kosten für das Projekt werden sich auf 600 000 bis zu einer Million Euro belaufen, wobei der Landkreis mit 20 Prozent an den Kosten beteiligt ist. Die Steuerung und Kontrolle der Anlage wird über das Internet direkt aus Kiel erfolgen, Wasserproben werden allerdings vor Ort entnommen, um den Erfolg der Maßnahme zu kontrollieren. Eine Gesundheitsgefährdung der Anwohner in dem Gebiet bestehe aber nicht, erklärten die Fachleute.

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