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Praktikum im Ausland : In Schweizer Kochtöpfe geschaut

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Zwei Prignitzer Gastronomen sandten drei ihrer Azubis für ein Praktikum in den Alpenstaat / IHK hilft mit der Mobilitätsberatung

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erstellt am 01.Apr.2014 | 12:00 Uhr

In der Schweiz laufen die Uhren etwas langsamer als hierzulande. Manja Matys, Anastasia Rupp und Julia Mebs haben den unmittelbaren Vergleich. Die drei jungen Frauen machen eine Lehre zur Köchin bzw. zur Restaurantfachfrau in Dahses Gasthaus in Glövzin und der Wittenberger Lucullus GmbH. Im Januar tauschten sie für vier Wochen ihren Ausbildungsbetrieb gegen einen Monat Praktikum im benachbarten Alpenstaat. Dort lernten sie: Die Schweizer sind Genießer, lieben Fondue und Stress ist für sie selbst in Restaurantküchen ein Fremdwort.

Ermöglicht und finanziell gefördert wird der Auslandsaufenthalt während der Lehrzeit durch die Mobilitätsberatung der IHK Potsdam, deren Mitarbeiterin Marion Talkowski das Programm jüngst vorstellte. So berät die IHK Unternehmen und Auszubildende und hilft bei der Suche nach europäischen, aber auch weltweiten Partnerunternehmen. Auch in der Prignitz beteiligen sich mehrere Unternehmen an dem Weiterbildungsprogramm. Thomas Schneider, Geschäftsführer der Lucullus GmbH, und Dietmar Dahse vom „Kuhstall“ waren zum ersten Mal dabei. Mit drei ihrer Azubinen aus dem zweiten und dritten Lehrjahr entschieden sie sich schließlich für Luzern.

Die 20-jährige angehende Restaurantfachfrau Manja Matys verbrachte vier Wochen in einem Drei-Sterne-Hotel, die 17-jährige Bald-Köchin Anastasia Rupp war in einem Fondue-Haus und Dahses Koch-Azubi, die 19-jährige Julia Mebs, arbeitete in einem noblen Seniorenheim. Alle drei können nun reichlich neue Eindrücke und Erfahrungen vorweisen. „In der Schweiz war das Arbeiten viel ruhiger und entspannter, anders als in der Großküche“, erzählt Anastasia Rupp. Manja Matys konnte ihr Sprachwissen auffrischen und sich mit den Gästen auf Englisch und Russisch unterhalten. Julia Mebs, für die es die erste große Reise ihres Lebens war, sei durch die Wochen jenseits der Heimat sogar „selbstbewusster geworden“, wie sie sagt.

Ungewohnt für alle war die andere Esskultur, welche die Schweizer pflegen. „Bei uns wird der Teller vollgeladen, bis nichts mehr raufpasst, und dann schnell heruntergeschlungen. Dort wird das Essen regelrecht zelebriert und in kleinen Portionen gegessen“, berichtet Dietmar Dahse, der als Ausbilder die Reise begleitete und die Gelegenheit wahrnahm, das Schweizer Ausbildungssystem kennenzulernen. Anfangs sei er skeptisch gewesen, seine Lehrlinge ins Ausland zu senden: „Ich hielt das für betriebswirtschaftlichen Unfug: Meine Auszubildende steht mir nicht zur Verfügung, ich muss sie aber weiterhin bezahlen.“ Schließlich habe er sich überreden lassen und habe inzwischen seine Meinung geändert. „Durch so ein Praktikum können Jugendliche einmal ihren Standpunkt wechseln, in verschiedene Kochtöpfe schauen und sich internationale Küchen ansehen.“ Gerade die Schweiz diene in vielerlei Hinsicht als Vorbild. Ähnlich sieht Thomas Schneider die Idee vom Blick über den Tellerrand. Was für die Azubis wohl am wichtigsten ist: Ein Auslandsaufenthalt schadet nie im Lebenslauf. Und auch die Gastronomen haben etwas davon: „Ich erhoffe mir natürlich auch mehr Bewerberzulauf, wenn ich einen Auslandsaufenthalt während der Lehre anbiete“, so Dahse, der wie Schneider und viele andere Ausbilder unter dem Fachkräftemangel leidet.

Beide Köche wollen an dem Programm der IHK festhalten und auch künftig weiteren Azubis einen Auslandsaufenthalt ermöglichen.

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