zur Navigation springen

Serie Ein tag als... : In einem Meer von Blumen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Tag als Gärtnerin: Volontärin Wibke Niemeyer topft Stiefmütterchen und Gänseblümchen aus

svz.de von
erstellt am 16.Jun.2017 | 11:00 Uhr

Der Duft von frischer Blumenerde liegt in der Luft. Ich atme tief ein. Spüre Frühlingsgefühle pur in mir. Der Frühling hat in den Gewächshäusern der Gärtnerei Haering Einzug gehalten (Anm. d. Red.: Zum Zeitpunkt der Recherche für diese Serie war es März).

Beet- und Topfpflanzen wie großblumige Stiefmütterchen, Hornveilchen und Primeln in gelb, blau, rot und weiß warten auf meinen Einsatz. Einen Vormittag arbeite ich in einem Meer von Blumen. Und das ausgerechnet zwischen meinen Lieblingsblumen: Rosa Gänseblümchen.

Dass Gartenarbeit nicht nur ein Hobby, sondern auch anstrengend und schweißtreibend ist, hätte ich vorher nicht gedacht. Im Frühling und Sommer herrscht Hochsaison im Gartencenter. Ein Auftrag jagt den nächsten. Arbeiten im Akkord und im Stehen. „Die ersten Tage hinterlassen ihre Spuren in den Armen und Beinen. Du merkst, was du getan hast“, berichtet Praktikantin Elise-Sophie Riebe. Muskelkater vorprogrammiert.

Zusammen mit Elise und Azubi Gideon Schirge stelle ich den ersten Auftrag zusammen. 1000 gelbe Stiefmütterchen. Ohne Topf. Für die Frühjahrsbepflanzung in der Elbestadt. Ein Großauftrag. Hoffentlich verzähle ich mich nicht.

Die Blumen lösen sich schwer aus den Neun-Zentimeter-Töpfen. Es gibt einen Trick. „Die sind manchmal ziemlich verwurzelt. Einfach den Topf kneten und die Pflanze löst sich“, sagt Praktikantin Elise. Zeigt es mir. Mit der nötigen Kraft dahinter klappt es. Plötzlich habe ich eine Blüte in der Hand. Abgerissen. Das war wohl zu viel des Guten. Das ist aber kein Drama, ein strafender Blick bleibt aus. Auch im Gewächshaus gilt: Übung macht den (Gärtner-)Meister.

Aus dem Gewächshaus schleppen wir die ausgetopften Frühjahrsblüher zum Lieferwagen. Kistenweise. In eine Kiste passen eng gepackt etwa 40 Blumen. Neben den Stiefmütterchen stehen noch fünf Kisten rosa Gänseblümchen. Wieder ohne Topf. „So haben es die Mitarbeiter beim Einpflanzen leichter“, erklärt Gärtnerin Silke Dambrowski. Ich bin völlig vertieft in die Arbeit. Vergesse alles andere um mich herum.

Die Arbeit ist ganz schön schweißtreibend, die Luft im Gewächshaus schwül und feucht. Auch die Sonne trägt zu den Schweißperlen auf meiner Stirn bei. Pause? Daran ist nicht zu denken. Die nächste Aufgabe wartet schon.

Wir bestücken den Verkaufsbereich der Gärtnerei mit den Pflanzen für die Hobbygärtner. Kaum steigt die Sonne nach dem Winter etwas höher, zieht es die Wittenberger in ihre Gärten und auf die Balkone. Darauf sei Verlass, meinen die Mitarbeiter. Dieses Mal schleppen wir die Blumen palettenweise aus dem Gewächshaus. Platzieren die einzelnen Paletten auf Verkaufstische. „Wenn die Kunden kommen, sieht es so viel netter aus“, sagt Elise. Die 18-Jährige macht ein Praktikum zur Einstiegsqualifizierung. „Das dauert ein halbes Jahr und wenn ich meine Arbeit gut mache, habe ich die Chance, hier meine Ausbildung zu starten“, erklärt sie.

An meinen Händen kleben Reste von Blumenerde. Ein grüner Daumen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für meine trockenen Hände ein natürliches Peeling.

Plötzlich zwickt es. Durch das ständige Tragen von Kisten mit Pflanzen macht sich mein Rücken bemerkbar. Spüre jeden einzelnen Muskel. Lasse mir aber nichts anmerken. Zähne zusammenbeißen. Weiter geht‘s. Übermütig stolpere ich fast mit einer Kiste Stiefmütterchen über den Gartenschlauch. Ein Arbeitsunfall hätte mir noch gefehlt. Ich habe ihn übersehen. War hochkonzentriert bei der Sache. Schuld war der Azubi. Er hatte ihn vorher zum Wässern der Blumen genutzt, aber nicht weggeräumt.

Augen auf im Gewächshaus!




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen