Start eines Pilotprojekts in Wittenberge : In die Tiefe fürs Selbstbewusstsein

Ab ins Wasser des Tauchturms geht es bald für Maik Körner (2.v.l.) und Dennis Wendt (3.v.l.). Sportarzt Christian Berndt (M.) begleitet das Projekt medizinisch, Henning Ohlert (4.v.r.) und Thomas Hennke (3.v.r.) von der Uni Potsdam sind als Wissenschaftler dabei.
Ab ins Wasser des Tauchturms geht es bald für Maik Körner (2.v.l.) und Dennis Wendt (3.v.l.). Sportarzt Christian Berndt (M.) begleitet das Projekt medizinisch, Henning Ohlert (4.v.r.) und Thomas Hennke (3.v.r.) von der Uni Potsdam sind als Wissenschaftler dabei.

In Wittenberge startet ein kreisweites Pilotprojekt, bei dem Menschen mit Handicap mit wissenschaftlicher Begleitung Tauchen lernen

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18. September 2017, 21:00 Uhr

Für Maik Körner und Dennis Wendt wird das kommende halbe Jahr spannend. Die beiden, die bei der Lebenshilfe Prignitz arbeiten, werden Tauchen lernen. Sie sind die ersten Menschen mit Handicap, die das im Rahmen eines Pilotprojektes machen. „Uns wurde das angeboten und da haben wir zugesagt“, erzählt Maik Körner am Montag beim Auftakttermin in der Alten Ölmühle.

Die Idee entstand zwischen Lutz Lange, Genesis-Gesellschafter, und Tom Buchholz, Geschäftsführer der Lebenshilfe Prignitz. „Das Projekt soll den Menschen mit Handicap eine Teilhabe an einer erfüllten Freizeit ermöglichen“, so Buchholz. Viele hätten Angst vorm Tauchen. „Und wenn sie es dann geschafft haben, setzt das Energien frei.“ Diesen Effekt wollen Wissenschaftler vom Department Sport- und Gesundheitswissenschaft der Uni Potsdam um Henning Ohlert und Thomas Hennke untersuchen. „Wir wollen die Gesundheitswerte analysieren und schauen, wie sich das Projekt didaktisch umsetzen lässt. Denn bei Menschen mit Handicap müssen die Tauchlehrer anders agieren als sonst“, erklärt Henning Ohlert. Dies spiele auch für die Hochschullehre eine Rolle. „Denn wir konfrontieren unsere Lehramtsstudenten während der Ausbildung auch mit dem Behinderten-Tauchen, sie lernen auch Rollstuhl-Fahren oder -Basketball.“ Gerade für Menschen mit einer Beeinträchtigung sei das Projekt wichtig. „Obwohl jemand amputiert oder querschnittgelähmt ist, kann er in der Schwerelosigkeit des Wassers Dinge, die er sonst nicht könnte. Das wirkt sich positiv auf das Selbstbewusstsein aus“, ist Ohlert überzeugt. Er hofft, dass sich möglichst viele Interessenten für das Projekt finden und es längerfristig angelegt werden kann.

Die Kosten trägt die Ölmühle, sagt Geschäftsführer Lutz Lange. Außerdem stelle der Betrieb auch die beiden Tauchlehrer Manuela Milz und Michael Schmitt. „Wir beginnen nächste Woche in der Schwimmhalle mit den Grundlagen, aber schon unter Atemluft im Schwimmerbecken“, blickt Michael Schmitt voraus, der schon mehr als 20  000 Tauchgänge absolvierte. Trainiert wird dann einmal in der Woche. Angst müsse niemand haben. „Meine älteste Schülerin war 74 und hatte es schnell drauf.“

Wenn die Grundlagen sitzen, geht es in dem Tauchturm auf dem Gelände der Ölmühle. „So ein Angebot gibt es nicht noch einmal zwischen Berlin und der Nordsee“, betont Lutz Lange die Vorzüge der Anlage: zehn Meter tiefes Wasser, verschiedene Unter-Wasser-Plattformen zum Üben und Pausieren und 27 Grad warmes Nass. Ob die Interessenten medizinisch in der Lage sind für das Tauchvergnügen, beurteilt Sportarzt Christian Berndt. Er achtet unter anderem darauf, ob die Lungen gesund und die Nasennebenhöhlen frei sind. 

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