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Help e.V. im Tschad : In der Wüste fließt das Wasser

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eldenburger Urban Britzius berichtet von neuen Erfolgen im / In einem Jahr beendet er seinen dann zehnjährigen Einsatz

von
erstellt am 27.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Der Sommerurlaub in Skandinavien ist vorbei. Urban Britzius hat im heimischen Eldenburg seine Sachen gewechselt, ist zurück im Tschad. Seit neun Jahren leitet er dort für die Hilfsorganisation Help e.V. das Flüchtlingslager Am Nabak, versorgt 16 000 Menschen aus dem benachbarten Sudan mit Wasser. Deren Situation hat sich mittlerweile deutlich verbessert, wie er vor seinem Abflug im Gespräch mit unserer Redaktion verrät.

„Die Wasserversorgung ist stabil, wir haben im Camp ausreichend Brunnen“, sagt Britzius. Dieses Ergebnis ist sein Verdienst. Als er vor neun Jahren diese Aufgabe übernommen hatte, musste er das Wasser aus weit entfernten Brunnen per Lkw heranfahren lassen. Die Kosten beliefen sich damals auf rund 600 000 Euro im Jahr. Heute seien es etwa 220 000 Euro. Transporte sind im Normalfall nicht mehr nötig. „Die Brunnen haben wir mittlerweile auf Solarbetrieb umgestellt“, so Britzius. Die tägliche Förderkapazität betrage 160 000 Liter. Damit sei es die größte solarbetriebene Trinkwasseranlage im Tschad. Für diese Leistung erhielt Help im vergangenen Jahr den Deutschen Solarpreis.

Längst hat Help seine Unterstützung auf die umliegenden Dörfer ausgeweitet. „Wir können nicht die Flüchtlinge versorgen, und die Menschen vor den Toren des Lagers vergessen“, sagt Britzius. In einem 50 Kilometer großen Radius um die dortige Stadt Eriba errichtet er mit seinem Team Brunnen. Insgesamt seien es bis jetzt 35.

Das spricht sich rum und führt zu teils kuriosen Szenen, wie er sagt: „Manche Menschen glauben, dass unsere Solarpumpen Wunder bewirken können, Wasser fördern, wo es wirklich keines gibt.“

Neben der Wasserversorgung engagiert sich Urban Britzius für Schulen sowie für Krankenhäuser und Gesundheitsstationen. In Flussbetten, die nur während der Regenzeit Wasser führen, sich dann aber in reißende Ströme verwandeln, hat er Furten befestigt, Stauanlagen errichtet. Dadurch wird das Passieren dieser Stellen für Kraftfahrer wesentlich sicherer. In der Vergangenheit habe es immer wieder Todesfälle gegeben, weil Autos von den Wassermassen mitgerissen wurden.

Durch das Anstauen können außerdem Felder bewässert werden, steige langfristig das Grundwasser an, freut sich Britzius über den Erfolg eines seiner jüngsten Projekte.

Wie es langfristig in der Region und mit den Flüchtlingen weitergehen wird und kann, vermag Urban Britzius nicht zu sagen. Das Lager selbst habe sich zu einer Stadt entwickelt. Es gebe Schulen, eine Gesundheitsversorgung, Märkte. Es werden Kinder geboren. Neue Flüchtlinge kommen nicht, aber zurück in ihre Heimat können sie auch nicht. Zu groß die Gefahr und Angst, erneut Opfer von Gewalt zu werden. Und eine Integration im Tschad sei kompliziert und ob diese wirklich gewollt sei, könne er nicht beurteilen.

Die politische Situation im Tschad und im Sudan bleibe verworren, auch wenn die Sicherheitslage besser geworden sei, es einen Friedensvertrag zwischen beiden Ländern gibt. Persönlich wird Urban Britzius noch für ein Jahr im Tschad bleiben. 2015 wird er 65 Jahre alt, wird in Rente gehen. Seine dann zehnjährige Entwicklungshilfe soll fortgesetzt werden, unter anderem durch eine lokale Hilfsorganisation, die sich im Aufbau befindet.

 

 

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