Im Perleberger Rathaus entdeckt : In der Schatzkammer des Rathauses

Sachbereichsleiterin Bärbel Hennig gewährt dem „Prignitzer“ Einblick hinter verschlossene Türen.  Fotos: Doris Ritzka
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Sachbereichsleiterin Bärbel Hennig gewährt dem „Prignitzer“ Einblick hinter verschlossene Türen. Fotos: Doris Ritzka

Wo einst Dokumente, Zahlungsmittel und Hypothekenbücher verwahrt wurden, befindet sich heute nur noch ein Lager.

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15. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Na, haben Sie heute schon ein Türchen geöffnet? Der Adventskalender mit seinen Geheimnissen gehört mit zu den schönsten Traditionen in der Adventszeit. Auch wir wollen bis zum Heiligabend Türen öffnen, die Ihnen sonst verschlossen bleiben. Ob Bahnhof, Gutshaus oder Landratszimmer – lesen Sie selbst, was sich hinter welcher Tür verbirgt. Heute: Die Schatztruhen im Perleberger Rathaus.

Wohl kaum einer ahnt, was sich hinter der hölzernen Tür verbirgt, die in den Turmanbau führt – schließlich schaut sie aus, wie all die anderen Türen in dem von 1836 bis 1839 errichteten Rathaus. Öffnet man sie, versperrt ein Stahlkoloss den Zugang. Jedenfalls in früheren Zeiten. Denn da war dieser Raum wie ein weiterer ein Geschoss tiefer die Schatzkammer der Stadt und wie der Tresorraum einer Bank gesichert. Dieser Eindruck übermannt einen unwillkürlich beim Anblick der Stahltür und ihrer gewichtigen Schließelemente. Stadtarchivarin Silvia Pieper begab sich für den „Prignitzer“ auf Spurensuche in alten Dokumenten und Zeichnungen aus den Erbauerzeiten.

In dem Protokoll der Übergabeverhandlung aus dem Jahre 1841 findet sich folgende Beschreibung für das 2. Obergeschoss: ….Sessionszimmer mit vier Fenstern und daran stoßende Depositalgewölbe, wozu der Turm des Rathauses höchst zweckmäßig, sicher und dauerhaft eingerichtet ist, es führt dahin erst eine Tür von eichenem Holz, einmal zu verschließen, hinter dieser befindet sich eine schwere eiserne Tür mit dreifachen großen sicheren Schlössern, zwei an Ketten hängenden Vorlegeschlössern und einem festen sehr festem Türschloss. Bei den Fenstern des Depositalgewölbes sind sie mit starken eisernen verschließbaren Fensterladen versehen.“

Eingelassene verschließbare Holzschränke und kleine eingebaute Tresore gaben nochmals Sicherheit. Letzteres verlangt heute allerdings viel Fantasie, denn von den einst eingebauten Tresoren sind nur noch die Ausmaße anhand von alten Einlassungen erkennbar. Und auch die Holztür ist längst nicht mehr verschließbar. Aber wer sollte auch schon Interesse an dem haben, was hier lagert – Dinge die man zwar braucht, aber ohne auch überlebt.

Das 2. Obergeschoss war nach Bezug dem ehemaligen Stadtgericht vorbehalten, findet die Stadtarchivarin heraus. Im Depositalgewölbe wurden wichtige Dokumente, Zahlungsmittel und Hypothekenbücher verwahrt. Zugang hatte nur Stadtrichter von Wittken. Eine Beheizung war in diesem Gebäudeteil nicht vorgesehen. So gaben die Fenster mit Laden Schutz von außen vor Dieberei und den Klimata der Jahreszeiten.

Nach Auszug des Gerichts um 1900 befand sich im anschließendem Raum des Turmes die Registratur mit Aktenablage der Verwaltung. Im Depositorium wurden wichtige Dokumente wie auch der mittelalterliche Urkundenbestand verwahrt, weiß Silvia Pieper zu berichten.

Als dann die Verwaltungsarbeit immer größere Ausmaße annahm, das Personal gleichso wuchs und die Registratur schließlich aufgelöst wurde, schaffte man den Inhalt des Turmzimmers in das erste Obergeschoss, das in Gestalt dem darüber liegendem glich. Einziger Unterschied, wichtige Dokumente fanden nun auf einem einfachen Holzregal ihren Platz. Die Altakten der Verwaltung hingegen wurden in die ehemaligen Gefängniszellen des Drempelgeschosses gebracht. Auch in den nachfolgenden Jahren ab 1950 waren hier wichtige Dokumente hinter den sicheren Türen nicht jedermann zugänglich. Erst nach der Wende verlor zumindest das Turmzimmer im 2. Obergeschoss seine Bedeutung. Es dient heute der Verwaltung nur noch als Lager.

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