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Auf Tour mit dem Gasprüfer : Immer dem Gas auf der Spur

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Andreas Riediger prüft Gasleitungen auf Lecks – Meter für Meter. An manchen Tagen ist er 30 Kilometer unterwegs.

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Wer flüchtig schaut, meint einen müden Wanderer zu sehen, der seinen Stock hinter sich herzieht. Nur Weste und Hose in den grellen Warnfarben passen nicht in dieses Bild. Andreas Riediger ist auch kein Wanderer, sondern ein Gasprüfer im Auftrag der Hansegas. Eine Tätigkeit, die man fast mit einem berufsmäßigen Wanderer vergleichen könnte: Täglich an der frischen Luft unterwegs und das nur bei gutem Wetter. „Wenn es regnet, können und dürfen wir nicht arbeiten, denn dann bekommen wir keine reellen Ergebnisse“, erklärt Riediger, den wir in Lenzen treffen.

Den Blick starr auf den Monitor eines Tablets gerichtet, geht er langsam entlang einer Straße. In der rechten Hand hält er dabei eine Art Teleskopstock, an dessen Ende ein Lappen befestigt ist, der über den Asphalt schleift. „Das ist der Prüfteppich.“ Er funktioniert wie ein Ministaubsauger der Luft ansaugt. Die sensiblen Sensoren messen in dem Luftgemisch Gaswerte und schlagen gegebenenfalls Alarm.

Unter Lenzen verläuft die 130 Kilometer lange Gasleitung HDL 102. Ausgehend von Sargleben führt sie bis nach Neuhof in Mecklenburg-Vorpommern. Jeden Meter muss Andreas Riediger ablaufen. „800 Meter pro Stunde sind seriös“, sagt er. Auf Asphalt durch Lenzen mag es schneller gehen, aber oft genug führt die Strecke durch die Landschaft. Unwegsames Gelände, hohes Gras, Bachläufe, Zäune sind zu überwinden. An guten Tagen beträgt die Laufstrecke bis zu 30 Kilometer, an schlechten magere zehn.

Seit einem Jahr ist Andreas Riediger Gasprüfer. Wie alle seine Kollegen ist auch er ein Quereinsteiger. Theorie büffeln, ein Jahr als Geselle mitlaufen und dann die Prüfung bestehen. „In Chemie muss du dich auskennen, alles über Gase und ihre Eigenschaften wissen.“

Geprüft werden die Leitungen bis zum Hausanschluss. Ein markierter Punkt an der Fassade zeigt die exakte Stelle an. Wenn Gartenzaun und Firmentor den Zugang versperren, hilft manchmal das Klingeln beim Nachbarn. „Bleibt der Zugang versperrt, kommen wir ein zweites oder drittes Mal oder melden uns telefonisch. Geprüft werde in jedem Fall. Den Weg abzukürzen oder einfach die letzten Leitungsmeter ignorieren, sei keine Option. „Es geht um die Sicherheit, und mit meiner Unterschrift bestätige ich, dass die Gasleitung dicht ist.“

Alles ist gut. In Lenzen tritt kein Gas aus.
Alles ist gut. In Lenzen tritt kein Gas aus.

Risse oder gar Löcher in der Leitung seien die Ausnahme. „Muffen, Schieber, Hausanschlüsse sind neuralgische Punkte, aber auf freier Strecke gibt es fast nie eine undichte Stelle“, so Riediger. Selbst bei Gasaustritt sei nicht immer Gefahr im Verzug. Das Gerät misst schon einen Part per Million (ppm). „Das ist, als wenn man unter eine Million Tischtennisbällen im Fußballstadion den einzigen roten entdecken würde“, beschreibt Riediger bildhaft. Ab zehn ppm piept das Gerät, ab 200 ppm nimmt der Mensch Gasgeruch wahr und erst ab 44 000 ppm sei eine Gasexplosion bei einem entsprechenden Sauerstoffgemisch möglich.

So weit kommt es in der Regel nicht. Die meisten Schäden fallen in die Klassen B und C. Selten sind es A1 und A2, die dann aber umgehend behoben werden müssten. Erst am Morgen hatte es einen der seltenen A1-Fälle außerhalb Lenzens gegeben. Im Hohlraum unter einer Schiebergruppe hatte sich Gas angesammelt. Gehandelt werde in jedem Fall – unabhängig von der Menge des Gasaustritts.

In Lenzen sind rund um die Biogasanlage im Gewerbegebiet keine undichten Stellen. Riediger weicht einer Hecke aus, kurz darauf steht eine junge Birke im Weg. Keine ernsthaften Hindernisse. Es verspricht ein angenehmer Arbeitstag zu werden. „Heute bekomme ich keine Blasen an den Füßen“, scherzt er. In den ersten Wochen sei das eher die Regel, als die Ausnahme gewesen. „Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt habe ich das passende Schuhwerk gefunden“, sagt er und zieht mit seinem Prüfteppich weiter die nächste Straße entlang.
 

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