zur Navigation springen
Der Prignitzer

16. Dezember 2017 | 17:59 Uhr

Imbisschef: "Ich weiß nicht weiter"

vom

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2012 | 08:37 Uhr

Wittenberge | "Ich kann Ihnen nichts liefern. Mein Imbiss ist geschlossen. Diesmal haben sie alles mitgenommen". Allein während der Unterhaltung mit dem "Prignitzer" muss Asar Elnaji gestern dreimal Kunden am Telefon erklären, warum er weder Döner noch ein anderes Gericht fertig machen kann.

Der Chef des Imbisswagens auf dem Parkplatz Bentwischer Weg beim Lidl ist am Ende. "Ich kann nicht mehr, habe keine Vorstellungen, wie es weitergehen soll" , sagt der Mann , dessen Kapital der Wagen mit seiner Ausstattung ist bzw. war. Die gut sortierte Küche im Wageninnern gibt es seit der Nacht von Dienstag zu Mittwoch nicht mehr. Diebe haben den Mann im wahrsten Sinne des Wortes seiner Existenz beraubt. Irgendwann in der besagten Nacht suchten sie seinen Imbisswagen heim, brachen ihn auf, nahmen alles mit. "Es ist nicht zu fassen: Fleisch und Getränke, meinen großen Kühlschrank, Bestecke, Schüsseln", zählt Asar Elnaji auf. Aber das seien noch nicht die schlimmsten Verluste. Die Diebe haben auch den Grill und den Toaster mitgehen lassen. Das sind quasi die Herzstücke des rollenden Imbiss. "Ohne sie kann ich nicht weiter machen. Geld, neue Geräte zu kaufen, habe ich nicht. Der Schaden geht in die Tausende." Asar, so wird er von vielen seiner Kunden kurz genannt, sagt, er zittere vor Wut und Ärger. Und er blickt mit großer Sorge auf die nächsten Tage und Wochen: "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll."

Versichert ist der Imbissbesitzer nicht. Welche Versicherung schließt schon mit jemandem einen Vertrag ab, dessen Wagen immer wieder das Ziel von Dieben ist? Nun muss er um seine Existenz kämpfen, weiß noch keine Lösung.

Gern würde er wieder seinen Imbiss haben. Auf dem Parkplatz am Lidl wird er wohl nicht bleiben, wenn das mit der Wiedereröffnung jemals klappen sollte, sagt Asar Elnaji. Für Kundschaft ist der Stellplatz gut. Aber nachts brennt keine Laterne. Und dann kommen die Diebe. Seit 2006 steht er dort. "Ich weiß nicht, wie oft seitdem bei mir eingebrochen wurde", sagt der Imbisschef.

Bei der Prignitzer Polizei sind, das erfuhr die Redaktion gestern auf Nachfrage, seit 2007 sieben Anzeigen wegen Einbruchs in den Imbiss aufgenommen worden. Nie wurde ein Einbrecher ermittelt.

"Von Oktober 1998 bis 2006 habe ich in Weisen gestanden, da ist nie etwas passiert", erzählt Elnaji. Er kann sich nicht erklären, "wer es jetzt auf mich abgesehen hat". Auf jeden Fall steckt hinter den Einbrüchen kriminelle Energie: Auch zwischen Weihnachten und Neujahr erhielt der Imbisswagen nächtlichen Besuch. Einen großen Kühlschrank und den teuren Coca-Cola-Kühlschrank transportierten die ungebetenen Gäste ab. Die Einbrecher versuchten auch, Grill und Toaster aus ihrer Verankerung zu reißen. Es klappte nicht. Asar Elnaji hatte die beiden teuren Gerätschaften extra festgeschraubt. Beim Diebeszug diese Woche hatten die Unbekannten Schraubschlüssel dabei und waren erfolgreicher.

Fakt ist, Kühlschränke, Grill und Toaster passen nicht in gewöhnliche Pkw. "Die Diebe müssen mit größeren Fahrzeugen da gewesen sein", schlussfolgert Elnaji. Seine große Hoffnung: "Vielleicht ist jemandem etwas aufgefallen. Dann soll er es der Polizei sagen. Ich kann jede Unterstützung gebrauchen", bittet er seine Mitbürger um Hilfe. Asar Elnaji fühlt sich als Wittenberger, auch wenn er hier nicht geboren ist. Als 15-Jähriger kam der gebürtige Palästinenser aus Syrien 1985 im Zuge einer Solidaritätsaktion, wie er sagt, in die DDR, lernte hier im Kraftfahrzeuginstandsetzungsbetrieb, ist von Beruf KfZ-Meister, machte sich nach der Wende selbstständig. In Wittenberge will er mit seiner Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen. Nur weiß er momentan nicht, wie es funktionieren soll.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen