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Der Prignitzer

22. November 2017 | 23:25 Uhr

Perleberg : Im Stellwerk sind die Lichter aus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach 136 Jahren endet in Perleberg die Eisenbahnerära, demnächst werden Weichen und Signale von Neuruppin aus ferngesteuert

von
erstellt am 24.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Sonnabend um 00.40 Uhr ging eine Ära auf dem Bahnhof Perleberg zu Ende. Das Fahrdienstleiter-Stellwerk im Empfangsgebäude wurde abgeschaltet.

Die Stellwerkstafel ist dunkel. 23 Jahre war das der Arbeitsplatz von Fahrdienstleiterin Sonja Weise. Einige Tage hält sie hier noch die Stellung, gewährt Technikern Zutritt. Dann wird auch sie umziehen, wohin, das weiß sie noch nicht. Arbeitslos werde sie nicht, denn die Bahn sucht händeringend Fachpersonal wie Fahrdienstleiter. Bis dato hatte sie das Glück, am Ort zu arbeiten. „Das ist jetzt allerdings vorbei.“

Vor 40 Jahren begann Sonja Weise bei der Bahn, machte ihren Facharbeiter für Eisenbahntransporttechnik. Gelernt habe sie in Bad Wilsnack, war hier bei der Aufsicht, verkaufte Fahrkarten, schickte mit der Schaffnerkelle die Züge auf die Strecke und war auch im Stellwerk. Auf dem Bahnhof Perleberg stellte sie fast 23 Jahre die Weichen und Signale, überwachte die Bahnschranken.

Von 4.30 Uhr bis 22 Uhr war das Stellwerk besetzt, sieben Tage die Woche und auch feiertags, versteht sich. Zwei Züge pro Stunde plus Güterzüge passierten täglich den Bahnhof Perleberg. Als Fahrdienstleiter hatten sie eigentlich keinen Kontakt mit Reisenden. „Eigentlich“, fügt sie an. Vor allem als der Fahrkartenschalter geschlossen wurde, klopfte es immer mal wieder an ihrem Fenster. „Wir waren fast schon ein kleines Auskunftsbüro.“ Wie kommt man an Fahrkarten, wann fährt der nächste Zug, das waren Standardfragen. Und oft konnten sie eben auch helfen. Sie waren schon so etwas wie die guten Seelen des Bahnhofs, lange Zeit die einzigen.

„Es war eine schöne Zeit, die Arbeit hat Spaß gemacht“, sagt die 56-Jährige. Es fällt ihr sichtlich schwer darüber zu reden. „Die moderne Technik hat uns eingeholt“, gesteht sie.

Nach 136 Jahren Eisenbahn in Perleberg gibt es nun hier keinen Eisenbahner mehr. Alle betrieblichen Aufgaben gehen mit der Abschaltung in Perleberg auf das elektronische Stellwerk in Neuruppin über. „Auf der Schiene wird von hier aus nichts mehr gesteuert. Derzeit haben wir noch Schienenersatzverkehr“, ergänzt Sonja Weise. Mit Ende der Umbauarbeiten werden Signale, Weichen und Schranken für den Bahnhof Perleberg sowie für die Bahnhöfe Groß Pankow und Rosenhagen, die zeitlich versetzt vor Perleberg abgeschaltet wurden, ab dem 30. Oktober dann von Neuruppin aus ferngesteuert.

Mit dem Auszug der Fahrdienstleiter, dem Ausbau aller technischen Einrichtungen und des Mobiliars wollen die neuen Eigentümer des Empfangsgebäudes auch diesen Raum einer neuen Nutzung zuführen. „Oben Wohnung, unter Café“, bringt es Klaus Voss, einer der Eigentümer, auf einen kurzen Nenner. Doch das werde frühestens im nächsten Jahr in Angriff genommen, sieht es der neue Fahrplan vor.  

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