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Schwerlasttransport nach Putlitz : Im Schritttempo um die Kurven

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

300 Tonnen schwerer Trafo erreicht sein Ziel in Putlitz: Erste Planungen begannen bereits vor einem Jahr

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2016 | 20:00 Uhr

Es ist geschafft: Der 300 Tonnen schwere Trafo steht auf seinem Fundament in Putlitz-Süd. Aufatmen bei der Baumann GmbH aus Bornheim. Das auf Schwertransporte spezialisierte Unternehmen hat den Koloss in der Nacht zu gestern sicher an sein Ziel gebracht. Ein Auftrag, der es in sich hatte, sagt Carsten Gebser. Rund 60 Kilometer waren zu bewältigen. Dem Projektleiter ist die Entspannung anzumerken. „Es hat alles bestens geklappt, um 5.30 Uhr sind wir in Putlitz angekommen.“

Der Transformator war am 2. April nahe der alten Fährstelle von einem Schubschiff an Land auf einen Schwertransporter bugsiert worden. Dann begann das Warten. Brücken auf der Strecke mussten nachberechnet werden. Das dauerte. Aber Sicherheit sei das A und O bei einem solchen Projekt.

Am späten Freitagnachmittag dann der Anruf des Projektleiters in der Redaktion: „Wir haben alle Genehmigungen. Sonntagabend um 22 Uhr können wir los fahren.“ Der „Prignitzer“ erlebt die erste Etappe der ungewöhnlichen Transports live.


„Wir fahren nach rechts“


Bereits kurz nach 21 Uhr ist die Straße zwischen B 189 und Elbdeich dicht. Kein Durchkommen mehr für Fahrzeuge, die nichts mit dem Schwertransport zu tun haben. Kurz hinter dem Elbdeich, über den die Wagenkonstruktion mit dem Koloss erstaunlich unkompliziert gerollt ist, formiert sich der Transportzug.

Vier Begleitfahrzeuge gehören dazu. Der Transformator liegt in einer Spezialkonstruktion. Es ist eine Art Tiefbett-Tieflader. Davor und dahinter die Transporter, die die Konstruktion ziehen bzw. schieben. Die Kolonne setzt sich in Bewegung.

Die Fahrzeuge sind in gleißendes Scheinwerferlicht getaucht. Den Trafo selbst erreicht es kaum. Er ist eine riesige graue Masse. Die Szenerie hat etwas Unwirkliches. Langsam bewegen sich die Transporter auf die Ampelkreuzung B 189 zu. Hier müsste die Kolonne mit ihrer Monsterfracht nach links Richtung Perleberg abbiegen. Aber wie funktioniert das?

Projektleiter Gebser hat keine Zeit für Gespräche, ruft aber im Vorbeilaufen wenigstens noch: „Wir fahren nach rechts.“ Tatsächlich. Polizeiwagen sperren die B 189 ab. Die Schwertransporter biegen nach rechts Richtung Elbbrücke ein. Dass ihnen die Ampel dabei nicht in die Quere kommt, ist kein Wunder, sondern vorauseilenden Verkehrstechnikern zu danken. Sie drehen die Leiteinrichtung beiseite. Auf der Brückenauffahrt bleibt die Kolonne stehen. Die Wagen vorn und hinten werden umgekoppelt, stehen nun in Fahrtrichtung Perleberg.

An der Kreuzung haben sich Leute eingefunden, gucken, fotografieren. „Das ist doch etwas Besonderes. Hochinteressant. Das lohnt sich festzuhalten“, sagt Wolfgang Bauch. Der ehemalige Eisenbahner ist von der technischen Leistung begeistert.


Die Engstellen gemeistert


Alles lief glatt. Keine Vorfälle auf der Strecke. Die demontierten Schilder und Ampeln sind direkt nach der Durchfahrt wieder aufgebaut worden. Einzig eine Wittenberger Ampel muss im Nachgang mit einem neuen Fundament versehen werden. Die Kosten für diese logistische Großleistung liegen laut Gebser insgesamt im sechsstelligen Bereich.

Eine Engstelle gab es in Putlitz. Der Trafo musste dort über das Gelände der PAE Marktfrucht. Für Norbert Evermann, der auf Seiten der KTG-Agrar-Gruppe, zu der die PAE gehört, den Transport mit koordinierte, war es die größte Aktion in seinen 14 Jahren als Projektleiter. „Vor einem Jahr haben wir das erste Mal in Wittenberge zusammengesessen. Die Firma Baumann hat sich Stellen genau angesehen, wie viel Platz der Trafo braucht“, berichtet Evermann. Als klar war, dass man über das PAE-Gelände einige Schwachstellen in der Zuwegung umgehen kann, habe man noch keinen Eindruck gehabt, welche Arbeiten dafür nötig sein werden.

„Der kommt ja um keine Kurve rum“, so Evermann. Sechs Wochen arbeitete man bei der PAE am Umbau, hat die Tore komplett entfernt, die Einfahrt von der Pritzwalker Straße neu verlegt und auf 40 Meter verbreitert, Blumenbeete versetzt.

PAE musste sein Gelände nicht zwangsläufig zur Verfügung stellen. „Aber wir haben sieben laufende Biogasanlagen in Putlitz. Der Strom muss eingespeist werden, daran wollten wir mitwirken“, sagt Evermann.

 
 

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