Tauchen : Im Rausch der Tiefe

Jonas Krahn übte im Tauchturm mit seinen Schützlingen das Apnoe-Tauchen.
Jonas Krahn übte im Tauchturm mit seinen Schützlingen das Apnoe-Tauchen.

Deutscher Rekordmeister im Apnoe-Tauchen Jonas Krahn gibt Lehrgang im Wittenberger Tauchturm

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07. September 2015, 08:00 Uhr

Luft anhalten und abtauchen. Gewiss haben auch Sie im Urlaub am Meer mal eine Muschel vom Meeresgrund ans Tageslicht geholt. Waren es zwei, drei oder gar vier Meter? Japsend schießen Sie mit dem gereckten Kopf zurück an die Oberfläche. Japsen muss gewiss auch mal Jonas Krahn, wenn er aus 80 Metern Tiefe wieder auftaucht. Im Tauchturm Wittenberge gab der Deutsche Rekordhalter im Apnoe-Tauchen einen Lehrgang.

Nein, sein Brustkorb wirkt nicht so übermächtig, kein Vergleich mit dem des Supersprinters Usain Bolt. Der 30-jährige wirkt in seinem Neoprenanzug eher zierlich. Aber im Wasser spürt man seine Athletik. Wie ein Delphin schießt er seinen Schützlingen hinterher, taucht unter sie hindurch. Aus der Puste kommt er dabei nicht. Heute will er keinen Rekord aufstellen, sondern sein Wissen vermitteln.

Man braucht keine Vorkenntnisse. „Gut wäre, wenn man 200 Meter schwimmen kann“, scherzt Jonas Krahn. Beim Freitauchen sei vieles Kopfsache und die Atemtechnik ist enorm wichtig. Beides erklärt er in der theoretischen Einführung, bevor in der Praxis unter Wasser die Luft angehalten wird, die Teilnehmer Strecken- und Tieftauchen müssen. Bis zu 25 Meter weit, maximal zehn Meter hinab. Wer das schafft, bekommt ein offizielles Zertifikat für den Einstieg ins Apnoe-Tauchen.


Unter den Top Ten der Freitaucher


Jonas Krahn träumte schon als Kind vom Tauchen. Sein Vater ist Gerätetaucher, damit lag das Hobby nahe, aber erst mit 18 Jahren probierte er das Freitauchen aus. Ein damaliger Rekordhalter trainierte ihn und schon nach einem halben Jahr lag seine Bestmarke bei 42 Metern.

Hilfsmittel hat er keine. Er taucht an einem Seil hinab und wieder hinauf, tastet sich Meter für Meter in die Tiefe voran. 50 Meter, 60 Meter, 70 Meter. Er schaut sich den Klassiker „Im Rausch der Tiefe“ an und wird selbst von einem Rausch erfasst. Er trainiert weiter und holt sich in dieser Disziplin den Deutschen Rekord: 80 Meter.

Jonas Krahn ist Deutscher Meister im Strecken- und Zeittauchen, hält insgesamt elf verschiedene nationale Rekorde und gehört nach seinen eigenen Angaben zu den Top 10 der weltbesten Freitaucher.

„Es ist ein Spiel mit den Zahlen, die Frage: Wie weit kann ich gehen?“. Klar sei es gefährlich und selbst er habe manchmal das Gefühl, dass jeder schon mal hatte: Die Angst, die Luft reicht nicht. „Aber du lernst, diesen Gedanken mental zu unterdrücken, genau wie den Atemreflex lange hinaus zu zögern“, sagt er.

Der Weltrekord liegt bei 120 Metern, gut 40 Meter tiefer als Jonas Krahn jemals getaucht ist. Nein, diesen wolle er nicht knacken. Derzeit trainiert der gelernte Erzieher nicht für Wettkämpfe, sondern bietet Kurse im Apnoe-Tauchen an. Das Einsteigerseminar in Wittenberge kam sehr kurzfristig. „Ich wohne in Berlin, hörte durch Zufall vom neuen Tauchturm.“ Da dieser dicht bei sei und es der einzige in Norddeutschland ist, wollte er ihn kennen lernen. Gut möglich, dass er hier noch weitere Kurse geben wird.

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