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Schlechtes Pilzjahr : „Im Prinzip sind die Wälder leer“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

2016 ist kein gutes Pilzjahr. Strahlenbelastung in der Prignitz gering. Erster Europäischer Pilztag am 24. September

svz.de von
erstellt am 02.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Die Pilzsaison in der Prignitz kommt nicht so richtig in Schwung. Von einer außerordentlich schlechten Saison spricht Ekkehard Jesse, einer der wenigen Pilzexperten im Landkreis. Der Grund: „Die zeitweiligen Trockenphasen und die Tage mit den hohen Wärmewerten“, so der Perleberger. Pilze würden ab 25 Grad keine Fruchtkörper mehr ausbilden. Vereinzelte Funde seien zwar schon gemacht worden, aber „im Prinzip sind die Wälder leer.“ Das könne sich nur noch ändern, wenn die Temperaturen wieder längerfristig auf Werte um 20 Grad sinken und einige ergiebige Regenschauer dazu kommen. Dann wäre auch mit den typischen Sammelpilzen wie Steinpilz und Pfifferling zu rechnen. Die Prognose ist aber etwas schwierig. Schon seit einiger Zeit zeichnet sich ab, dass viele Arten nicht so richtig wachsen möchten. „Ich weigere mich zwar immer, das alles auf die Klimaveränderungen zu wälzen, aber es scheint das typisch wechselhafte Frühlingswetter zu fehlen, eher kühl und oft unterbrochen von Regen. Daran hatten sich die Pilze angepasst und deswegen fallen sie jetzt aus“, schätzt Jesse ein. Frühlingspilze wie Mairitterlinge oder Morcheln gebe es so in der Prignitz fast gar nicht mehr. Die trockenen Frühjahre machen dann auch den Sommerpilzen zu schaffen.

Gute Nachrichten gibt es aus Potsdam. Umweltbehörden des Bundeslandes stufen die Strahlenbelastung der Prignitzer Pilze als gering ein. „Es gibt seit elf Jahren eine Langzeitstudie mit Maronen. Daher kennen wir die Belastungsstärken“, sagt Ekkehard Jesse. Der Grenzwert von 600 Beequerel für die Belastung mit dem Isotop Cäsium-137 werde in der Prignitz flächendeckend unterschritten. Dieser Wert gilt übrigens nicht nur für Pilze, sondern für alle freiwachsenden Produkte, ergänzt Jesse. „Fast alle Wiesenpilze weisen sogar fast gar keine Cäsium-Belastung auf. Ihre Myzelien – vereinfacht gesagt: die Wurzeln – liegen so flach, dass sie kaum Cäsium sammeln.“ Die Wildpilze sind also unbedenklich. Einen Tipp für alle Sammler hat Ekkehard Jesse aber noch: Da es in dieser Studie nur um die Strahlen-, nicht aber um die Schadstoffbelastung geht, sollten die Menschen keine Pilze sammeln, die direkt an den Rändern stark befahrener Straßen wachsen. Die Schadstoffe vom Autoverkehr werden von den Pilzen auch aufgesogen.

Das größte Ereignis rund um die kleinen Schirmfrüchte wird es am Samstag, dem 24. September, im Pritzwalker Hainholz geben. Der 3. Pritzwalker Familienwandertag wird mit dem ersten Europäischen Pilztag verbunden. „Es gibt eine Ausstellung von Pilzen, Beratungen und Musik mit Jagdhörnern“, blickt Susanne Aßmann, Regionalverbandsgeschäftsführerin der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), voraus.

Regelmäßige Termine wie früher könne man unter dem Dach der SDW in Pritzwalk nach Auflösung der ehrenamtlicher Beratergruppe Ende 2013 nicht mehr anbieten. „Wir brauchen Sachverständige, und das sind alles Ehrenamtler. Auch der im April gewählte Vorstand muss sich erst einarbeiten, und wir müssen auf dem Gebiet aktiver werden“, so Aßmann. Für alle, die auf eigene Faust in die Wälder ziehen, ist Vorsicht geboten. Sie sollten sich vorher informieren und im Zweifelsfall Pilze lieber stehen lassen. 

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