Im Paradies der Radfahrer

<strong>Königliche Beratung: </strong>Wittstocks Rosenkönigin Ninett Lapawczyk erzählt Ute Winzer und Ray Neujahr von den vielfältigen Urlaubsmöglichkeiten im Reisegebiet Prignitz.<fotos>Hanno Taufenbach (6)</fotos>
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Königliche Beratung: Wittstocks Rosenkönigin Ninett Lapawczyk erzählt Ute Winzer und Ray Neujahr von den vielfältigen Urlaubsmöglichkeiten im Reisegebiet Prignitz.Hanno Taufenbach (6)

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10. März 2013, 06:26 Uhr

Prignitz/Berlin | Wer seine Weltreise auf der Internationalen Tourismusmesse (ITB) in Berlin gen Brandenburg am falschen Eingang beginnt, treibt im Besucherstrom vorbei an Postkartenmotiven, treibt vorbei an Traumzielen, denen die Mehrheit der Besucher nie näher kommen wird, als hier auf der ITB. Und dann ist man in Brandenburg. Keine Palmenstrände. Keine rauchenden Vulkane. Keine Löwen im hohen Gras. Aus dem Strom wird ein Rinnsal. Statt Palmenstrand erblickt das Auge die vertraute Elbaue an der Wand. Hier ist der Stand des Tourismusverbandes Prignitz.

Hier spielt keine bunte Combo heiße Rhythmen, hier tanzen keine anmutigen Frauen. Hier spricht Wittstocks Rosenkönigin Ninett Lapawczyk die Besucher an. Die Angebote hier heißen nicht Safari oder Wildwasserrafting. Sie heißen Radfahren und Wellness. Charmant lächelnd im roten Kleid entfaltet Ninett eine Karte der Reiseregion. Überschaubar, keine zwei Stunden von Berlin entfernt und doch weit genug, um den Großstädtern eine völlig andere Welt zu offenbaren. Ganz ohne Flug und Visum kann er hier unberührte Natur entdecken, über sanfte Wiesen streifen, mit der Kamera Störche im Anflug einfangen. "Die Prignitz ist sehr schön, wir haben dort mehrere Jahre gewohnt", sagt Ute Winzer. Einfach ideal zum Radfahren. Sie schwärmt von idyllischen Dörfern und Cafés hinter üppig bewachsenen Vorgärten und greift sich ein Urlaubsjournal.

"Radfahren". "Na, die Radwege." "Wo ist es an der Elbe schöner, als in der Prignitz?" "Elberadweg." Die Antworten der Besucher am Prignitzstand lauten immer gleich. Was anderswo die feinsandige Traumbucht sein mag, ist hier das Radwegenetz. So banal es klingen mag, aber es ist tatsächlich ein Besuchermagnet und viele fragen ganz gezielt danach. Da passt es wunderbar, dass die Prignitz mit ihrer Knotenpunkt -

weg weisung am Freitag den Tourismuspreis des Landes gewonnen hat. "Man ist im Gespräch, die Medien berichten darüber und wir haben gezeigt, dass wir uns als Radregion weiter profiliert haben", sagt Uwe Neumann, Geschäftsführer des Tourismusverbandes. Durch diese spezielle Ausschilderung entstanden neue Rundwege und Verbindungen zu bestehenden Radwegen. Das Radroutennetz wurde um 475 Kilometer erweitert.

Spätestens im Sommer werde der Allgemeinde Deutsche Fahrradclub (ADFC) die Prignitz bundesweit als erste Radfahrregion zertifizieren, sagt Neumann. Am Beispiel der Prignitz sollen sich dann alle anderen Regionen orientieren. Ein Bericht in der ADFC-Fachzeitschrift sei in Vorbereitung. Das sei pure Werbung auf hohem Niveau. "Wir müssen dies nutzen, unsere Angebote weiter ausbauen", so Neumann. Buchbare Pakete müssen her. Eine fünftägige Rundreise mit Gepäcktransport und fest stehenden Unterkünften. "Unsere Aufgabe wird es sein, Anbieter dafür zu begeistern."

Ein Ausruhen dürfe es nicht geben, der Service muss ausgebaut werden, sagt auch Mike Laskewitz, Mitarbeiter im Tourismusverband. Er ist seit Mittwoch auf der ITB, hat Seminare besucht, sich mit Kollegen ausgetauscht. "Beim Buchungssystem müssen wir vorankommen", sagt er. Online seien bisher nur etwa 25 Hotels und Ferienwohnungen über den Verband buchbar. "Wir brauchen noch viel mehr Anbieter, die hier mit aufgenommen werden wollen", sagt Laskewitz. Die Nachfrage nach dieser Buchungsform steige stetig. Darin seien sich auf der ITB die Experten einig. Für den Gastgeber bedeutet dies: "Sie müssen zuverlässig und technisch versiert sein, ihre Mails täglich prüfen, um beispielsweise Doppelbuchungen zu vermeiden", erklärt Laskewitz.

Zugleich wirbt er um Zertifizierungen. Mit der ersten Fünf Sterne-Ferienwohnung in Breetz habe die Region ein Aushängeschild, aber noch viel mehr, sollten sich zertifizieren lassen. "Es müssen nicht fünf oder vier Sterne sein. Hauptsache der Gast weiß, was er erwarten darf und das sagen ihm die vergebenen Sterne", so Laskewitz.

Neben den Radwegen profiliert sich die Prignitz mit Wellness, vor allem in Bad Wilsnack, aber zunehmend auch mit Wassersport. Mit Elbe, Havel, Stepenitz und Löcknitz ist die Prignitz mit mehreren Kanutouren in Publikationen aufgeführt. Ganz neu dazu kommt das Projekt "Kurs Elbe", mit dem die Fahrgastschifffahrt zwischen Hamburg und Wittenberge touristisch ausgebaut werden soll.

All das gebündelt zu hören, in Pros pekten und im Internet zu lesen, stärkt das Selbstvertrauen für den Marsch zurück durch Regenwälder und Wüsten, entlang der Palmenstrände. Im Wissen, das die Prignitz ihr eigenes blaues und grünes Paradies hat, zwinkern wir im Vorbeigehen dem Löwen in der Serengeti zu und sind zurück im Berliner Schneegestöber.

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